In Deutschland haben politische Akteure die Möglichkeiten des Web 2.0 bislang kaum genutzt – und das, obwohl das Netz das demokratischste Medium überhaupt ist. Es brauchte schon die beispiellose Web-Kampagne des künftigen US-Präsidenten Barack Obama, bis die Parteien in Deutschland merkten, wie nützlich das Internet beim Stimmenfang ist. Den Anfang im Superwahljahr 2009 macht die SPD mit einem umfassenden Relaunch ihrer Homepage. „Die Online-Kampagne wird das Herzstück unserer gesamten Wahlkampagne“, erklärt SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel.
Ein kurzer Blick genügt, um festzustellen, dass man es bei den Sozis ernst meint mit Online. Vor dem Relaunch wurde der Besucher von einer sehr text-lastigen Seite in Empfang genommen. Nicht einmal Videos wurden auf der Homepage angeboten, ganz zu schweigen vom altbackenen Design – für Web-Affine ein Grund sofort, wieder weg zu klicken. Mit dem überarbeiteten Web-Auftritt ist die SPD endlich im Web-Zeitalter angekommen.
Der Hintergrund ist in hell- und dunkelblauen Tönen gehalten. Das Logo ist ein roter Würfel mit den weißen Partei-Lettern auf der Vorderseite. „Weil die Partei Ecken und Kanten hat“, sagt Wasserhövel. Unter dem Würfel der neue Claim: „Anpacken. Für unser Land.“ Zumindest Online scheint das schon einmal gelungen.
Die neue Seite wirkt sehr aufgeräumt, mit einem sehr prominenten Key-Visual in der Mitte. Offensichtlich setzt die SPD auf einen starken Personen-Wahlkampf, denn dort ist eine Slide-Show mit Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier zu sehen. Die reduzierte Navigation sticht ebenso positiv hervor wie die bessere Vernetzung: Die Links zu den SPD-Channels bei Youtube und Flickr fallen sofort ins Auge.
Ganz wichtig ist natürlich der Spenden-Button auf der Homepage. Damit konnte Obama in den USA punkten. Er nahm allein im Februar 2008 45 Millionen Dollar durch Online-Spenden ein. Um von Obamas Wahlkampf-Team zu lernen, waren einige SPD-Funktionäre in die USA gereist. Bundesgeschäftsführer Wasserhövel war vor Ort, und Generalsekretär Hubertus Heil twitterte sogar vom Parteitag der Demokraten im September.
Abgesehen vom Spenden-Button sind keine interaktiven Features auf der Homepage platziert. Wer partizipieren oder einfach nur kommunizieren möchte, findet auf meinespd.net ein entsprechendes Forum mit ausreichend Web 2.0-Funktionen. Auch die Community soll in Kürze ein Facelift erhalten. Realisiert wurde der Relaunch von der Berliner Agentur A&B FACE2NET.
PLUS / MINUS
Optisch ist die Site sehr gelungen
Es gibt keine interaktiven Features auf der Homepage
Für einen Relaunch war es höchste Zeit, denn im Superwahljahr werden die Parteien verstärkt auf Online setzen. Für SPD-Sympathisanten ist der überarbeitete Web-Auftritt ein Gewinn, für allgemein politisch interessierte, müsste die Seite etwas interaktiver sein.
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