Döpfner mit Doppelstrategie: Die regionalen Verlags-Beteiligungen hat der Springer-Chef gerade für 310 Millionen Euro an die Verlagsgruppe Madsack verkauft. Die lokalen Blätter, die allerdings komplett im AG-Besitz sind, werden dagegen fit fürs Web gemacht. So rief Claus Strunz in Hamburg gerade das „Abendblatt 3.0“ aus und in Berlin bezog die Online- und Print-Redaktion der „B.Z.“ einen Newsroom. Passend dazu spendierte Springer dem Hauptstadtblatt noch ein innovatives Webportal.
Gleich auf den ersten Blick sieht der Leser: Bei BZ-Online ist Lokales Trumpf. Rund 80 Prozent aller Storys beschäftigen sich ausschließlich mit Berlin. Passend dazu ist das Kernelement der neuen Seite eine Berlin-Karte, auf der die neuesten und wichtigsten Storys als Pfeile angezeigt und verortet werden. Die WAZ programmierte ihrem Lokalen-Sammelportal DerWesten.de ein ähnliches Feature. Die WAZ-Version hatte jedoch recht lange mit vielen kleinen Programmier-Kinderkrankheiten zu kämpfen. Die BZ-Karte läuft bislang einwandfrei.
Verstärkt wird die regionale Grundausrichtung, indem sich in der linken Navigation jeder Bezirk einzeln ansurfen lässt. Ansonsten sortiert die Site ihre Themen auch nach klassischen Ressorts wie „Aktuelles“, „Sport“ oder „Leute“.
Darüber hinaus bietet das Portal nun auch ein kostenloses Archiv mit allen gedruckten „B.Z.“-Ausgaben seit dem Jahr 2000. Um möglichst viele Google-Longtail-Effekte nutzen zu können, ist bei modernen Zeitungen ein solches Angebot längst Standart.
Produziert wird die Netz-Ausgabe aus einem neuen gemeinsamen Newsroom, der Print-Titel, Online-Redakteure und das U-Bahn-Fernsehen "Berliner Fenster" vereint. "Wer für die B.Z. schreibt, schreibt für die Marke B.Z.", erklärt Chefredakteur Peter Huth das neue Konzept.
Durch die tiefe Verwurzelung in die einzelnen Bezirke hoffen die Verlagsmanager, viele kleine Einzelhändler als neue Web-Werbepartner gewinnen zu können.
PLUS / MINUS
Die Polizeiberichterstattung ist in dem eigenem Ressort „Tatort Berlin“ zusammengefasst. Auch für die Verbrechen gibt es nun einen virtuelle Berlinkarte, die alle News verortet.
Web-Gespött: Gunnar Schupelius schreibt die tägliches Kolumne „Mein Ärger“. Den aktuellen Text liest der Autor täglich in seinem Video-Blog vor. Das macht er leider so schlecht, dass es bereits erste Imitations-Clips (siehe Stefan Niggemeier) gibt.
Die neue BZ-Seite bietet einen gelungen Mix aus Stadtportal und regionaler Nachrichtenseite. Springer gelang der Aufbau einer modernen Lokalseite, der es aber nicht am nötigen Regional-Mief fehlt. Wer sich für größere Zusammenhänge interessiert, die über den jeweiligen Berliner Kiez hinausgehen, ist hier falsch.
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