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Graf Nayhauß und ViSdP gegen "Die Meinungsmacher"

Schlammschlacht um Journalisten-Buch

Der bekannte Politik-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß (u.a. Bild, Bunte) geht juristisch gegen das Buch "Die Meinungsmacher" von Journalistik-Professor Stephan Weichert und Leif Kramp vor. Streitpunkt ist eine Passage, in der es um die Online-Kompetenz des Grafen geht. Das Medienmagazin ViSdP kritisiert zudem, die "Meinungsmacher"-Autoren hätten ein "verwahrlostes Verhältnis zur Recherche" und würden nur altbekannte Thesen verbreiten. Weichert weist die Kritik gegenüber MEEDIA als "Hetzkampagne" zurück.

Graf Nayhauß soll eine Unterlassungserklärung erwirkt haben, weil die Autoren in dem Buch behaupten, Graf Nayhauß habe Kolumnen von der Redaktion der Netzeitung "ins Digitalische übersetzen" lassen. Dabei sei Graf Nayhauß als einer von wenigen schon in den 70er Jahren online gewesen und kommuniziere auch heute via E-Mail. Offenbar war Mainhardt Graf Nayhauß, der für Bild und Bunte politische Kolumnen verfasst und früher auch für die Netzeitung geschrieben hat, ein Online-Pionier unter den politischen Journalisten. Er sei einer der ersten gewesen, die von Kanzlerreisen mit Laptop berichtet hätten, schreibt ViSdP.

Stephan Weichert zu MEEDIA: "Ich bezweifle, dass der Redakteur überhaupt einen Blick in unser Buch geworfen hat, denn ViSdP hat schlichtweg unterschlagen, dass Mainhardt Graf von Nayhauß in dem Buch ausführlich und an vielen Stellen zu Wort kommt und durchweg äußerst positiv dargestellt wird, unter anderem beschreiben wir ihn als Online-Pionier, der sich trotz seines hohen Alters in neue Medienumgebungen eingefunden hat – was ihn unseres Erachtens allerdings noch nicht zum Online-Journalisten macht." Nayhauß sei mit Leib und Seele Printmann, der vor allem für Bild und Bunte seine Polit-Promi-Kolumnen schreibe.

Von der Unterlassungsklage des Grafen waren die Autoren nach eigenen Angaben "sehr überrascht". Sie hätten es als unkollegial empfunden, dass er sofort den juristischen Weg wählte und nicht vorab ein Gespräch suchte. Nach der zugestellten Unterlassungsklage statteten die Autoren Graf Nayhauß einen Besuch ab, wie ViSdP schreibt "offenbar, um ihn davon zu überzeugen, die Angelegenheit off the record zu regeln". Stephan Weichert schildert den Besuch bei Graf Nayhauß gegenüber MEEDIA folgendermaßen: "Nayhauß, der an jenem Freitagnachmittag noch zufällig in seinem Büro Unter den Linden war, empfing uns mit freundlichen Handschlag, nahm uns gleich die Mäntel ab, gab uns aber, nachdem wir ihm kurz und freundlich unser Anliegen schilderten, kurzerhand zu verstehen, dass wir doch besser auf die gegenüberliegende Straßenseite in die Kanzlei seines Schwiegersohnes rüber gingen, um alles weitere zu besprechen. Wir willigten ein, aber unter der Bedingung, dass es uns ausschließlich um ein informelles, rein kollegiales Gespräch ginge, bevor sich die Anwälte unterhielten. Das Gespräch selbst verlief äußerst skurril und weil es ja vertraulich war, wollen wir uns hier jetzt nicht näher dazu äußern. Vielleicht nur soviel: Die ganze Situation hatte aus meiner Sicht eine humorige Komponente, denn die Kanzlei des Schwiegersohnes, Alexander Graf von Kalckreuth, der übrigens gar nicht unsympathisch war und unseren Standpunkt glaube ich auch während des Gesprächs eingesehen hat, erinnerte an eine Praxis für plastische Schönheitschirurgie und nachdem das Eis gebrochen war, haben uns alle eigentlich zivilisiert wie Erwachsene unterhalten."

Die juristisch formal vorgebrachten Forderungen seien laut Weichert "im beiderseitigen Einvernehmen" geklärt worden. Um Missverständnissen vorzubeugen hätten sich die Autoren entschlossen, die von Nayhauß als ehrenrührig empfundene Stelle im Buch zur Drucklegung der zweiten Auflage zu ändern.

