Aus ingesamt 872 eingereichten Print- und Onlinetexten sowie Fotoarbeiten hat die Vorjury des Henri Nannen Preis 128 Arbeiten in die Shortlist gewählt. 90 Arbeiten schafften es in die nächste Wettbewerbsrunde. Spitzenreiter bei Nominierungen ist der Spiegel mit 21 Arbeiten, gefolgt von der Süddeutschen Zeitung mit 18 Beiträgen - vorrangig aus dem Bereich Essay. In der Investigativ-Kategorie ist unter anderem die Bild für die Recherche zum Privatkredit von Bundespräsident Christian Wulff nominiert.
Traditionell erfolgten die meisten Einreichungen in der Kategorie Reportage, gefolgt von Dokumentation und der neuen Kategorie Essay. "Die Vorjuroren waren erfreut und überrascht von der Qualität der eingereichten Arbeiten - auch aus Lokal- und Regionalzeitungen”, erklärt Peter Sandmeyer, Sekretär der Jury. “Sie haben aus diesem Grund nach intensiver Diskussion mehr Arbeiten für die Endauswahl an die Hauptjury weitergereicht als im vergangenen Jahr."
Die Vorjury, bestehend aus 19 Print-Journalisten verschiedener Redaktionen und Vertretern von sieben Journalistenschulen sowie drei Experten für Fotografie, hat die 872 eingereichten Arbeiten in den vergangenen Wochen gesichtet und eine Shortlist an die Hauptjury übergeben.
90 Arbeiten schafften es in die nächste Wettbewerbsrunde. Unter ihnen wird die Jury Anfang März jeweils drei Arbeiten pro Wettbewerbskategorie für den Henri Nannen Preis 2012 nominieren. Die Mitglieder der Jury haben die Möglichkeit zusätzlich Arbeiten zu nominieren.
Für den Investigativ-Preis konkurrieren die Bild mit der Affäre um Christian Wulffs Privatkredit, die Formel-1-Affäre der Süddeutschen Zeitung, der Sex-Skandal der Hamburg Mannheimer im Handelsblatt und unter anderem auch der Bundesliga-Wettskandal des stern. Bei den Nominierungen liegt der Spiegel mit 21 Beiträgen in der Shortlist vorne, gefolgt von der Süddeutschen Zeitungen mit 18, der Zeit mit zehn, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit sechs.
Die finale Entscheidung über die Preisträger trifft die Jury am Vorabend der Henri-Verleihung, die am 11. Mai im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg stattfindet.
Letzte Kommentare
11.05.12 12:09
Harald Huesch
Was hat BILD "enthüllt"? Den Namen der Kreditgeberin hat BILD dadurch erfahren, dass Pressesprecher Glaeseker am 6.12.2011 im Bundespräsidialamt dem BILD-Reporter Heidemanns den Kreditvertrag vorgelegt hat. Das einzige, was man hier als "Recherche" bezeichnen könnte, war, einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit von Edith Geerkens und der Anfrage im Parlament nach Geschäftsbezioehungen zwischen Wulff und Egon Geerkens zu konstruieren. Die Konditionen seiner Kredite bei der BW-Bank hat Wulff von sich aus offengelegt.
10.02.12 14:55
Stefan Beck
Sollte die Bild tatsächlich den Preis für investigativen Journalismus bekommen, stellt sich mir die Frage, welche Eigenleistung der Bild-Zeitung dies rechtfertigt.
Rein technisch gesehen ist die Recherche von Wulffs Kredittricks zur Eigenheimfinanzierung der geringste Aufwand. Der Rest der Kampagne ist lediglich mediales Ausschlachten eines unüberlegten Telefonanrufs und Geheule um die Pressefreiheit, die in dieser Affäre aber (offensichtlich) zu keinem Zeitpunkt bedroht war. Im Vergleich zu anderen Affären wie die um Kohl und Schäuble ist die Wulffs sowohl vom Finanzvolumen (Koffer!) als auch vom Umgang mit der Presse (Kohl: Sie sind ein erbärmlicher Journalist! ihre Sendung sollte man einstellen...) eher minimal zu beurteilen.
Investigativer Journalismus ist doch eigentlich enthüllender Journalismus, kein Machtspielchen eines Boulevardblattes sinkender Leserzahl mit einem Staatsoberhaupt! Dafür gibt es auch keine Preise!
Wer etwas mehr liest als nur die Bild weiß ohnehin: Dies war NICHT die größte Enthüllung 2011/12!
10.02.12 01:17
Florian Flammenberg
Wenn es gerecht zugeht, bekommt die "Bild"-Zeitung den Preis in der Kategorie "Investigativ", denn sie hat damit eine unvergleichliche Kampagne angestoßen.
"Spiegel" und "SZ", "FAZ" und "Stern" dagegen konnten nur Kleinigkeiten nachliefern.
09.02.12 21:03
Benno Constantine
Ich weiß auch nicht ... in letzter Zeit muß ich pausenlos auf den Kalender schauen, um mich zu vergewissern. Nein, es ist Februar. Für einen Aprilscherz immer noch eindeutig zu früh.
Sollte die "BILD" für ihre "Enthüllungen", die definitiv nicht nur "aufklärerischen" Zwecken dienten, tatsächlich einen Preis erhalten, dürfte dann ja auch endgültig klar sein, was man von dieser Jury zu halten hat: rein gar nichts.
Eine Preisvergabe an dieses Gossen- und Pöbelblatt wäre so ziemlich das dümmste Signal, das man der Presse geben kann. Eigentlich wäre das skandalös, aber ich bin zu alt, zu intelligent und zu humorvoll, um mich über solche typisch deutschen Saudummheiten noch aufzuregen.