Nicht objektiv und dazu noch käuflich: Journalisten haben in Deutschland einen schlechten Leumund. Die deutliche Mehrheit der Bürger Deutschlands gab bei einer repräsentativen Umfrage der Technischen Universität (TU) Dresden an, dass sie Journalisten nicht trauen. Lediglich 35 Prozent glauben an die Integrität des Berufsstands. Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler an der TU Dresden: "Die Forschungsergebnisse bestätigen eindeutig eine Abnahme des öffentlichen Vertrauens in den Journalismus."
"Unsere Untersuchung zeigt, dass wir es heute nicht nur mit einer zunehmenden Politikverdrossenheit zu tun haben, sondern auch mit einer Journalismusverdrossenheit", sagte Donsbach.
Die Befragten kritisierten vor allem die mangelnde Objektivität, insbesondere des politischen Journalismus. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Grenze zwischen Journalismus und PR-Veröffentlichungen weniger deutlich wahrgenommen wird. So verwundert es nicht, dass viele Bürger Journalisten für käuflich halten.
Einen wichtigen Faktor für den wachsenden Vertrauensverlust sieht Donsbach im ethischen Verhalten der Journalisten: "Hier zeigt sich, dass großteils eine distanziertere und feinfühligere Berichterstattung gewünscht wird. Für die Bürger wiegen Respekt und Pietät schwerer als das öffentliche Interesse."
In diesem Zusammenhang sprechen sich rund 80 Prozent der Bürger dagegen aus, in den Medien zivile Kriegsopfer abzubilden. Außerdem glaubt mehr als die Hälfte der Befragten, dass Journalisten zuviel Einfluss hätten und sogar mächtiger als Politiker sind.
In der öffentlichen Wahrnehmung verwischt die Grenze des Journalismus aber nicht nur zum PR-Bereich. Zunehmend werden verschiedenste Veröffentlichungen im Internet als journalistische Kanäle empfunden. So hält die Hälfte der befragten 18- bis 24-Jährigen Blogging für Journalismus.
Eine Tendenz, die die Verfasser der Studie für gefährlich halten – gerade in der heutigen Internetgesellschaft bräuchten die Menschen Journalisten als "kommunikative Vermittler". "Für eine moderne Demokratie ist diese Leistung von zentraler Bedeutung", meint Wolfgang Donsbach.
Denn Journalisten seien die "vierte Gewalt" im Staat und für die öffentliche Meinungs- und Willensbildung von entscheidender Bedeutung. "Die Bürger fordern zentrale Leistungen des Journalismus ein und zeigen sich in vielerlei Hinsicht von dem enttäuscht, was ihnen geboten wird", befindet Donsbach.
Für die Studie führte die TU Dresden eine telefonische Repräsentativbefragung mit mehr als 1.000 Personen über 18 Jahren durch. Von den zehn abgefragten Berufen landeten die Journalisten auf Platz sechs.
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