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50 Top-Journalisten bei G+J-Konferenz

Pressefreiheit: Die Charta der Chefredakteure

Historischer Augenblick im Gruner + Jahr-Auditorium am Hamburger Baumwall: Um 17 Uhr unterzeichneten knapp 50 Chefredakteure aus ganz Europa die Europäische Charta für Pressefreiheit, weitere wollen folgen. In zehn Artikeln werden die Eckpunkte und wesentlichen Rechte aufgelistet, die für eine freie Medienarbeit unerlässlich sind. Die Charta-Konferenz wurde von G+J und Axel Springer finanziell unterstützt. Ihre Grundsätze sollen in die Verfassungen und Rechtssysteme aller Länder Eingang finden.

Maßgeblicher Ideengeber für das Pressefreiheits-Projekt ist der stellvertretende "Stern"-Chefredakteur und politische Kolumnist Hans-Ulrich Jörges. Nachdem eine gemeinsame Erklärung schon seit Jahren von Verbänden gefordert aber nicht umgesetzt worden war, regte Jörges an, dass die führenden Journalisten und Blattmacher die Sache selbst in die Hand nehmen sollten. In wenigen Wochen wurde die Konferenz geplant und einberufen.

Die knapp 50 Teilnehmer, darunter Christoph Keese (Axel Springer), Bascha Mika ("taz"), Thomas Osterkorn und Andreas Petzold ("Stern"), Matthias Müller von Blumencron ("Spiegel"), Hans Leyendecker ("Süddeutsche"), Klaus Liedtke ("National Geographic"), Steffen Klusmann (G+J-Wirtschaftsmedien), Nikolaus Brender (ZDF), sowie zahlreiche ausländische Blattmacher und Enthüllungsjournalisten, diskutierten ausführlich die Vorlage und ergänzten sie um einige Aspekte.

Die Charta, die von den leitenden Journalisten aus 29 europäischen Ländern am Montag in Hamburg verabschiedet wurde, betont die Bedeutung der freien Presse für die Demokratie und definiert den Schutz der Medien als wichtigen staatlichen Auftrag. Zensur und Repressalien gegen Journalisten dürfen nicht ausgeübt werden. Die Staaten müssen die freie journalistische Berufsausübung garantieren.

Für unzulässig erklärt die Charta Überwachungen, Lauschaktionen oder Durchsuchungen von Redaktionen, Privaträumen oder Computern von Journalisten mit dem Zweck, Informationsquellen ausfindig zu machen oder das Redaktionsgeheimnis zu brechen. Druck von Regierungen, staatlichen Institutionen oder Unternehmen auf Medien wegen kritischer Berichterstattung wird in dem Papier deutlich angeprangert.

Die Charta wird bei der EU-Kommission in Brüssel notifiziert, um ihr in der Gemeinschaft Geltung zu verschaffen und ihre Anerkennung zur Bedingung bei den EU-Erweiterungsverhandlungen zu machen.
 
In seiner Begrüßung plädierte G+J-Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Buchholz dafür, dass „Journalisten frei und unabhängig von staatlichen Einflüssen“ arbeiten müssten: Die Macht der Presse und die Verpflichtung, diese Macht maßvoll einzusetzen, sei nicht zu unterschätzen. Er unterstütze die Bemühungen der Charta, die Bedeutung der Pressefreiheit gemeinsam zu vertreten.
 
An der Hamburger Konferenz nahmen auch Journalisten aus Nicht-EU-Ländern teil, darunter aus Russland, Weißrussland, Serbien und der Türkei. 27 Repräsentanten weiterer europäischer Medien, die an der Konferenz nicht teilnehmen konnten, hatten bereits im Vorwege die Unterzeichnung der Charta zugesagt.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, begrüßte die Verabschiedung der Charta: "Sie ist ein richtiger und wichtiger Schritt auf dem Weg zu gleichen Rechten für alle Journalistinnen und Journalisten in Europa." Und weiter: "Die Charta muss Eingang finden in die europäische Politik und zur Grundlage der nationalen Gesetzgebungen werden."

Dass die Charta zunächst für europäische Länder eingeführt wird, mindert ihre globale Bedeutung nicht. "Diese Grundregeln", so Hans-Ulrich Jörges, "sollten für die Medienarbeit in der ganzen Welt gelten." Aus organisatorischen Gründen wurde der globale Ansatz aber vorerst zurückgestellt.

 

25.05.2009
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    Letzte Kommentare

    Anzeige: 1 - 2 von 2

    27.05.09 10:46

    Peter Liebmann Web-Site

    Das was Jahre verschoben wurde, von Absichtserklärungen einmal abgesehen, wird nun in kurzer Zeit geplant und umgesetzt. Worin liegt die Not, was war der Zündfunke? G+J Chef Buchholz steht selbst unter erheblichem inneren und äußeren Druck und muss daher in die Notoffensive gehen.
    Buchholz und der Gesamtfall KIELER-AFFÄREN bilden eine allgemein bekannte Einheit, die es hier nicht zu vertiefen gibt.
    Dem Verlag und der Bertelsmann Mutter kann diese Büchse der Pandora nicht gefallen, und daher dürfte Buchholz nur auf massiven Druck von dort aus seinem Schneckenhäuschen herausgepresst worden sein.
    Buchholz Vita, auch die des Kollegen Leyendecker, bietet genügend Ansatzpunkte um die EC ad absurdum zu führen, geht es doch in Wahrheit nur um Konspirativität nach Geheimdienstart, als Schwert oder Friedenstaube.
    Wäre es anders, gäbe es nicht die KIELER-AFFÄREN, die in erster Linie eine gigantische, wenn auch trotzdem kleinkarierte Medienoperation ist, die wie üblich politischen Interessen als Werkzeug dient.
    Wäre es nicht ausgerechnet Buchholz der sich an die Spitze setzt, könnte man schon etwas hoffnungsfroher in die EC Zukunft blicken.
    Die unterwürfige Voreiligkeit einiger Mitglieder wird sicher noch manchem sehr leid tun, doch dann ist das Stigma bereits in die Stirn gebrannt.

    26.05.09 22:17

    Fred Steinhauer Web-Site

    Der DJV schickt seinen Pressesprecher als "leitenden Journalisten" zum Unterzeichnen und der DJV begrüßt das dann anschließend in einer Presseerklärung, die sein leitender Journalist schreibt.
    Der Medienkodex des NR sagt ja auch zutreffend "Journalisten machen keine PR" und nicht "PRler geben sich nicht als Journalisten aus".

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