Gleichzeitig mit dem Relaunch der Printausgabe hat „der Freitag“ heute auch seinen komplett überarbeiteten Online-Auftritt präsentiert. Das Ergebnis überrascht: Bei keiner anderen Nachrichtenseite wird die Idee vom Web 2.0 so konsequent umgesetzt wie auf Freitag.de. Der Leser kann hier nicht nur kommentieren, sondern selbst Artikel schreiben und bloggen. Der Clou: Die besten Beiträge haben gute Chancen in der Printausgabe veröffentlicht zu werden – gegen Zeilenhonorar versteht sich.
Die neue Unterzeile „Das Meinungsmedium“, mit der sich die linke Wochenzeitung „der Freitag“ heute nach dem Relaunch präsentierte, ist wohl ernster gemeint, als man denken könnte. Beim ersten Blick auf das neue Web-Portal, wird schnell klar: Nicht nur Redakteure vertreten hier ihre Standpunkte, auch die Lesermeinung wird künftig wesentlich stärker honoriert.
Neben dem redaktionellen Bereich gibt es auf Freitag.de zum ersten Mal eine richtige Online-Community. Hier kann jeder User nach der Registrierung eine eigene Profilseite anlegen, ein Blog eröffnen, Texte selber schreiben und die Beiträge anderer User bewerten. Die Artikel, die im Ranking oben stehen, werden dann von der „Freitag“-Redaktion auf die Möglichkeit einer Veröffentlichung in der Printausgabe überprüft. „Die Idee ist, Qualitätsjournalismus mit Social Networking zu verbinden. Wenn Leser gut schreiben, dann werden sie bei uns befördert zum Publizisten“, so Herausgeber Jakob Augstein über die neuen Web2.0-Elemente.
Das Angebot scheint den Usern zu gefallen: Schon am ersten Tag sind eine ganze Reihe Blogs gestartet und Artikel von Lesern hochgestellt und kommentiert worden. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Website zur Plattform für "kritische Debatten und kontroverse Sichtweisen" reifen könnte, wie Augstein sich erhofft.
Man merkt: Der Netzauftritt ist dem Sohn des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein mindestens so wichtig wie das wöchentliche Blatt: Alle Artikel der Printausgabe werden kostenlos ins Internet gestellt und zur Begrüßung gibt es Web-TV vom Herausgeber höchstpersönlich. Die Seite selbst überzeugt mit einem einfachen, wenn auch nicht außergewöhnlichen Layout. Ähnlich wie in der Printausgabe sind die Inhalte in die Ressorts „Politik“, „Kultur“ und „Alltag“ unterteilt. Des Weiteren gibt es die Bereiche „Positionen“, „Wochenthema“, „Chronik“ und „Guardian“. Mit der britischen Tageszeitung wurde einen Kooperation vereinbart, die dem „Freitag“ erlaubt, bestimmte Artikel zu veröffentlichen.
Inhaltlich versteht sich das Web-Portal als Ergänzung zur Wochenzeitung, auf dem tagesaktueller berichtet werden kann. Doch auch online geht es immer um „Hintergrund und Analyse, nicht um die schnelle Nachricht“, wie Chefredakteur Philip Grassmann betont.
Vorbildliche sind die Community-Funktionen: Freitag.de will den Leser wirklich ernst nehmen. Alle Artikel kostenfrei online zu stellen, dürfte ebenfalls zu einer guten Leser-Bindung führen.
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