Die Verlagsgruppe Weltbild, zweitgrößter Buchhändler Deutschlands, verkauft zwar die Sadomaso-Soap "Shades of Grey", nicht aber das Aufklärungsbuch "Make Love". Dessen Verleger Till Tolkemitt von Rogner & Bernhard findet das nicht nur "erstaunlich", sondern fordert Weltbild auch auf, "keine Programmzensur zu betreiben". Tolkemitt: "Aufklärung nein, Schmuddel-Porno ja, das kann einfach nicht die Einstellung der katholischen Kirche sein." Offenbar passen Weltbild Passagen zur Abtreibung in "Make Love" nicht.
Zur Erinnerung: Hauptgesellschafter von Weltbild sind zwölf katholische Diözesen. Einigen Vertretern der Kirche, angeblich sogar dem Papst, war es schon länger ein Dorn im Auge, dass über Weltbild auch allerlei Erotik-Literatur verkauft wird. "Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen", wurde der Kölner Kardinal Joachim Meisner zitiert. Als Konsequenz beschlossen die Gesellschafter schließlich, Weltbild (Umsatz ca. 1,5 Milliarden Euro) zu verkaufen. Als sich abzeichnete, dass sich kein adäquater Käufer finden würde, schwenkte die Kirche um. Seit wenigen Wochen steht fest, dass Weltbild in eine Stiftung umgewandelt werden soll.
Doch ob Stiftung oder nicht – eine klare Linie, was bei Weltbild vertrieben werden soll und was nicht, scheint es nicht zu geben. Denn die Trilogie "Shades of Grey" der Autorin E.L. James, die Spiegel Online eine "Sadomaso-Schmonzette" nannte, verkauft Weltbild anstandslos. Die drei Bücher sind Bestseller auf Papier und als E-Book – und können es vom reißenden Absatz mit den "Harry Potter"-Büchern aufnehmen. "Make Love" ist dagegen ein viel gelobtes Aufklärungsbuch von Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski. Der Stern widmete dem Buch sogar eine Titelgeschichte – und bescherte dem kleinen Verlag Rogner & Bernhard einen Verkaufserfolg: "Make Love" rangiert vorne auf der Media Control-Bestsellerliste.
Auf Nachfrage von MEEDIA sagt Stella Haffmans von Rogner & Bernhard, Weltbild habe dem Verlag in der vergangenen Woche ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, dass "Make Love" nicht ins Angebot aufgenommen werde. Auf telefonische Nachfrage habe man die Auskunft bekommen, "wegen der Ausführungen zur Abtreibung" werde das Buch nicht angeboten.
Darauf entgegnet nun Tolkemitt von Rogner & Bernhardt: "Diese Entscheidung des Weltbild-Konzerns kann nur bedeuten, dass Erwachsene ihre jugendlichen Kinder von Weltbild lieber fernhalten sollten. Wir fordern Weltbild auf, keine Programmzensur zu betreiben und sowohl 'Shades of Grey' als auch das viel wichtigere 'Make Love' – das man quasi als Gegen-Porno und Pro-Liebesbuch bezeichnen kann, zu verkaufen."
Das Weltbild von Weltbild – es wirkt in der Tat ziemlich schief.
Nachtrag: Weltbild-Sprecherin Eva Großkinsky sagte gegenüber boersenblatt.net über "Make Love": "Wir führen dieses Buch nicht in unserem Sortiment, weil Kinder und Jugendliche negativ beeinträchtigt werden können."
Letzte Kommentare
16.07.12 13:18
Christoph Holzapfel
Ihre letzte Bemerkung, Herr "Preston", ist wirklich das Letzte. Schon mal was von Differenzierung und Unschuldsvermutung gehört? Stattdessen unterstellen Sie jedem Geistlichen die Neigung zu sexueller Gewalt. Das hat mit sachlicher Diskussion zu diesem merkwürdigen Thema nichts mehr zu tun.
13.07.12 10:26
JJ Preston
Ach, Frau Grube... dann verhüten Sie mal, wenn Sie vergewaltigt werden. Oder tragen 9 Monate lang die Brut Ihres Peinigers in sich. Und freuen Sie sich 18 Jahre später, wenn Ihr weggegebenes Kind vor der Tür steht, seine echte Mama kennenlernen will und Sie wieder an die Tat erinnert.
Außerdem: Das mit dem Kündigungsschutz für Schwangere ist ein Märchen. Wenn ein Arbeitgeber Sie rausschmeißen WILL, dann tut er das - spätestens, wenn der Mutterschutz vorbei ist. Ob Sie das Kind dann ausgetragen haben oder nicht.
Und vielleicht sollten Sie sich nochmal über die verschiedenen Verhütungsmittel, ihre Wirkweisen und vor allem die Nebenwirkungen, beispielsweise bei hormonellen Verhütungsmitteln, informieren.
Was nun den Dissenz zwischen dem Aufklärungsbuch und dem SM-Roman betrifft, ist das doch nur konsequent. Erstens war der katholischen Kirche in ihrer Geschichte NIE an Aufklärung gelegen, geschweige denn daran, die Realität anzuerkennen, wie sie ist. Und zweitens brauchen die Priester doch mal wieder neue Anregungen für den Umgang mit ihren Messdienern...
13.07.12 09:41
Claire Grube
Hallö
Also ich persönlich bin gegen Abtreibungen. Zur heutigen Zeit gibt es genug Vehütungsmittel und wenn man zu doof ist, zu verhüten, muss man die Konsequenzen tragen.
Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass meine Meinung so wenig toleriert wird, aber gut... Freie Meinungsäußerung und so.
Übrigens bin ich selbst weiblich und 22 und Mutter.
Und WENN man dann doch schwanger wird (aus Blödheit oder weil kein Verhütungsmittel 100% wirkt), gibt es immer noch die Adoption oder Pflegeelternschaft.
Fazit: Ich finde die Entscheidung von Weltbild gut. Allerdings nicht, dass die andere Schmuddelliteratur vertreiben, denn meiner Meinung nach sollen die nicht mit etwas Gewinn machen, was sie eigentlich als Teufelswerk bezeichnen. Das nenne ich sonst nämlich Doppelmoral!!
LG
12.07.12 19:15
Felix aus Frankfurt
@Franz Mindersam:
Sicher. Und genauso kann aber auch jeder gegen solche Entscheidungen (öffentlichkeitswirksam) protestieren.
12.07.12 17:33
Franz Mindersam
Jeder Händler kann doch selbst bestimmen, was er in sein Sortiment aufnimmt und was nicht.