Mit durchschnittlich 1500 Anmeldungen pro Tag gehört Lokalisten.de neben Wer-kennt-wen.de zu den am schnellsten wachsenden Freundschaftsnetz- werken im deutschen Web. Was die Neulinge lockt, ist die Aussicht, alte Freunde wiederzufinden oder neue Bekanntschaften in ihrem lokalen Umfeld zu machen. Das Portal ist bundesweit aktiv, funktioniert aber vor allem regional. Die IVW zählte für das Münchner Internet-Unternehmen im September 2008 über 30,6 Millionen Besucher und knapp über 1,3 Milliarde Klicks.
In ihrer Funktionsweise sind die Lokalisten ein klassisches soziales Netzwerk. Die Mitglieder präsentieren sich auf einer kleinen Ego-Seite mit ihren Hobbys, Vorlieben und möglichst vielen Fotos. Dazu können sie eigene Blogs, Chaträume und Gästebücher anlegen, Events ankündigen, auf dem Marktplatz nach Mitfahrgelegenheiten suchen oder die alten Discoroller verkaufen. Ähnlich wie Facebook und Xing zeigen auch bei den Lokalisten personalisierte Newsfeeds an, was die Freunde gerade machen. Im Vergleich zur rein virtuellen Konkurrenz organisiert die Plattform obendrein regelmäßig Partys in Ballungsgebieten mit ausreichend hohen Mitgliederzahlen.
Das Thema Freundschaft wird ähnlich suggestiv inszeniert wie berufliche Kontakte bei Xing: Jedes Mitglied stellt seine Bekannten in einem virtuellen Freundesbaum dar und wird ermuntert, möglichst vielen anderen Mitgliedern die Freundschaft anzubieten. Neumitglieder mussten ursprünglich von einem anderen Mitglied eingeladen werden. Mit dem Einstieg der ProSiebenSat1 Media AG im Oktober 2006 entfiel diese Idee. Das Medienunternehmen hatte kurz zuvor schon MyVideo übernommen und hält beide Angebote für zielgruppengenaue Ergänzungen seines Angebots. ProSiebenSat1 kaufte 30 Prozent des Münchner Start-ups. Im Mai 2008 nahm die Senderkette eine Kaufopton wahr und übernahm weiter 60 Prozent an dem Network für rund 25 Millionen Euro.
Gegründet wurden die Lokalisten im Mai 2005 von Jürgen Gerleit, Norbert Schauermann, Andreas Degenhart sowie Peter Wehner und Andreas Hauenstein, die in München ein Ingenieurbüro betreiben. Mittlerweile hat die Plattform 35 Mitarbeiter und über 2,3 Millionen Mitglieder. In Zukunft können auch externe Entwickler kleine Zusatzdienste für das Netzwerk programmieren, dazu traten die Münchner extra der "OpenSocial"-Initiative von Google bei.