Bislang galten Hotelbars als wichtigste Infoquelle für Reporter. Bei Bier und Schnaps versorgen viele Politiker Journalisten mit Hintergrundwissen oder dem nötigen Futter, um Rivalen aus dem Amt schreiben zu lassen. Wie es an den Tresen nach getaner Parlaments- und Regierungsarbeit auch zugehen kann, thematisiert jetzt der stern. Autorin Laura Himmelreich beschreibt, wie Rainer Brüderle ("Sie können ein Dirndl auch ausfüllen") sie an einer Bar anbaggerte. Angeblich kein Einzelfall.
Politberichterstattung einmal anders als gewohnt: Die Story im morgen erscheinenden stern trägt die Headline "Der Herrenwitz" und dürfte sowohl dem Fraktionsvorsitzenden der FDP, wie auch wohl seiner Frau, Angelika Brüderle, kaum gefallen. Die 29-jährige Himmelreich schildert in dem Text, wie der 67-jährige ehemalige Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, sich vor gut einem Jahr an die Journalisten „heranwanzte“.
In dem Artikel schreibt sie, dass sie den Politiker am Vorabend des traditionellen Stuttgarter Dreikönigstreffens an der Bar getroffen und gehofft hätte, ein professionelles Gespräch führen zu können. Stattdessen sei, so die Reporterin, sein Blick auf ihren Busen gewandert. Kommentar des spitzen Kandidaten der FDP: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Weiter beschreibt sie die Begegnung so: "Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie: 'Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen'. 'Herr Brüderle', sage ich, 'Sie sind Politiker, ich bin Journalistin'. 'Politiker verfallen doch alle Journalistinnen', sagt er. Ich sage: 'Ich finde es besser, wir halten das hier professionell'. 'Am Ende sind wir alle nur Menschen'", habe er geantwortet.
Das gesamte Stück zeichnet kein freundliches Bild vom neuen FDP-Hoffnungsträger. Tatsächlich nennt sie noch eine Vielzahl weiterer Beispiele, bei denen der 67-Jährige sich wie ein pubertierender Verbal-Erotiker zu gerieren scheint. So soll er bei einem Besuch in einem Milchviehbetrieb in Schleswig-Holstein beim Betrachten einer Kuh gesagt haben: "Ey, guck mal, der Euter. Der hängt ganz schön. Das ist Körbchengröße 90 L."
Die stern-Reporterin kommt zu dem Schluss, dass sich der Politiker „in einem Zustand von Dauererotisierung“ befinde: „Er gefällt sich als Verkörperung des wandelnden Herrenwitzes."
Gegenüber Spiegel Online wollte Brüderle sich nicht zu dem Vorgang äußern. Bei den meisten Politikern dürfte die Story wenig Freude auslösen. Denn bislang gab es – auch in der Berichterstattung – meistens eine klare Trennung zwischen dem Politiker, über den berichtet wird und der privaten Person. Der Mensch hinter dem Regierungs- oder Parteiamt wird selbst bei sehr nahen Portraits von fast allen Journalisten mit sehr viel Vorsicht beschrieben. In der sensiblen Politszene in Berlin wird so etwas leicht als Tabubruch und Illoyalität gewertet. So ist die Story der stern-Reporterin in doppeltem Sinne mutig.
Die Himmelreich-Geschichte ist allerdings nicht die Erste ihrer Art. Bei Spiegel Online hatte sich Annett Meiritz bereits mit dem frauenverachtenden Ton bei Mitgliedern der Piratenpartei beschäftigt.
Die stern-Story könnte sich für Brüderle noch zu einem echten Image-Problem ausweiten. Einzige Hoffnung für den Liberalen könnte sein, dass die Menschen außerhalb der Redaktionsstuben weniger für die Befindlichkeiten von Journalisten interessieren, als diese gemeinhin annehmen. Es ist aber auch möglich, dass sich die Himmelreich-Begegnung in der Hotelbar für Brüderle zu einer echten Affäre ausweitet – dann aber zu einer politischen.
Die komplette Story "Der Herrenwitz" ist im stern, Ausgabe 05/13, nachzulesen.
Letzte Kommentare
16.05.13 22:20
karophi ken Web-Site
Dies könnte einer der besten bringt dieses Thema, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Es ist offensichtlich, dass das Verständnis für das Thema tatsächlich tief, die speziell für eine sehr faszinierende Studie ist. http://www.gfa.si
30.04.13 05:58
mbt shoes Web-Site
helpless weather is unpredictable, father terminal one, http://www.vibramfivefingersukshop.co.uk/ He contingent gone. Dongyong sad extremely, tears more difficult things yet to come, in order to cure his father's illness, http://vibramfivefingers.shopukcheap.co.uk/ the family penniless, and even no money for a coffin to his father
26.03.13 10:22
mbt shoes Web-Site
more than the three represents loyalty two pieces! What qualifications do you have to question him?
