Es hat gedauert, bis das "neue" Delicious im Juli 2008 endlich online ging. Seit über einem Jahr war der Relaunch vom Yahoo-Konzern angekündigt worden. Aber "Delicious 2.0" ließ auf sich warten. Kein Wunder, hatte der Konzern aus Sunnyvale in den vergangenen Monate doch ganz andere Probleme…
"Delicious" ist der Erfinder des "Social Bookmarking", eine Anwendung, die ohne Zweifel das Web 2.0 nachhaltig beeinflusst hat. Hier kann man seine Lesezeichen online verwalten und so von jedem Computer der Welt ansteuern, seine Lieblingsseiten mit anderen Mitgliedern teilen und interessante Web-Tipps entdecken. Das Besondere: Man versieht seine Bookmarks mit Schlagwörtern, sogenannten "Tags". Auf diese Weise entsteht ein "menschliches" Suchverzeichnis. Eine Linksammlung, die häufig zu besseren Ergebnissen kommt als herkömmliche Suchmaschinen.
Seit Ende 2005 gehört die Site zum Yahoo-Konzern. Gegründet wurde sie 2003 von dem Entwickler Joshua Schachter, der zunächst zehn Jahre an der Wall Street arbeitete, bevor er ins Internet-Business wechselte und dort Webseiten wie Memepool.com launchte.
Seine "privaten Bookmarks" waren zunächst gar nicht als kommerzielles Projekt angelegt. Vielmehr ging es Schachter darum, seine Lieblingsseiten zu verschlagworten und mit Freunden zu teilen. Er nannte sein Projekt "Del.icio.us", also mit zwei Punkten in der Mitte der URL: "I mainly did it because it was funny and not with any ulterior motive". Erst 2005 wurde daraus ein richtiges Unternehmen, das wenig später vom kalifornischen Internet-Giganten Yahoo gekauft wurde. Schachter erhielt 30 Millionen Dollar und wurde Yahoo-Manager.
Aber wie es so oft passiert, wenn ein großer Konzern eine kleine Firma übernimmt: Delicious verlor an Fahrt. Yahoo versuchte über die Jahre vergeblich, Delicious mit seinem zweiten prominenten Zukauf Flickr zu verknüpfen. Und geriet mit der wachsenden Dominanz von Google selbst immer mehr in Probleme. Als der Merger mit Microsoft scheiterte, kehrte ein Manager nach dem anderen Yahoo den Rücken. Nicht nur die Flickr-Gründer Caterina Fake und Stewart Butterfield verließen frustriert das Unternehmen, sondern auch Delicious-Vater Joshua Schacher.
Und nun also – ohne den Gründer – der lang angekündigte Relaunch, der optisch frischer daherkommt als die Vorgänger-Version. Die Technik ist schneller geworden und das Prinzip "Tagging" und "Sharing" wird neuen Usern besser erklärt, aber sonst hat sich nicht viel geändert. Geblieben ist das Motto "Search the biggest collection of bookmarks in the universe".