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Bezahl-Inhalte sind überall – auch im Web

Wie Paid Content funktionieren kann

Bezahl-Inhalte, Paid Content, gelten neuerdings wieder als möglicher Rettungsanker für die leidende Medienbranche. In den USA beraten Verleger bereits hinter verschlossenen Türen über neue Bezahlmodelle. Neidvoll blicken viele auf WSJ.com, das sich einer kostenlosen Öffnung verweigert hat. Dabei birgt Paid Content Chancen, die über die üblichen Abo- und Micropayment-Modelle hinausgehen. Es zahlen nämlich bereits längst alle Nutzer für Inhalte aus dem Netz - sie merken es nur nicht.

Wenn jemand an einem Bahnhofskiosk, sagen wir mal, den „stern“ kauft. Wofür zahlt man dann seine 3 Euro? Für die Journalisten, die tollen Fotos, die Reportagen, die Meinungsbeiträge, die Cartoons? Ja. Man zahlt aber auch die Druckerpressen von Gruner + Jahr, die Vertriebsmitarbeiter, das Verteilungssystem des Pressegrosso, das Papier auf dem der „stern“ gedruckt wurde, die Farbe und den Lohn des Kiosk-Verkäufers. Man zahlt die gesamte Infrastruktur der Zeitschrift.

Online ist das nicht viel anders. Liest man, vermeintlich gratis, einen Artikel bei stern.de, dann zahlt man den DSL-Anschluss, den Laptop, den WLAN-Router, man zahlt den Strom, der diese netten Gerätschaften betreibt. Ganz ähnlich ist das übrigens beim Fernsehen. Da zahlt man, neben den Gebühren für die Öffentlich-Rechtlichen, die Set-Top-Boxen, die Gebühr beim Kabelnetzbetreiber, den Fernseher. Jeder Nutzer von Medien zahlt, egal welche Medien er nutzt. Jeder Content ist Paid Content.

Das Problem der Medien-Häuser ist nun, dass sich die Geldströme des Paid Content verändern und verlagern, und zwar im Zweifel weg von den Produzenten der Inhalte. Während Verlage ächzen, dass Auflagen sinken, weil sich immer mehr Nutzer vermeintlich gratis im Internet bedienen, freuen sich vielleicht Anbieter von DSL-Anschlüssen, Hersteller von Laptops und Netbooks und Mobilfunk-Anbieter, dass ihre Geschäfte gerade gut laufen. Dies ist die Verlagerung von Geldströmen bei der Nutzung von Inhalten. Doch auch das Nutzungsverhalten ändert sich.

Viele sind beispielsweise bereit, für Mini-Programme aus dem App-Store von Apples iPhone zu zahlen, viele zahlen für Klingeltöne oder Musikstücke bei iTunes. Dies alles sind im weiteren Sinne Medien-Inhalte. Wie also könnte Paid Content in einer Welt der veränderten und verlagerten Geldströme für Medienhäuser funktionieren. MEEDIA möchte einige Vorschläge zur Diskussion stellen:

- Paid Content kann funktionieren für Anbieter von spezialisierten Informationen und Inhalten. Wirtschafts- oder Branchen-Informationen, exklusiv und hochwertig aufbereitet, können als Bezahl-Inhalte funktionieren. Siehe WSJ.com oder die Medien-Datenbanken des Entertainment Media Verlags („Blickpunkt Film“, „Musikwoche“).

- Paid Content kann funktionieren, wenn den Nutzern Service-Angebote verkauft werden, die sie wirklich brauchen. Also beispielsweise nützliche Mini-Programme, die ihre tägliche Arbeit erleichtern oder unterhaltsam sind, personalisierte Medien-Clippings oder aufbereitetes Datenmaterial für Präsentationen.

- Paid Content kann funktionieren als Bestandteil einer Flatrate, die Medien-Anbieter und -Distributoren gemeinsam aushandeln müssen. Telefon-Gesellschaften, Internet-Provider, Kabelnetz-Betreiber, alle die Medien vertreiben, müssen mit ins Boot geholt werden und Medien-Produzenten an den Kosten für die Erstellung der Inhalte anteilig bezahlen.

- Paid Content kann funktionieren, wenn sich alle oder die meisten Anbieter und Vertreiber von Inhalten auf einfache und komfortable Zahlungsmodalitäten einigen könnten. Je einfacher eine Preis-Struktur und die Bezahl-Möglichkeit, desto eher wird sie genutzt. Dies ist einer der Haupt-Erfolgsfaktoren von Apples iTunes Store.

Stefan Winterbauer/ga

09.04.2009
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