Das ging nach hinten los: Die italienische Fluglinie Alitalia bot via Facebook seinen Fans üppigen Rabatt an. Ganze 25 Prozent Ermäßigung gibt es für Europäer. Zeitgleich startete die Airline auch in Japan eine Rabatt-Aktion mit 25.000 Yen Ermäßigung. Dumm nur: Die konnten auch Europäer nutzen und bekamen so sogar Freiflüge. Jetzt rudert das Unternehmen zurück und storniert bereits bestätigte Buchungen. Die Nutzer sind empört.
Die Welt wächst immer mehr zusammen. Daran haben auch Fluggesellschaften ihren Anteil, weshalb sie diese Tatsache eigentlich weniger überraschen sollte. Die italienische Alitalia erwischte es dennoch. Der Konzern startete eine groß angelegte Werbemaßnahme auf Facebook. 25 Prozent Ermäßigung gibt es für Flüge – oder aber 25.000 Yen auf der japanischen Seite der Italiener.
Und weil die Welt so eng verzahnt ist, bekamen das schnell auch viele Europäer mit, die zudem bemerkten, dass der Japan-Rabatt nicht nur für die teuren Flüge von Japan nach Europa, sondern auch für die von Japanern wenig überraschend eher seltener gebuchten innereuropäische Flüge gilt. Umgerechnet entspricht das etwa einer Ermäßigung von 240 Euro, was viele Flüge vollkommen kostenlos werden ließ.
Zwar musste dafür über die japanischsprachige Seite gebucht werden, aber Übersetzungsprogramme machen auch dies für die meisten Nutzer mittlerweile möglich. Für eine Gratisreise nahmen viele Nutzer die Übersetzungsarbeit auf sich. Der WDR geht in einem Bericht von möglicher Weise einer fünfstelligen Zahl an Rabatt-Buchungen aus. Insgesamt hätten sich laut Facebook-Seite über 180.000 Personen für das Angebot interessiert.
Nach einiger Zeit merkte dann wohl auch die italienische Airline, dass da etwas unplanmäßig verläuft. Aktuell hat Alitalia begonnen, die versehendlich vergebenen Freiflüge zu stornieren. Die Fluglinie beruft sich in ihren Stornierungs-Mails darauf, die Buchungen seien mit Kreditkarten durchgeführt worden, die nicht für das entsprechende Land, also Japan, vorgesehen seien. Außerdem sei nicht von einer japanischen IP-Adresse aus bestellt worden.
Ob Alitalia damit rechtlich durchkommt, bleibt jedoch abzuwarten. Das Problem: In der ursprünglichen Variante des Rabatt-Codes galten keine Beschränkungen. Die Meldung, dass die Kreditkarte oder IP-Adresse nicht gültig seien, kam auch erst im Nachgang per E-Mail, als der Fluglinie ihr Problem aufgefallen war. Bis dahin hatten die Nutzer jedoch schon Buchungsbestätigungen, einige von ihnen sogar schon ihre E-Tickets.
Viele machen nun auf Facebook ihrem Unmut Luft: Sie beschweren sich über die Stornierung ihrer bereits bestätigten Buchungen, schreiben, sie hätten inzwischen Hotels gebucht und bezahlt. Immer wieder verweisen die Kunden empört darauf, dass für die Buchungen keinerlei Beschränkungen gegolten hätten. Tatsächlich könnten sie Recht haben und im Rahmen der europäischen Passagierrechte auf die allem Anschein nach rechtsgültig abgeschlossenen Verträge bestehen.
Ob es zu Entschädigungen oder gar gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen wird, ist noch unklar. Die Rabatt-Aktion hat der Konzern mittlerweile eingegrenzt. Statt einer großen Werbemaßnahme ist die Kampagne für Alitalia so oder so gehörig nach hinten losgegangen. Entweder hat man sich reichlich unbeliebt gemacht oder viel mehr Geld ausgegeben, als geplant. Im für die Fluggesellschaft schlimmsten Fall sogar beides.
Letzte Kommentare
21.11.12 14:55
Silver Rous Web-Site
Hallo, dies ist mein erster Mal, wenn ich hier. Ich fand so viele interessante in Ihrem Blog vor allem auf, wie man das Thema bestimmen. Halten Sie sich die gute Arbeit.
22.10.12 23:46
Michael Sasse Web-Site
Nachdem ich in den letzten 2h zahlreiche Texte bei Spon, FTD, Handelsblatt etc. zu dem Alitalia Vorgang gelesen habe bin ich von diesem Artikel begeistert. Alle anderen "Artikel" habe die unvollständigen und tw. falschen Angaben von dpa übernommen.
Zahlreiche Nutzer unseres Blogs http://www.triptroll.de haben die Alitalia Tickets mit dem japanischen Gutschein gebucht. Es ist klar nachzuvollziehen, dass Alitalia die Gutscheinbedingungen erst im Nachhinein geändert hat, um eine Grundlage für die Stornierung der Tickets zu schaffen.
Alitalia hat das Problem, dass auch Flüge aus und in die USA betroffen sind. Dort gibt es sehr starke Verbrauchergesetze "Aviation Consumer Protection" welche die Rechte von Fluggästen in solchen Fällen stärken. Erste Klagen werden laut einigen Blogs schon vorbereitet.
22.10.12 23:03
Christian Maskos Web-Site
Ich muss ein großes Lob aussprechen: Dieser Artikel gehört zu den wenigen korrekt recherchierten. Ich bin Chefredakteur beim Exbir Reisemagazin und wir haben das Ganze seit Samstag Nachmittag verfolgt und frühzeitig darüber berichtet. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Kunden weiter wehren und auf ihre Rechte bestehen: Leider herrscht in der Luftfahrtbranche mittlerweile eine Wildwestmanier. Wenn Fluglinien etwas nicht passt wird wie hier storniert: Swiss hatte zuletzt günstige Tarife nachträglich storniert - mit Hinweis auf die Verpflichtung gegenüber den Aktionären. Es muss dringend ein Gesetz her, dass Airlines an einmal ausgestellte E-Tickets nicht mehr einseitig dran und diese stornieren dürfen - wann soll der Kunde sonst sicher sein dass er wirklich fliegen kann.
22.10.12 22:55
Akai Wu
Chapeau! an die Schreiber von Meedia, der einzige Artikel, den ich bisher gelesen habe, der sich nicht auf den schlecht recherchierten und falsche Tatsachen widergebenden Bericht von "La Repubblica" beruft, sondern die tatsächliche Situation beschreibt.
22.10.12 21:17
Marco Sassenhagen
Das ganze wird zum Europäischen Parlament gehen: https://www.change.org/de/Petitionen/the-european-parliament-oblige-alitalia-to-allow-customers-to-use-their-tickets