T-Shirts zum Selbstgestalten sind im Internet schon ein alter Hut – wenn auch ein sehr beliebter. An ihren Erfolg will jetzt eine Firma aus Wiesbaden anknüpfen. Auf der Suche nach einem neuen Produkt dafür ist sie auf bunte Riesenkissen als hippe Unterlage zum Entspannen und Rumhängen gekommen. Die Sitzsäcke, die schicker aussehen als die in den 60er Jahren entwickelten Ungetüme, sollen auf dem Portal Crow’n’Crow von stilbewussten Menschen designt und rege gekauft werden.
Ins Leben gerufen wurde das Portal mit dem Krähenlogo, das heute ganz frisch in den Markt gestartet ist, von der Wiesbadener Firma Blick Art Creativ GmbH. Diese kommt aus dem Geschäft mit maßgeschneiderten Werbemitteln und ist dort für Kunden wie Jägermeister, Ramazotti oder Müller Milch tätig. Crow’n’Crow ist ihr erster Schritt direkt zum Endkunden. Dabei waren die Gründer vor allem von dem Trend zu Individualisierung fasziniert, der nach Ansicht von Blick Art-Geschäftsführer Alexander Rabe die Wirtschaftswelt in den nächsten 15 bis 20 Jahren schwer beschäftigen wird. Rabe: „Der Kunde möchte nicht länger fertige Produkte vor die Nase gesetzt bekommen, er möchte an der Entwicklung und der Gestaltung beteiligt sein.“ Für die Zukunft kann er sich auch vorstellen, mit der Mutterfirma Blick Art für seine Kunden Werbemittel direkt vom Endverbraucher gestalten zu lassen.
Ankurbeln wollen die Macher das neue Crow’n’Crow-Portal mit einer Community, in der sich die Kreativen von 18 bis „gefühlten 39“ Jahren gegenseitig inspirieren. Auf der jugendlich daher kommenden Plattform, die nicht im reichen und gediegenen Wiesbaden sondern im armen und hippen Berlin beheimatet ist, sollen die User künftig auch mitbestimmen, welche Produkte es zu kaufen gibt. Zum Start bietet Crow’n’Crow neben dem Sitzsack „Lazy Bastard“ auch die Umhängetasche „Wicked Victim“ an. Zum Selbstgestalten unter dem Motto „Be your own brand“ gibt es zwei Lösungsansätze, wie Marketingleiter Gunnar Bradatsch erklärt: „Mit einem leicht zu bedienenden Tool lassen sich die Produkte von Nicht-Design-Profis ganz einfach online gestalten. Es ist aber auch möglich, eigene Grafik- und Designprogramme zu verwenden.“
Anschließend lässt sich das Produkt im Online-Shop erwerben – und das Design steht auf Wunsch auch anderen Kaufinteressierten zur Verfügung. Am Verkaufserlös ist der Designer mit einer Provision beteiligt. Für einen verkauften Sitzsack bekommt er 20 Euro, für eine Tasche fünf Euro. Die Designer können sich auch eigene Shops einrichten, die sie nach ihren Vorstellungen gestalten. Auf diese Weise gibt Crow’n’Crow laut Bradatsch kreativen Köpfen die Chance, auch ohne Startkapital neue Styles zu kreieren.
Die Produkte werden alle in Deutschland produziert. Sie sind so konzipiert, dass sich jeweils die Hüllen wechseln lassen. Das heißt: Wer Lust auf ein neues Design hat, braucht zum Beispiel keinen komplett neuen Sitzsack, sondern lediglich einen neuen Überzug – bei einem Sitzsack-Preis von 239 Euro durchaus ein Verkaufsargument.
Bei der Konzeption und Vermarktung von Crow’n’Crow hat sich die Firma Blick Art Unterstützung von der Berliner Agentur VOdA geholt. Die auf Crowdsourcing – will heißen: das Einbinden von Kunden und anderen Kreativen in Produktentwicklung und Vermarktung – spezialisierten Berater haben bereits einige Sponsoring-Aktivitäten in der Design- und Clubwelt vermittelt. Zudem wurde in der Kreativ-Communitiy Visual Orgasm ein Design Contest ausgeschrieben. Dort verbuchte Crow’n’Crow 306 Entwürfe von 86 Künstlern. Anfang dieser Woche werden die endgültigen Gewinner gekürt. Publikumsliebling ist derzeit die Tasche „Bloomy Skulls“, deren Blümchenmuster sich bei näherem Hinschauen in kleine Totenköpfe verwandelt. Platz zwei belegt ein Design namens „Saubande“. Die Kreativ-Community jedenfalls, die insgesamt kein Blatt vor den Mund nimmt und auch mit Kritik nicht spart, zeigt sich von beiden Entwürfen schwer begeistert.
| 01.01.70 | Crow’n’Crow-Crowdsourcing-Plattform startet mit Designkontest (Best-Practice-Business.de) |
Crow’n’Crow hat einen stimmigen und konsequenten Auftritt hingelegt und die User bereits vor dem Start eingebunden. Wenn die Macher in Sachen Produktsortiment konsequent auf ihre Kunden hören, wird das Angebot bestimmt ein Erfolg – mit oder ohne Absatzrekord bei den wirklichen riesengroßen Sitzsäcken.
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