Auch über diesen Fall Nayhauß hinaus geht ViSdP mit dem Buch "Die Meinungsmacher" hart ins Gericht. "Die Episode nährt Zweifel an Vorgehen und Haltung der Autoren. Ihr Unwille zu differenzieren geht einher mit sich besonders wissenschaftlich gebendem Vokabular – dabei erschöpfen sich ihre Methoden im Wesentlichen darin, 35 Hauptstadtjournalisten interviewt zu haben", schreibt ViSdP. Die Autoren hätten sich den "verschwörerischen Ton", das "allwissende Raunen" und das "Pathos unerschrockener Wahrheitskämpfer" von der "Thomas-Leif-Schule" des investigativen Journalismus abgeschaut, heißt es weiter. Und: "Die These steht, nun geht es darum, sie zu illustrieren. Letztlich ist solches Verallgemeinern und Bewerten aber genau das, was die Wissenschaftler kritisieren: eine Spielart des Boulevard."

Thomas Leif ist Chefreporter des SWR und einer der Vorsitzenden des Netzwerks Recherche, das den Auftrag zu dem Buch "Die Meinungsmacher" erteilte. Weichert zu der Kritik: "Wir lesen diesen ganzen Vorfall, jedenfalls so wie ihn die Wichtigtuer-Bande um Herausgeber Hajo Schumacher darstellt, zunächst einmal als Fortsetzung einer Hetzkampagne gegen das Netzwerk Recherche, die offenkundig bereits seit Jahren im Gange ist."

Den Vorwurf der "verwahrlosten" Recherche will Weichert nicht auf sich und seinem Ko-Autoren Leif Kramp sitzen lassen: "Unser Buch ist eine der umfassendsten Bestandsaufnahmen zum Hauptstadtjournalismus, die auf 35 ausführlichen Gesprächen mit tonangebenden Meinungsmachern aus der Hauptstadt beruht vom Parlamentskorrespondenten über den Redaktionsleiter bis zum Politikberater und Parteisprecher." Das Buch sei zudem von drei anerkannten Branchenkennern auf Fakten gegengelesen worden. Zur ViSdP-Kritik "Die Meinungsmacher" würden nur bereits sattsam bekannte Thesen über Hauptstadt-Journalisten wiederholen, sagt Weichert: "Wir bemühen uns um ein frisches und dichtes Gesamtbild der Prozesse und Mechanismen im Hauptstadtjournalismus und wie sich der Weg dorthin über die Jahre vollzogen hat. Das leisten weder die vor einigen Jahren in Buchform erschienenen Essays noch der inzwischen zehn Jahre alte, sehr gute Dokumentarfilm 'Die Meute'. Im Übrigen haben mit Twitter und Blogs neue Kommunikationsmittel an Einfluss gewonnen, die es vor einigen Jahren in der Form noch gar nicht gegeben hat, und die in unserem Buch intensiv behandelt werden. Es wäre für die Medienwissenschaft als auch den Medienjournalismus ein Armutszeugnis, wenn sich beide nicht um eine aktuelle Bestandsaufnahme bemühen würden." Stephan Weichert ist Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg. Leif Kramp arbeitet als Medien- und Kommunikationswissenschaftler sowie als Journalist.

swi

04.06.2010
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Die "Meinungsmacher"-Kritik in ViSdP

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    04.06.10 16:58

    Matthias Breitinger

    Man fragt sich, was damit gemeint sein soll, dass Graf Nayhauß Kolumnen von der Redaktion der Netzeitung "ins Digitalische übersetzen" ließ. Die Texte waren doch in der Regel politische Kolumnen, die sich kaum um Netz- oder Digital-Themen drehten...

    04.06.10 15:40

    Stefan Winterbauer

    @W.Lietzau So steht es in dem ViSdP-Artikel... vermutlich ist gemeint, dass er mit seinem Akustik-Koppler Daten über die Telefonleitung übetragen hat. Das Internet in heutiger Form gab es damals natürlich noch nicht.

    04.06.10 15:22

    W. Lietzau

    Zitat "Dabei sei Graf Nayhauß als einer von wenigen schon in den 70er Jahren online gewesen und kommuniziere auch heute via E-Mail." In den 70ern bereits online? Was habe ich verpasst? W.L.

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