Der angeschlagene Portalbetreiber Lycos will mit einer Neuausrichtung seiner Video-Community "Lycos Cinema" Boden gutmachen. Denn bisher fiel Lycos Cinema nicht gerade durch hohe Nutzerzahlen auf. Lycos will das ändern, indem es die Community des Videoportals weiter ausbaut und der Site einen stärkeren "social touch" verleiht. User können auf Lycos Cinema gemeinsam Filme gucken, jeder von seinem Rechner aus, über eine Chat-Funktion mit den anderen verbunden. Wie bei einem gemütlichen Video-Abend können so alle miteinander über das plaudern, was sie gerade ansehen.
Bis zu zehn andere User können zeitgleich zum Mitgucken eingeladen werden. Die sitzen dann zwar an ihren eigenen Rechnern – über die Chat-Funktion lässt sich allerdings bestens kommunizieren. Kunden zahlen pro Film zwei bis sechs Dollar, je nachdem, wie viele Leute mitschauen. Insgesamt zehn User können an der Fernseh-Konferenz teilnehmen. In Zukunft sollen kurze Werbeblöcke die Filme einrahmen – eine weitere Einnahmequelle des Portals.
Ein großer Nachteil der Site ist der Content: Viele dritt- und viertklassige Filmverbrechen der vergangenen Jahrzehnte, als Highlight müssen schon Streifen wie der Animationsfilm "Felix the Cat" angesehen werden. Zwischen kostenlosem und kostenpflichtigem Content lässt sich nicht wirklich ein Qualitätsanstieg erkennen. Zwar kündigte Lycos an, in Zukunft mit Produktionsfirmen und Hollywoodstudios Partnerschaften schließen zu wollen, doch entsprechende Schritte wurden bisher nicht getätigt. Und auch die Benutzerfreundlichkeit hinkt hinterher: Filme werden nicht ausreichend beschrieben, es wird nicht zur IMDB verlinkt, viele Filme sind außerdem doppelt in den Listen vertreten. Insgesamt ein Ärgernis.
Doch die zugrunde liegende Idee stimmt: Fernsehen macht immer dann Spaß, wenn man mit anderen darüber reden kann. Eine Plattform zu entwickeln, die das gleichzeitige Fernsehen und Chatten zulässt, ist da nur eine konsequente Weiterentwicklung des einst zu recht so beliebten Fernsehabends.
Auch ein deutsches Start-up versucht sich derzeit an einem ähnlichen Konzept. Das Motto von "Telewebber" lautet: gemeinsam besser Fernsehen. Eine Community von Filmbegeisterten, viele Infos zu Film und Fernsehen – allerdings kein Web-TV: Telewebber setzt auf originären TV-Content und sieht sein Portal als Ergänzung zum TV-Gerät. Glotze an, Rechner an, Telewebber ansurfen und dann mit anderen über die gerade laufende Folge von "Grey's Anatomy" chatten.
PLUS / MINUS
Von vielen Filmen lassen sich Trailer und Ausschnitte auf der Site begutachten.
Die Grundidee dieser Videosite ist gut und sicherlich auch ausbaubar. Doch ein unreifes Produkt auf den Markt zu werfen, hat Lycos in diesem Fall mehr geschadet als genützt.
TAGS
Film, Video, Community, Social Network, Paid Content
08.03.13 17:52
jorke kaiven Web-Site
http://lvpuma.com