Jeder Journalist kennt das vermutlich: Ein mühevoll recherchierter Text wird aus Platzgründen nicht veröffentlicht und landet in der Schublade. Die Münchner Journalistin Tanja Schwarzenbach wollte diese Praxis nicht länger hinnehmen und hat jetzt die Website Nichterschienen.de gelauncht, auf der die abgelehnten Artikel doch noch veröffentlicht werden können. Honorar gibt es dafür zwar keines, doch vielleicht entdeckt die „eine oder andere Redaktion auf der Webseite etwas, das sie gerne drucken würde“, so die Hoffnung von Schwarzenbach.
Wenn Texte von Journalisten nicht gedruckt werden, liegt das meist nicht an mangelnder Qualität. Oft werden die Artikel abgelehnt "weil sie keinen aktuellen Anlass hatten, die Redaktion sie in letzter Minute rausnehmen musste oder etwas Wichtigeres passiert ist", so Tanja Schwarzenbach. Auf ihrer Seite Nichterschienen.de will die Münchnerin den Texten jetzt eine neue Heimat geben. Veröffentlicht werden aber nur Artikel erfahrener und ausgebildeter Journalisten und Redakteure.
Ein Honorar kann Schwarzenbach nicht zahlen. Das Projekt versteht sich als unkommerziell. Dennoch könnte die Seite für Redaktionen zur Fundgrube werden, denn die Texte sind durchaus lesenswert. Unterteilt in die drei Ressorts „Politik“, „Kultur“ und „Leben“ gibt es meist längere Lesestücke zu den unterschiedlichsten Themen – etwa über die Professionalität des Bundesnachrichtendienstes oder das neue Heimatgefühl junger Großstädter. Unter jedem Text ist angegeben, warum er nicht auf regulärem Weg erschienen ist. Schönes Detail der Seite: Rechts ist eine Spalte zu finden, in der die Autoren ihre Randnotizen, also Zusatzinformationen oder Links zum Artikel, vermerken können.
Besonders das gelungene Layout lädt dazu ein, länger auf der Seite zu verweilen. Anders als die meisten redaktionellen Angebote im Netz wirkt die Seite - auch durch das Fehlen von Werbung - sehr puristisch. Web2.0-affine Leser werden allerdings eine Kommentarfunktion vermissen. Diese einzurichten könnte sich die Initiatorin jedoch durchaus vorstellen. Ebenso sollen später auch Video- oder Audiobeiträge auf der Website veröffentlicht werden.
Den Vorwurf, im Grunde eine journalistische Resterampe zu sein, will sich Schwarzenbach nicht gefallen lassen: „Die Texte sind journalistisch hochwertig und wurden nicht wegen mangelnder Qualität abgelehnt. Ich hoffe, dass Journalisten nicht befürchten, dass ihre Artikel bei der Veröffentlichung auf der Internetseite den Stempel der Resterampe bekommen.“
| 04.12.08 | taz.de |
Eine schöne Idee. Fraglich ist nur, ob ein Journalist, der viele Texte auf Nichterschienen.de veröffentlicht, nicht seinen Ruf schädigen könnte.
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