Auto- und Reisejournalisten gelten als die Kollegen, die am anfälligsten für Schleichwerbe-Angebote sein sollen. Mit seinem "neuen Testverfahren" scheint Opel diese These bis zur äußersten Belastbarkeit zu prüfen. Laut FTD hat der Autobauer 200 Motorjournalisten nach Mallorca eingeladen. Selbstverständlich all-inclusive und diesmal sogar mit günstigen Sonderkonditionen für einen kleinen Familienurlaub. Vorgestellt werden auf den Balearen nicht etwa neueste Top-Modelle, sondern nur kleine Extras.
Nach Informationen der Financial Times Deutschland können die PS-Redakteure auf Malle einen neuen Motor im Corsa testen, ein neues Getriebe im Insignia prüfen oder sich einen neuen Fahrradträger am Meriva ansehen.
Für zwei Teststage bringt Opel die Journalisten auf die spanische Insel, versorgt sie mit einem Opel-Mietwagen und einem 50 Euro-Gutschein für die Hotelbar. So weit, so gewöhnlich. Genau so funktionieren Pressereisen. Ungewöhnlich ist allerdings, dass es Opel den Testern samt Familien ermöglicht, den Aufenthalt in dem Fünf-Sterne-Hotel zu einem attraktiven Sonderpreis zu verlängern. Statt für 299 Euro können die Auto-Journalisten den Test-Urlaub auf bis zu einer Woche ausdehnen für nur 199 Euro pro Nacht.
"Wir subventionieren das nicht. Wir geben nur unsere ausgehandelten Konditionen an die Journalisten weiter", sagte ein Sprecher des Autobauers gegenüber der FTD. Der DJV dagegen findet das "ziemlich platt" und sagt, dass "da die Bestechung mit Händen zu greifen" sei.
Erstaunlicherweise scheinen sich solche Aktionen weder für den einladenden Autobauer, noch für die anwesenden Journalisten negativ auszuwirken. Denn seit vielen Jahrzehnten hat sich ein undurchsichtiges System aus Pressereisen, Unkostenbeteiligungen und Test-Berichten und -Reportagen etabliert, ohne dass die Leser sich sonderlich daran stören würden.
Selbst wenn ein Medium wegen Schleichwerbung Ärger mit dem Presserat bekäme, würden sich kaum Leser abwenden, glaubt der Medienforscher Andreas Eickelkamp. Gerade die Auto-, Reise und Immobilien-Berichterstattung hält der Berliner für die größten Problemfelder.
Laut Infoflyer verlangt Opel jedoch eine kleine Gegenleistung für den günstigen Familien-Urlaub: "Wir sind gespannt auf Ihre Berichterstattung zur Urlaubstauglichkeit unserer Modelle".
Letzte Kommentare
07.04.11 22:56
Ben Henn Web-Site
Wenn ihr noch richtigen journalismus und ehrliche berichterstattung wollt.
www.motor-kritik.de
Der mann ist vielleicht etwas alte und hat vielleicht manche vorlieben und abneigungen wie jeder normale mensch, dennoch ist alles vom ihm 1000x mehr wert wie das was die Fachpresse so schreibt.
07.04.11 20:12
Cat Man
Oh, Frau Hucko. Sie sind nicht eingeladen worden von Opel. Da muss man dann schon mal Unsinn verbreiten. Noch dazu auf Seite 1. Dank an den Chefredakteur. Nun sollte man aber wissen, dass Frau Hucko viele Jahre bei der Auto Bild war. Und so die ein oder andere Fahrvorstellung bzw. Events von Autoherstellern mitgemacht haben wird.
Beispiel Mercedes. Richtig ist, dass die Stuttgarter keine Pressegeschenke verteilen. Nicht mehr! Dafür werden Journalisten aus der ganzen Welt im Moment durch die ganze Welt geflogen, um bei der F-Cell-Tour dabei zu sein. Kosten im Gegensatz zu dem Opel-Termin: IMMENS HÖHER!
Also in Zukunft erst Hirn einschalten und dann schreiben. Macht auch Sinn bei Fahrberichten, die zum Beispiel von meiner Seite immer objektiv und auch kritisch sind, Herr Burkert!
07.04.11 14:36
Wolfgang Messer Web-Site
Ups, html-Befehle gehen bei Euch offenbar nicht, deshalb hier noch mal der Link im Rohformat:
http://fastvoice.net/2009/06/28/wer-gut-schmiert-der-gut-fahrt/
07.04.11 14:25
Norman Nekro
50 Euro-Gutschein für die Bar? 100 Euro weniger am Tag für die Familie im 5-Sterne-Hotel?
Das ist doch Pipifax! Anscheinend sind die legendären Pressereisen der PS-Branche längst nicht so glamourös wie immer kolportiert.
Jedenfalls im Vergleich zu einem Journalistentermin in Moskau, den ein ganz normaler Waschmaschinen- und Elektrogroßgerätehersteller veranstaltet hat. Das Fünf Sterne Plus-Hotel war selbstverständlich das beste der Stadt, die Presseleute wurden drei Nächte lang durch die angesagtesten Restaurants und Diskotheken geschleust und für die Bar gab es einen Button, der den Weg zum unbeschränkten freien Saufen öffnete (Für 50 Euro hätte man da höchstens 2 cl Wodka bekommen).
DAS nenne ich Service!
07.04.11 14:23
Marc Gemeiner
Die Opel AG sollte sich mal ein Beispiel an anderen Fahrzeugherstellern nehmen. Die Daimler AG zum Beispiel lebt aktiv die "Corporate Social Responsibility" und verzichtet bei verschiedenen Fahrveranstaltungen auf die üblichen persönlichen Geschenke für die Presse. Sie spendet das dadurch eingesparte Geld für ausgesuchte Programme einer Humanitären Organisation. In dem Falle Ärzte der Welt. Ich hoffe zukünftig finden sich noch mehr Unternehmen wie die Daimler AG, die sich im CSR-Bereich aktiver engagieren.