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Tomorrow Focus-Vorstand Schuh im MEEDIA-Interview

"Facebook ist ein bedrohlicher Wettbewerber"

Die Tomorrow Focus AG die neue Vermarkter-Nummer eins. Ein Grund zum Feiern, aber nicht zum Ausruhen. Denn innerhalb der Branche geht es hoch her. So verrät Vorstand Christoph Schuh im MEEDIA-Interview, dass er noch nie eine "so wettbewerbsintensive Zeit" erlebte. Der Münchner spricht über die wichtigsten Trends, die Macht von Google und die Entwicklung von Facebook. "Auch wenn bei Facebook das Pricing sehr niedrig ist, ist für die deutschen Vermarkter ein sehr bedrohlicher Wettbewerber entstanden."

Herr Schuh, Tomorrow Focus ist die neue Vermarkter-Nummer eins. Wie wichtig ist dies für Ihr Geschäft im Segment Advertising?
Zunächst einmal freuen wir uns besonders, dass wir die Nummer 1-Position als Netzwerk von reinen Premium-Portalen wie FAZ, Chip, sport.1, MeineStadt oder Focus geschafft haben. Dank sagen müssen wir hier besonders unseren Vermarktungspartnern, mit denen wir seit vielen Jahren exklusiv und erfolgreich zusammenarbeiten. Es gibt weltweit kein anderes Land, wo ein Displayvermarkter Marktführer ist, der kein reichweitenstarkes Enrtypoint-Portal wie Access oder Free-eMail besitzt.
Für unser Advertising-Geschäft ist die Nummer 1 aus mehreren Gründen sehr wichtig: Zunächst stellen wir eine zunehmende Konzentration der Media-Budgets auf große Online-Vermarkter fest, sodass wir überproportional profitieren. Ferner können wir wichtige technologische Vermarktungsprodukte wie Targeting oder Yield-Optimierung mit großer Reichweite effizienter ausspielen. Und: Wir haben in diesem Jahr eine große Gattungsoffensive für Branding-Budgets im Internet gestartet, bei der uns die Marktführerposition sicher auch hilft.
Last but not least: Unser Werbemarktplatz AdJug profitiert ebenfalls, da wir Restplätze in Deutschland exklusiv an AdJug geben.

Welche Bereiche Ihres Advertising-Portfolios entwickeln sich besonders gut?
Das Nettoumsatzwachstum im Advertising-Segment aus Tomorrow Media und AdJug liegt in diesem Jahr bisher bei deutlich über 30 Prozent und damit weit über der Display-Marktentwicklung. Beide Gesellschaften vermarkten in UK und Deutschland inzwischen zusammen rund 10 Milliarden Werbeplätze pro Monat.
Wir freuen uns aber auch, dass es dem Tomorrow Focus Media Geschäftsführern Oliver Eckert und Martin Lütgenau in diesem Jahr gelingt, die Ergebnissituation der Portale Focus und Finanzen100 ganz deutlich zu verbessern.
AdJug arbeitet seit Q4 2010 in UK und Deutschland profitabel. Hier sind wir gerade in strategischen Überlegungen, wie wir das notwendige internationale Wachstum weiter vorantreiben können, da das Performancegeschäft zur Skalierung internationale Größe benötigt.

Sehen wir nur eine Momentaufnahme der Nr. 1 Position oder werden sie den Trend bestätigen können?
Der Abstand im AGOF-Vermarkterranking zur Nr. 2 Interactive Media beträgt nur etwa 200.000 Unique User, so dass es theoretisch bei der nächsten AGOF-Ausweisung zu einem Wechsel in den ersten beiden Champions-League-Positionen kommen kann. Aber so bleibt es im Zweikampf spannend und unser geschätzter Ex-Kollege Frank Bachér hat bei Interactive Media keine Langeweile. Wir werden aber auch in Zukunft unsere Strategie der Premium-Vermarktung von ca. 50 ausgewählten Portalen nicht ändern, nur um die Nr.1 Position künstlich abzusichern. Ein Champions-League-Platz war immer unser erklärtes Ziel und das wird auch so bleiben.

Wie wird sich der Display-Markt entwickeln?
Hier erleben wir gerade massive systemische Veränderungen: Einerseits haben die wichtigen Agenturgruppen sogenannte Trading-Desks installiert, mit denen sie selbst aktiver in das Vermarktungsgeschäft eingreifen wollen und das Inventar mit eigenen Targetingdienstleistungen zusätzlich veredeln. Das Trading wird zukünftig verstärkt auch über Real-Time-Bidding-Engines erfolgen, was zusätzlich die Marktmechanik verändert. Es erfolgt agenturseitig ein massiver Technikinvest und ein Erweitern der Wertschöpfungskette, was wir in unseren strategischen Überlegungen aktiv berücksichtigen müssen.
Ferner versucht Google mit seiner AdExchange einen relevanten Markteinteil zu erobern, was Ihnen bisher in Deutschland glücklicherweise bei den großen Publishern schwer fällt. Außerdem greifen meist VC-finanzierte US-Spezialdienstleister in Disziplinen wie Targeting, Yield-Optimizing, Data Exchange in Deutschland an, um sich zwischen Publishern und klassischen Vermarktern zu positionieren. Ich habe in meiner nun über zehnjährigen Zeit im digitalen Business noch nie eine so spannenden und wettbewerbsintensive Zeit erlebt.

