Der Medienunternehmer David Groenewold streitet sich mit der Bild-Zeitung vor dem Landgericht Berlin. Die Zeitung hatte am 18. Februar geschlagzeilt: "So deckte Bild die Wulff-Affäre auf." Groenewold hatte eine Gegendarstellung und eine Einstweilige Verfügung erwirkt, gegen die der Bild-Verlag Axel Springer Berufung eingelegt hat. Der Filmproduzent sagt, es habe gar nichts zu enthüllen gegeben, denn er habe dem NDR Details zur Affäre freiwillig von sich aus bestätigt.
Unter der Überschrift "Wer hat´s enthüllt?" berichtete am Mittwoch der NDR über die Auseinandersetzung vor Gericht. In der Bild-Berichterstattung hieß es über den 8. Februar: "Bild enthüllt: Der Filmproduzent David Groenewold hat 2007 für Wulff einen Luxusurlaub im Hotel Stadt Hamburg auf Sylt gebucht und bezahlt." Schon zwei Wochen zuvor hatte Groenewold diesen Hergang gegenüber dem NDR bestätigt – per E-Mail vom 24. Januar. Der Sender hatte noch am selben Tag berichtet. Das Landgericht folgte in seinen Urteilen der Darstellung Groenewolds – die Bild habe ihren Lesern suggeriert, es gebe "eine weitere, bis dahin unbekannt gebliebene oder geheim gehaltene finanzielle Unterstützung des ehemaligen Bundespräsidenten".
Aus dem Urteil geht hervor, dass die juristischen Vertreter von Bild dem NDR gar nicht streitig machen wollten, dass diese zuerst von dem Sylt-Urlaub berichtet hatten. Die Zeitung nimmt aber Exklusivität für die Berichterstattung in Anspruch, Groenewold habe das Hotel, in dem der ehemalige Bundespräsident genächtigt hatte, zum Stillschweigen aufgefordert. Erst diese Erkenntnisse hätten dann zur Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen Wulff geführt – und damit letztlich auch zu dessen Rücktritt.
Knapp vor Verleihung der Nannen-Preise – Bild ist in der Kategorie "Investigation" nominiert – schaltet sich der NDR damit in die Debatte ein, ob die Bild-Berichterstattung preiswürdig war. Was beweist: Der Sturz eines Bundespräsidenten hat viele Väter. Eine singuläre investigative Recherche, die zu dem Rücktritt Wulffs geführt hat, gab es ohnehin nicht. Auch der Spiegel und der Stern hatten bereits im vergangenen Jahr heftig recherchiert – die größte Durchschlagskraft hatte allerdings die Bild mit ihren Artikeln.
Dass der NDR nun noch einmal darauf verweist, dass er die Sylt-Story als erstes Medium wasserdicht hatte, ist nachvollziehbar. In dem Artikel "Wer hat´s enthüllt?" ist nur die Ausgangslage etwas schief dargestellt. Denn hier wird der Eindruck erweckt, der Filmproduzent führe die Prozesse gegen Bild vor allem, um Bild einen Scoop abzusprechen –quasi im Namen des NDR. Doch diese Sichtweise ist vermutlich nicht die einzig mögliche. Groenewold dürfte es vor allem auch darum gehen, die Glaubwürdigkeit der Bild-Berichterstattung als Ganzes infrage zu stellen.
Letzte Kommentare
10.05.12 18:19
General-Investigation NoName
@ P. Rezzo
Sie halten das ganze für ein Hetzkampagne gegen Wulff? Das meinen Sie hoffentlich nicht ernst; oder halten Sie Frau Timoschenko auch für eine ehrenhafte Frau die zu Unrecht eingesperrt wurde?
10.05.12 12:47
P. Rezzo
Nächste Frage: Wer stürzte Wulff und wie viele?" -Dritte Frage: "War es eine Medien-Hatz?". Wir werden sehen was bei diesem Rechtsstreit als "Nebeneffekt" noch alles geklärt wird. Weiter so, Groenewold! Wer lügt, hat keine Preise verdient. Wer andere mit Nichtigkeiten zu Tode (oder aus dem Amt) hetzt, erst recht nicht. Gibt es nicht auch ein Kontroll-Organ der Presse, damit wir wirklich Presse-Freiheit (oder besser Schutz vor Hetzkampagnen) bekommen? Aber von denen ist nichts Relevantes zu hören. Eher in Verteidigungsrede, das sei so nicht gewesen... Vermutlich auch eher Kumpel-Kontroll-Organ? Spannende Sache jedenfalls!