Jetzt wird's ernst: Nach fast eineinhalb Jahren Vorbereitung und wochenlangen Roadshows liegt ab morgen Grazia in den Verkaufsregalen. Die ersten beiden Ausgaben sollen zum Schnupperpreis von einem Euro in den Handel kommen. Danach will man bei Klambt entscheiden, ob der angepeilte Copypreis von 2 Euro erzielbar ist. Die Startausgabe folgt dem inzwischen bekannten Konzept mit einer Mixtur aus Shopping, Beauty, Starnews, aber auch harten Reports. Bauer reagiert mit einer Copypreis-Senkung für Life & Style.
Deutlichster Fortschritt gegenüber der kostenlosen Ausgabe, die Klambt in der vergangenen Woche rund 450.000 Mal unter potenzielle Leserinnen brachte, ist der Titel. Statt des knalligen Pink kommt das Grazia-Cover nun mit der Kontrastfarbe Gelb, die auch im Heft eingesetzt wird. Statt Sarah Jessica Parker lächelt nun Jennifer Aniston die Käuferin an und schmachtet ihrem Ex nach: "Der Schlüssel liegt unter der Matte, Brad!" Auch wer das nicht gut findet, muss doch zugeben, dass ein solches Cover in der Flut der Frauentitel unique ist.
Verleger Lars Rose ist von der Reaktion des Anzeigenmarktes auf den Neuling überrascht. "Die Resonanz ist bombig", sagte er MEEDIA am Rande der Medienpreis-Feier in Baden-Baden. Interessant dürfte es sein, bei welchen Titeln Grazia Leserinnen abwerben könnte. Neben Gala und InTouch werden von Experten inzwischen auch Premiummagazine wie InStyle, Glamour oder gar die Vogue genannt. Ein Marktkenner zu MEEDIA: "Grazia wird nicht einen Titel frontal angreifen, sondern dürfte einer Vielzahl von Titel Leserinnen abjagen. Hier entsteht etwas Neues, was es so noch nicht gab."
Eine erste einschneidende Reaktion gibt es bei Bauer. Wie der Verlag MEEDIA bestätigte, wird Life & Style am Donnerstag ebenfalls für einen Euro verkauft. Auch das spricht für die Nervosität im Segment – solche Abwehrmaßnahmen waren von den hart rechnenden Hamburger Magazinprofis bislang nicht bekannt.
Letzte Kommentare
11.02.10 13:43
Christian G. Christiansen
Die heutige Gazia-Einführung zeigt, dass es - außer einem zweistelligen Millionenbetrag - eines persönlichen Verleger-Einsatzes und Mut zum (wohl kalkulierten) Risikos bedarf, um mitten in der (selbstverschuldeten) Zeitungs- und Zeitschriften-Krise, eine grössere Zeitschrift im Markt wohl dauerhaft zu placieren. Lesenswert ist das heutige Gespräch von Ulrike Simon mit dem Grazia-Verleger Lars Rose in der FR.
Der Kommentar von "In Sider" ist insoweit ergänzungsbedürftig, als dass die Nennung seiner drei im Verlag agierenden Töchter unterlassen wurde, denn ein Verlust an Vertriebserlösen schmerzt zumindest Yvonne Bauer ebenso.
Christian G. Christiansen, Berlin
11.02.10 12:28
In Sider
Na, da muss der "geizige Heinz" ja mächtig nervös sein, wenn er sich freiwillig um Vertriebserlöse bringt. Wie wenig überzeugt muss man in der Burchardstraße vom "Life & Style"-Konzept sein, wenn man glaubt, die eigene Leserin geht fremd, sobald ein "neuer" vor der Tür steht.