Wie entwickelt sich die Marktmacht von Google?

Nach unseren Schätzungen wird Google seinen weltweiten Marktanteil in diesem Jahr auf 47 Prozent des digitalen Advertisinggeschäftes von rund 75 Milliarden Dollar ausbauen. In Deutschland ist der Marktanteil noch deutlich höher, da Bing und Yahoo Search eine untergeordnete Rolle spielen.
Aber nicht nur im Advertisinggeschäft spüren wir Google als wichtigen Wettbewerber, sondern zunehmend auch in den Vertical-Bereichen mit Transaktionsgeschäft wie Travel, Finance und Health. Google-Übernahmen wie die Reisebuchungsplattform ITA oder Veränderungen im Such-Algorithmus durch Panda können Impact auf unser Transaktionsgeschäft haben.

Merken Sie bereits heute eine gewisse Bedrohung durch Facebook, die – laut Prognosen – schon bald einen gewichtigen Teil des Web-Werbeaufkommens einstreichen könnte?
Comscore hat vor wenigen Tagen herausgefunden, dass 31 Prozent des im ersten Quartal 2011 ausgelieferten Display-Werbeinventars in den USA von Facebook kommt. Yahoo folgt an zweiter Stelle weit abgeschlagen mit 10 Prozent. Auch wenn bei Facebook das Pricing sehr niedrig ist, ist für die deutschen Vermarkter ein sehr bedrohlicher Wettbewerber entstanden, gegenüber dem wir uns als Qualitätsvermarkter mit großflächigen, brandingstarken Werbeplätzen positionieren müssen.

Wie können sich die deutschen Qualitätsvermarkter mittelfristig aus dieser Bedrohung durch finanzstarke US-Player befreien?
Aus unserer Sicht geht dies nur über strategische Kooperationen klassischer Online-Vermarkter. Jeder alleine ist mittelfristig nicht groß genug, um diesen Reichweitenkampf zu gewinnen. Die wichtigsten Wettbewerber sind schon lange nicht mehr die AGOF-Wettbewerber, sondern Google, Facebook und zukünftig sicher auch Apple.
Die amerikanischen Verlage New York Times, Gannet, Hearst und Tribune haben mit Quadrant One ein interessantes Vermarktungs-Joint-Venture gestartet: Hier bündeln sie in einer Private Exchange ihr Restplatzinventar und haben somit volle Kontrolle über Pricing und Inventarvergabe. Wir haben im letzten Jahr gemeinsam mit G+J, IP und Seven One das Joint Venture AdAudience gestartet und sind damit ebenfalls auf dem richtigen Weg. Alle Partner sind hier sehr commitet und bereit, die nächste Stufe zu zünden.

Wie sah allgemein der Start in 2011 für die Tomorrow Focus AG aus?
Wir sind sehr zufrieden mit dem Start in das Jahr 2011: Alle drei Segmente Transaction, Advertising und Technologie entwickeln sich gut: HolidayCheck und ElitePartner gewinnen nach unseren Analysen weiter Marktanteile hinzu und können ihre marktführenden Positionen in Deutschland weiter ausbauen. Wir werden dazu ausführlich am 13.05. berichten, wenn wir unsere Quartalszahlen veröffentlichen. Ferner haben wir ca. 50 Millionen Euro verfügbare Finanzmittel für Akquisitionen und sind hier sehr aktiv im Bereich der vertieften Targetidentifikation.

Alexander Becker

06.05.2011
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    06.05.11 18:36

    Stan Brown

    Schön, dass Meedia Herrn Schuh so kritische Fragen stellt wie z.B. warum es wichtig sei, die Nummer 1 zu sein. Auch ein Blick ins Archiv zeigt, dass sich Meedia bei der Berichterstattung über Tomorrow Focus immer eine gewisse Distanz wahrt. Es überwiegen Überschriften mit Wörtern wie "Rekordumsatz" und "Rekordergebnis". ---

    Vielleicht wäre es irgendwann mal angebracht, auf die engen persönlichen Beziehungen zwischen Herrn Manthey und auch Herrn Altrogge zu Tomorrow Focus hinzuweisen? Kritischer Journalismus sollte bei der eigenen Adresse beginnen.

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