Witzig und politisch unkorrekt: Das ist der Stoff aus dem Pausenhof-Erfolgsgeschichten gestrickt sind. Mit dem Online-Spiel "Pennergame" landeten zwei 19-jährige Hamburger gerade die Game-Sensation des Jahres. Obwohl erst seit Juni online, zählt das browserbasierte Internet-Spiel schon jetzt rund eine Million Besucher pro Tag und kommt auf über eine Milliarde Klicks pro Monat. Damit würde "Pennergame" im Klick-Ranking der IVW bereits Platz zehn belegen.
Am Sonntag den 19. November feiern die beiden Gründer, Marius Follert und Niels Wildung, ihren 20. Geburtstag. Neben dem Erfolg ihrer Idee können die beiden Hamburger auch noch den Einstieg der beiden Business-Angel Daniel Grözinger und Sven Schmidt (Verwandt.de) feiern. Mit dem frischen Kapital wollen Follert und Wildung die vorhandene Simulation noch erweitern und dazu die Expansion ins europäische Ausland voran bringen.
Im MEEDIA-Interview erzählt Marius Follert wie "Pennergame" funktioniert, wie er die Idee zu dem Spiel hatte und was die User an der Simulation so fasziniert.
Was ist "Pennergame"? "Pennergame" ist ein browserbasiertes Onlinespiel. Das bedeutet für die Nutzer, dass keine Installation notwendig wird und das Spiel von jedem internetfähigen Rechner weltweit gespielt werden kann. Ziel des Spieles ist es, seine Spielfigur (Avatar) finanziell weiter zu entwickeln und sie durch Weiterbildungen bis zum Schlossbesitzer zu managen. Neben dem Sammeln von Pfandflaschen und virtuellen Spenden lässt sich u.a. durch das Erlernen eines Musikinstrumentes Geld verdienen, welches dann z.B. in die Verbesserung von Konzentrationsfähigkeit oder in einen gewinnbringenderen Wohnort reinvestiert werden kann. So entwickelt der Spieler seinen Avatar kontinuierlich bis zum Schlossbesitzer weiter. Dabei hat "Pennergame" nicht den Anspruch, ein realitätsgetreues Abbild der Wirklichkeit zu bieten. Aber aufgrund des Themas und dessen witziger und nicht immer politisch korrekter Umsetzung gelingt es uns zunehmend, junge Menschen auf das Thema Obdachlosigkeit und die Diskussion um die aktuell immer weiter auseinander gehenden Einkommensschere in Deutschland aufmerksam zu machen und für diese Themen zu sensibilisieren, wie einige Beiträge aus unserem Forum beweisen.
Seit wann gibt es das Spiel? "Pennergame" wurde im Juni 2007 gestartet und lief anfangs lediglich nebenbei als ein kleines Hobbyprojekt von mir und Niels Wildung. Das Spiel war damals aber noch sehr unvollständig. Nachdem wir mit der Seite aber schnell Erfolg hatten und die Nutzerzahl rasant stieg, haben wir unsere Energie in die Fertigstellung des Spieles konzentriert und dabei auch Ausbildung bzw. Schule unterbrochen. Nach einer kompletten Neuprogrammierung startete im Juni 2008 die jetzige Version vom "Pennergame". Ein weiteres Update mit vielen neuen Funktionen liegt bereits in den Schubladen und soll noch dieses Jahr starten.
Wie viele Nutzer hat "Pennergame"? Wir haben aktuell über 600.000 Spieler und verzeichnen schon eine Milliarde Page Impressions pro Monat sowie rund eine Millionen Visits pro Tag.
Wie hoch ist das Wachstum? Jeden Tag haben wir 10.000 Neuanmeldungen.
Wie ist die Idee zu "Pennergame" entstanden? Wir haben uns schon immer für Browserspiele interessiert, doch irgendwie konnte uns kein Spiel so wirklich fesseln. Bei einem Gang durch St. Pauli kam uns spontan die Idee, dieses Thema aufzugreifen und entsprechend umzusetzen – ein paar Biere später und das "Pennergame" war geboren.
Habt Ihr das Spiel alleine gebaut? Ja, das Spiel wurde von Niels Wildung und mir entwickelt. Entsprechend lange hat auch die Fertigstellung auf sich warten lassen. Technisch basiert das Spiel auf dem high-level Python Web-Framework Django, welches uns eine schnelle Weiterentwicklung des Spieles ermöglicht. Viele Spielideen kommen aber auch von den Nutzern, welche ständig mit uns versuchen, das Spiel zu verbessern und uns im Forum entsprechendes Feedback geben und sich auch bei Fragen zum Spiel gegenseitig unterstützen.
Was fasziniert die User an dem Game? Uns ist es gelungen, das klassische Spielkonzept Aufbauspiel in einen neuen, zeitgenössischen Kontext zu setzen. Damit hebt es sich von der Masse der Spiele ab, die vorwiegend im Mittelalter angesiedelt sind oder die Entdeckung des Weltraums thematisieren. Dazu kommt, dass wir extrem engagierte Nutzer haben und wir darauf achten, dass man nicht allein sondern gemeinsam mit seinen Freunden "Pennergame" spielen kann. Kurz bedeutet das, je mehr Freunde dabei sind, umso spaßiger wird das Spiel. Deswegen holt jeder Spieler neue Nutzer dazu.
PLUS / MINUS
Die Jungs haben eine kontroverse Idee, gut umgesetzt.
Das Game kann schnell langweilig werden. Noch fehlt es an genügend Erweiterungen.
Gute Mischung: Die Grafik, die Story und der Spielspass stimmen. Im Moment lebt das Game aber vom viralen Effekt: Pennergame ist das Browser-Spiel der Stunde.
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10.03.10 19:52
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