Im letzten Jahr machte Google Schlagzeilen, als sich der Suchmaschinen-Gigant an einem kleinen Start-up mit Namen
23andMe beteiligte. Dabei war die Investitionssumme von vier Millionen Dollar nicht der Rede wert (zum Vergleich: Google macht über eine Milliarde Gewinn – pro Quartal!). Spannender waren zwei andere Sachen: Zum einen handelte es sich bei 23andMe um ein Unternehmen, das die DNA, also die Erbinformationen seiner Kunden, untersucht. Und dann ist eine der 23andMe-Initiatorinnen Anne Wojcicki, die Ehefrau von Google-Gründer Sergey Brin.
Nun beteiligt sich Google auch an dem zweiten Unternehmen im Silicon Valley, das sich auf "Genetic Screening" spezialisiert hat. "Navigenics" ist im Gegensatz zum Vorgänger deutlich medizinischer aufgestellt. Keine fröhliches Gerede über "Ancestry Tools", mit denen man bei 23andMe nach mehr oder weniger bekannten Vorfahren forschen kann. Die Zielrichtung von Navigenics ist eindeutig: Man untersucht die DNA nach 18 bekannten Krankheitsbildern – von Alzheimer bis Multiple Sklerose.
Noch vor dem Start von Navigenics hat die aufstrebende Gentechnik-Branche allerdings einen Rückschlag erleiden müssen: Die zuständige US-Aufsichtsbehörde warnt nämlich davor, dass Privatpersonen solche Tests ohne medizinische Begleitung unternehmen. Die Bundesstaaten New York und Kalifornien haben schnell reagiert: Hier dürfen solche Tests nur noch von Ärzten angefordert werden. Man rechnet damit, dass in Kürze weitere Bundesstaaten diesem Beispiel folgen werden.
Neben Google sind an Navigenics noch die beiden Venture-Firmen Kleiner Perkins und Sequoia Capital beteiligt. Das sind genau die beiden Kapitalgeber, die anfangs auch an Google beteiligt waren. Man kennt sich also und weiß, wie man gemeinsam Großes aufbauen kann...
PLUS / MINUS
Im Gegensatz zu 23andMe bietet Navigenics seinen Kunden nach Erhalt der Testergebnisse auch ein "Genetic Counseling" an. Wenn man also erfährt, dass man eine Veranlagung zu Alzheimer oder Krebs hat, kann man sich bei Navigenics nach einem ersten Rat erkundigen – allerdings nur wochentags von 9 bis 18 Uhr.
Navigenics betont bei jeder Gelegenheit, dass Google keinerlei Zugriff auf die DNA-Informationen hat. Aber man sollte einmal davon ausgehen, dass Google eines Tages diese Firma übernehmen wird, wie auch 23andMe. Der Gedanke, dass Google dann die ohnehin schon gespeicherten Informationen aus Suchabfragen und Gmails noch mit der DNA einzelner Personen zusammenführen kann, dürfte jeden Datenschützer erschaudern lassen.
09.06.13 12:17
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