Der Vorstand des Journalistenvereins Netzwerk Recherche hat über seine Webseite auf Anwürfe und Fragen verschiedener Kritiker reagiert. In der vergangenen Woche, direkt vor der Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Vereins, hatte das Vereinsmitglied Rüdiger Pichler Fragen und Vorwürfe an den Vorstand per Mail an eine Reihe von Journalisten versendet. Wie MEEDIA berichtete, steht Pichler in Kontakt mit dem ehemaligen NR-Chef Thomas Leif. Die Vorwürfe seien "substanzlos", schreibt der Vorstand nun.
Pichler, Professor an der Hochschule RheinMain, hatte bereits im Februar einen Fragenkatalog postalisch an den Vorstand des Vereins, Oliver Schröm, verschickt. Darauf hatten Schröm und Pichler per Mail Kontakt, zu einem Telefonat kam es aber nicht, weil Pichler offenbar nicht zu erreichen war. Der Mailaustausch liegt MEEDIA vor und scheint die Darstellung Schröms zu bestätigen. Ebenfalls liegt MEEDIA eine Mail von Thomas Leif, dem ehemaligen Vorsitzenden des Netzwerks, an Rüdiger Pichler vor. Der Kritiker, so legt die Mail nahe, steht im Austausch mit dem im vergangenen Jahr geschassten Leif. Was den Fragen und ihrer Lancierung an Journalisten einen Tag vor der Mitgliederversammlung des NR eine besonders pikante Note verleiht.
Die Fragen, die Pichler an Schröm stellte, beantwortet der Verein nun auf seiner Webseite: "Da wir den genauen Verteiler der Mail nicht kennen, haben wir uns zu dieser Transparenzmaßnahme entschlossen. So kann sich jeder ein Urteil bilden." Darin bekräftigt der aktuelle Vorstand, dem auch Mitglieder des ehemaligen Vorstandes unter Thomas Leif angehören, die bisherige Darstellung: Von einer fehlerhaften Verbuchung von Fördergeldern von der Bundeszentrale für politische Bildung, für die Thomas Leif verantwortlich war, erfuhr der gesamte Vorstand demnach erst im Mai 2011.
Ein Anfangsverdacht habe sich Anfang des vergangenen Jahres ergeben – der schließlich zur Aufdeckung der Vorgänge führte, sowie zum Sturz von Leif als NR-Chef. Pichler legt in seiner Mail nahe, bereits im Mai 2009 sei bei einer Vorstandssitzung die Thematik der Förderanträge an die Bundeszentrale "ausführlich diskutiert" worden. Auf diese Vorstandssitzung geht der NR-Vorstand nicht ein. Der Anwurf Pichlers zielt vermutlich darauf ab, das Bild von Thomas Leif als den alleinigen "Sündenbock" der Affäre zu revidieren. Andere Fragen und Kritikpunkte Pichlers werden durch die NR-Darstellung allerdings klar widerlegt – was auch diese Behauptung zumindest zweifelhaft macht.
Die komplette Auflistung von Tatsachenbehauptungen der Kritiker plus Entgegnung des NR-Vorstands findet sich hier.
Letzte Kommentare
08.06.12 09:26
Hans Monitor
Wenn ein Mitglied dem geschäftsführenden Vorstand mit unangenehmen Fragen schreibt, gibt es keine schriftliche Antwort.Er wird angerufen, mit verdeckten Anrufen ausgeforscht, und zu "persönlichen" Gesprächen geladen.
Wenn ein Medium unangenehme Enthüllungen aus dem Vorstand publiziert, brisante Emails der Schatzmeisterin etwa, stellt es bald sein Erscheinen ein: ViSdP. R.I.P
Nein die Rede ist hier nicht von der Mafia oder Cosa Nostra, auch nicht vom CIA oder dem BND. Die Rede ist vom "besten und transparentesten Journalisten-Verein Europas"(Hans Leyendecker), dem netzwerk recherche e.V.
Mal sehen was von den Richtigstellungen des NR Vorstands übrig bleibt, wenn die internen Kritiker wieder ein Medium gefunden haben, das über ihre Antworten und weiteren Fragen berichtet.
07.06.12 23:55
Mark Krämer
@cm: Was ich noch nicht ganz verstehe: Der Professor Pichler behauptet also, die Förderanträge an die Bundeszentrale seien 2009 "ausführlich diskutiert" worden. Aber liefert er dafür denn irgendeinen Anhaltspunkt? Oder sind das auch nur die Behauptungen von Leif?
Was ich damit meine: Da könnte ja jeder, der sich schlecht behandelt fühlt, irgendwas in die Welt setzen, selbst wenn es noch so großer Quatsch wäre – und Meedia würde das dann erst mal veröffentlichen?
07.06.12 16:32
theo h.
Hans Monitor:
Musste denn der Satz mit Kocks sein? Wie man in den Wald ruft...
07.06.12 16:02
Hans Monitor
@elmar michel
Muß es immer gleich die größte Keule sein? Gruselige Verschwörungstheorien... In jedem Fall ist der Link im einzelnen Satz unter der Werbung etwas ungünstig platziert. Als ich die Homepage und auch die Vereinsseite auf den NR Seiten um 13:45 Uhr abrief, sah ich keinen Hinweis auf die Tatsachenbehauptungen. Nicht gerade besonders transparent. Danke für den Hinweis.
07.06.12 14:31
Elmar Michel
@ Hans Monitor.
Lesen bildet. Da steht ein Link im letzten Satz des Meedia-Berichtes. Die Seite ist schon länger online. Nur weil Sie was nicht sehen, muss es das nicht geben.
Sie müssen einfach auf der Transparenz-Seite schauen.
Ich finde es gruselig, wie Leute wie Sie aus Ihrer Blindheit Verschwörungstheorien schustern.