Bilderbuchstart: Das neue Literaturportal litColony.de ging mit einem Scoop online. Denn die vom ZDF geschasste Kritikerin Elke Heidenreich, startete auf der Plattform ihre neue Online-Sendung „Lesen!“. In den ersten drei Tagen zählte das Format bereits 100.000 Abrufe – für Web-Verhältnisse eine stolze Zahl. Hinter dem Portal stehen die Macher des Kölner Literatur-Festivals lit.Cologne. Die Site bietet Kolumnen und Rezensionen prominenter Autoren, einen Buchlanden und bald eine Social Community.
Die neunte Ausgabe (12. bis zum 21. März ) des Bücherfestivals soll das größte Literaturfest Europas werden. Insgesamt sind 162 Veranstaltungen geplant. Schauspieler, Kleinkünstler und Prominente lesen rund um die Uhr. Unter anderem werden Schriftsteller wie T.C. Boyle, Daniel Kehlmann oder Peter Sloterdijk erwartet. Bereits in den letzten Jahren war litColony restlos ausverkauft; dieses Mal wird es nicht anders sein. Gerade junges Publikum fühlt sich angesprochen. Ein starkes Zeichen gegen den angeblichen Trend, der in Büchern ein aussterbendes Medium sieht. Dieses Zeichen wollen die Initiatoren nun auch im Netz setzen.
Mit persönlichem Elan und technischer Hilfe der Webagentur „SocialThinkers“ ist eine ansehnliche Web-Präsenz entstanden. In verschiedenen Rubriken nutzen Autoren, Essayisten und Schauspieler die Möglichkeit, über Lieblingsbücher, verborgene (Literatur-)Schätze und besondere literarische Momente zu sinnieren. Eine sechsköpfige Redaktion schreibt Rezessionen und sammelt Hintergründe zu neuen Bucherscheinungen. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass hier auch Bücher verkauft werden.
Die Seite setzt auf Persönlichkeit: Zu den meisten Geschichten gibt es Videos, beispielsweise in der Rubrik „Durchlesene Nächte“. In den ersten Ausgaben schildern die Autoren Karen Duve, Feridun Zaimoglu und Sven Regener ihren persönlichen Zugang zur Literatur. Publizist und Fernsehmoderator Roger Willemsen berichtet in einer eigenen Kolumne über seine Buchentdeckungen. Dazu passt auch die Sendung von Star-Kritikerin Elke Heidenreich. Sie ist zweifellos eine Bereicherung für litColony, aber nicht – wie zuerst zu befürchten war – dass alleinige Highlight des Start-ups. Das grundsätzliche Motto der Seite kann als „Mehr empfehlen, weniger kritisieren“ beschrieben werden.
Im März nächsten Jahres, zeitgleich mit dem Beginn der lit.Cologne, soll der Startschuss für ein geplantes Social Network fallen. Orientieren wird es sich an dem amerikanischen Vorbild GoodReads.com, in dem mittlerweile über 30 Millionen Bücher aufgelistet sind. Gegenüber MEEDIA verriet Mitgründer Rainer Osnowski, dass die Community „inputgesteuert“ werden soll. Heißt: Sowohl die Redaktion, als auch Autoren werden Anreize zu Gesprächsthemen liefern und Diskussionen moderieren. Zudem sollen Nutzer die Möglichkeit haben, am Gestaltungsprozess der Seite teilzunehmen.
Finanzieren soll sich die Seite hauptsächlich durch Premium-Partnerschaften. Mit dieser Art von Kooperation wurde bereits im Zuge des Festivals gute Erfahrung gemacht. Zudem soll dadurch unspezifische Werbung auf der Seite verhindert werden. Die Gründer, die das Projekt bisher selbst finanzieren (500.000 Euro), hegen nicht die Illusion, mit litColony einen Konkurrenten zu Amazon aufzubauen. Der Bücherverkauf soll daher ein Zusatzservice sein und nicht Kernelement der Seite.
PLUS / MINUS
Erstaunlich, welche Autoren- Prominenz die Seite schon zum Start für sich gewinnen konnte.
Die Seite ist auf den ersten Blick unübersichtlich. Sie bedarf einer gewissen „Einarbeitung“.
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