Der Buchverleger Till Tolkemitt fordert den Rücktritt der Geschäftsführung der katholischen Verlagsgruppe Weltbild. Der größte Buchhändler der Republik hat das Aufklärungsbuch "Make Love" auf den Index gesetzt. Begründung: "verharmlosender Umgang mit dem Thema Abtreibung". Diese Form der "Programmzensur" müsse beendet werden, fordert Tolkemitt.
Im Buch "Make Love" werde wiederholt betont, "dass Abtreibung keine Verhütungsmethode ist und nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte", schreibt der Chef des Verlags Rogner & Bernhard. Es sei "die vornehmste Aufgabe eines solchen Buches, die Dinge zu erklären, hinter denen zwar alle her sind, über die aber zu wenig gesprochen wird".
Die Nicht-Aufnahme in den Weltbild-Vertrieb belege aber die "realitätsverweigernde Haltung des Konzerns und der dahinter stehenden katholischen Kirche": " Man kommt beim Thema Sex und katholische Kirche nicht umhin, etwas zu schmunzeln, ist diese Organisation doch ein vor allem von alten Männern dominierter Verein, die noch niemals Sex hatten." Dass Weltbild aber gleichzeitig eine "S/M-Schmonzette" wie das Buch "Shades of Grey" verkaufe, das ein fragwürdiges Frauenbild präsentiere, zeige laut Tolkemitt: Die katholische Kirche schwimmt in ihren Werturteilen und wird ihrer gesellschaftlichen Rolle nicht mehr gerecht. Die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Weltbild sollte Konsequenzen daraus ziehen und zurücktreten.
Weltbild solle "entweder liberal geführt werden oder neue Gesellschafter erhalten". Innerhalb der katholischen Kirche ist zuvor entschieden worden, die von Carel Halff geführte Verlagsgruppe in eine Stiftung zu wandeln. Kirchenoberhäupter hatten moniert, dass über Weltbild zahlreiche erotische und esoterische Bücher verkauft werden.
Letzte Kommentare
19.07.12 09:32
Felix Honekamp Web-Site
Ob der Weltbild-Verlag ein Buch in sein Programm aufnimmt, muss der schon selbst entscheiden und hat mit "Zensur" erstmal nichts zu tun, sondern mit der hinter dem Unternehmen stehenden Wertesystem.
Man kann die katholische Sicht, dass Abtreibung in jedem Fall die Tötung eines Menschen ist, ja ablehnen, aber andererseits niemanden zwingen, diesbezüglich relativierende Schriften zu verbreiten.
Fragwürdig ist aber in der Tat die unterschiedliche Bewertung, die den Verdacht nährt, bei der "erotischen" Literatur, drücke man ein Auge zu, weil man damit Geld verdienen kann - eine Sicht, die von der Mehrzahl der Katholiken nicht geteilt wird, weshalb die Eigentümerbistümer auch im Feuer innerkirchlicher Kritik stehen. Die Geschäftsführung von Weltbild sollte daher nicht zurücktreten, sondern, wenn sie gegen die Weisung der Bistümer handeln sollte, abberufen werden!