Barack Obama
Das Rennen um die US-Präsidentschaft spitzt sich zu: Barack Obama oder John McCain? "Mr. Change oder "McSame", jung oder alt? Wenn man das Internet als Gradmesser nimmt, kann es nur einen Sieger geben: den smarten Senator aus Illinois.
"Internet advantage goes to Democrats", schreibt die "International Herald Tribune" und berichtet über seinen "rekordverdächtigen Erfolg im Internet". In Zahlen: Bei Facebook hatte der "schwarze Kennedy" ("Time Magazine") Mitte Juni 2008 fast eine Million Freunde, McCain gerade einmal 150.000. Nicht anders sieht es bei MySpace aus: Hier führt Obama mit 400.000 gegen 60.000. Und bei YouTube kann man mehr als 1000 Obama-Clips sehen, während man von McCain gerade einmal 200 findet. Aber vor allem: Obama hat inzwischen über 250 Millionen Dollar für seinen Wahlkampf eingesammelt – den Großteil davon über das Internet.
Wie kein zweiter Politiker reizt dabei "the digital candidate" (CNN) die Möglichkeiten der neuen Medien aus. Der erklärte Liebling der IT-Branche setzt voll aufs Web 2.0. Er bietet nicht nur eine gut gemachte Site, sondern sogar ein eigenes soziales Netzwerk: My.BarackObama.com, das von Facebook-Mitgründer Chris Hughes entworfen wurde. Es sei ein "tool to organize your friends, neighbors and networks". Hier wird der User aufgerufen, ein eigenes Profil anzulegen. Er kann ein Blog eröffnen, Veranstaltungen organisieren und Fundraising-Aktionen starten.
Und damit nicht genug. Als die Republikaner begannen, Obama mit "Gerüchten, Lügen und falschen Legenden" (Spiegel Online) zu attackieren, konterte der mit einer weiteren Website unter dem Titel
Fightthesmears.com ("Bekämpft die Schmierereien"). Hier tritt der Kandidat hartnäckigen Fehlinformationen und Diffamierungen entgegen. Auf der Seite kann man z. B. seine Geburtsurkunde einsehen. McCain-Treue hatten zuvor verbreitet, Obama sei nicht auf Hawaii, sondern in Kenia geboren und damit gar kein gebürtiger Amerikaner. "Rapid Response 2.0" nennen Polit-Analysten inzwischen diese Abwehrtaktik.
Sein Internet-Wahlkampf hat Obama vor allem Sympathie bei den jugendlichen Wählern eingebracht. Die Begeisterung kennt teilweise keine Grenzen. Bei YouTube geht ein "ObamaGirl" auf Stimmenfang, und ein inoffizielles Wahlkampfvideo des US-Rappers Will.i.am kommt innerhalb weniger Tage auf zwei Millionen Abrufe. Jüngste Skurrilität im Web: Das Musical
Barackula, in dem der junge Obama gegen eine Gruppe von Vampiren kämpfen muss.
Der Internet-Dienst Mashable meint zu Obamas Website: "It's 100 times better than anything offered by Hillary Clinton. Barack is also more suited to the age of celebrity, wall-to-wall TV news and YouTube addiction." Und Webdesign-Guru Dough Jaeger lobt: "Obama is more Web 2.0 than some people I hang out with."
Ob Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten werden kann, wird sich im November 2008 zeigen. Ein Popstar im Netz ist er schon heute.