29.01.13 19:19
Ex GuJler
Schöne Geschichte!
Der STERN führt die Bewegung des Protests gegen das an, was der Bock vom Baumwall, Vorstand Bernd Buchholz (auch FDP!), jahrelang lustvoll praktiziert an: Sexismus, Sexismus, Sexismus.
26.01.13 16:36
Erich E. Reger
Nachtrag:
Der eigentliche Skandal ist, dass sich Frau Himmelreich an Herrn Brüderle herangewanzt hat. Hier verstehe ich unter heranwanzen, dass Frau Himmelreich verwanzt ist, also permanent ein Aufnahmegerät mitlaufen lässt. 2010 tat sie so, als wisse sie nicht, dass das kein Kaverliersdelikt ist. Also wurde ihr ein Schreiben zugestellt, wo folgende Paragrafen aufgeführt sind:
§ 201 Abs.3 StGB
§ 203 Abs.2 StGB
§ 331 StGB
§ 332 StGB
§ 353 b StGB
§ 358 StGB
Der eigentliche Skandal ist doch, dass Frau Himmelreich aus einem Gespräch zwischen Brüderle und einem Geistlichen zitiert.
Was ist investigativer Journalismus, wo ist der Grad überschritten, wo Informationen gesammelt werden, die einen Amtsträger mit der Veröffentlichung einer Story erpressen sollen.
Wir leben alle in einer Demokratie und einem Rechtstaat, der historisch nie dagewesene Freiheiten gibt. Das die Demokratie funktioniert erfordert aber einen fairen Umgang miteinander. Auch Journalisten lieben die Macht der spitzen Feder, die Einladungen auf Empfänge, die Aufmerksamkeit, ihren Narzismus, so dass sie mitlerweile auch akzeptieren, nur noch im Centbereich/Zeile für ihre Artikel entlohnt zu werden. Sie lassen sich einladen - aus finanzieller Not. Wer sagt uns denn, dass sie die Informationen nicht auch noch Leute weitergeben, die aus dem Erpressungspotential einer Information Profit schlagen. Im kalten Krieg war man vorsichtiger. Aber bei einem Wirtschaftsminister können schon kleine Ausrutscher Kurse schwanken lassen. Andere Minister werden innerlich fast krank aus dem Gedanken, dass ihre Gegenüber permanent Aufnahmegeräte mitlaufen lassen. Fährt man bei Ihnen vorbei, so stehen immer Autos mir F-AZ der Stalker vor der Türe. Setzt sich der Politiker ins Auto, so setzt sich gleich der Schatten mit in Bewegung. Was ist also die logische Reaktion: Der gestalkte und verfolgte spricht den Verfolger an. Gibt ihm ein Interview, und man trinkt ein Bierchen miteinander. Man lernt sich kennen und macht quasi einen Deal: Ich gebe dir die Informationen die Du für deinen Job verschreiben kannst, und ich muss nicht permanent Angst haben, selber nach § 353 b StGB von der Frau Bundeskanzlerin belangt zu werden. Und irgendwie haben alle mit dieser Regelung einigermaßen Frei leben und schreiben können. Der Deal geht zum Teil noch weiter: Journalisten sind von Natur aus sehr sehr neugierig. Es interessiert sie bei der FDP brennend, ob ein Mann schwul ist oder ob er seine Frau schlägt oder als Jungeselle ein mal im Monat bei einer ausgewählten Dame bezahlt. Die Frage, wie ein smarter Politiker nackt aussieht, kann eine Journalistin nur beantworten, wenn sie mit ihm in die Sauna geht. Tja, und da muss sie sich eben selber nackig machen. Und wer regelmäßig in die Sauna geht, der weiß wie respektvoll und fair der Umgang untereinander ist. Ja, man schaut einander auf die tollen Körper, aber man findet bei jedem auch die Problemzone. Da hat der Bodybuilder Zellulitis, und bei einer Anderen hatte die Schönheitsklinik nur eine gute Propagandaabteilung. Und, ist es dann fair darüber zu berichten, wie Helmut Kohl neben Boris Jeltsin in der Sauna über den Abzug der Atomwaffen verhandeln, bevor beide das Thema daheim geregelt haben. Nein. Die Macht der spitzen Feder bedeutet auch Verantwortung. Sowohl gewählte Politiker als auch Journalisten tragen an der Macht ähnlich schwer. Und beide verdienen zunächst nichts. Journalisten jagen ja korrupte Politiker. Aber wer jagt spionierende Journalisten?