Es ist eine unglaubliche Geschichte: da kreieren zwei junge Leute die "Vorzeigegeschichte des Mitmach-Internets" (Spiegel Online), erreichen mit ihrer Site jeden Monat über 20 Millionen Unique Visitors, sind damit nach Traffic erfolgreicher als so große Medienmarken wie die “New York Times” oder “Time Magazine” im Internet – und können ihr von allen Seiten bewundertes Unternehmen anscheinend nicht verkaufen.
Die Nachrichten-Community “Digg” steht wie kaum eine zweite Seite für das Web 2.0. Die Linksammlung ist so etwas wie eine Zeitung für junge Leute, die sich keine Zeitung auf Papier mehr kaufen würden. Und die beiden Gründer gelten inzwischen als Vorzeigefiguren des neuen Internets: Kevin Rose, ein ehemaliger TechTV-Star und Jay Adelson, der den Internet-Provider Netcom aufgebaut hat. Beide sind in den USA absolute Web-Celebrities.
Mit gutem Grund, denn kaum eine zweite Idee ist so häufig kopiert worden wie eben “Digg”. Man spricht inzwischen sogar schon von einem "Digg-System" und meint damit, dass Mitglieder einer Community im Internet gefundene News, Videos oder Podcasts auf eine Digg-ähnlichen Seite hochstellen, wo sie dann von anderen Lesern bewertet werden – im Fall von Digg mit "digg it" ("dig" = ausgraben, positiv) oder "bury" (begraben, negativ). Und je positiver eine Nachricht von der Community bewertet wird, desto höher rückt sie dann auf der Homepage. Digg ist also "eine Art Hitparade der Nachrichten" ("Handelsblatt") und zählt inzwischen zu den populärsten Seiten der USA – und das mit nur 18 Angestellten.
Mit ihrem Vorhaben, mit Digg richtig Kasse zu machen, sind die beiden Gründer allerdings bisher gescheitert: Vor zwei Jahren bot Al Gore mit seinem Medien-Netzwerk Current TV 100 Millionen Dollar, den Digg-Gründer war das zu wenig. Sie wollte 300 Millionen – und fanden zu diesem Preis keinen Interessenten. Verhandlungen mit Microsoft, die für Digg das Anzeigengeschäft besorgen, scheiterten. In Sommer 2008 schien es so, als wenn ein Deal mit Google perfekt wäre. 200 Millionen waren diesmal im Gespräch. Dann sagte der Konzern aus Mountain View überraschend ab. Zur Begründung hieß es: “no personal fit”.