Am Donnerstag hat die IVW die detaillierten Auflagenzahlen des vierten Quartals veröffentlicht - und ermöglicht damit den Blick auf die wichtigen Kategorien Abos und Einzelverkauf. Das Ergebnis für die überregionalen Tageszeitungen: Minuszeichen überall. Am härtesten traf es die Frankfurter Rundschau, die gegenüber dem Vorjahr 9,3% ihrer Abonnenten verlor, aber auch Handelsblatt und FTD verzeichnen bittere Abo-Verluste. Positiv sieht es nur bei zwei Sonntagszeitungen aus: der WamS und der F.A.S.
Der Blick auf die beiden wichtigsten Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf zeigt bei den neun überregionalen Zeitungen: Nur in zwei der 18 Fälle wurde im vierten Quartal 2010 ein Plus verzeichnet - und diese beiden Fälle sind eigentlich nicht der Rede wert. So hat die Bild bei den Abonnenten 10,9% zugelegt, allerdings spielen die Abos mit einem Anteil von 1,3% an den Gesamtverkäufen keine Rolle und der viel wichtigere Einzelverkauf ging um 4,6% nach unten. Die Frankfurter Rundschau gewann zwar ca. 900 Einzelverkäufe hinzu, verlor aber gleichzeitig über 7.600 Abonnenten oder 9,3%. Alle anderen Zeitungen befinden sich sowohl bei den Abos, als auch im Einzelverkauf im Minus.
Neben den bitteren FR-Verlusten im Abonnentenstamm sieht es in dieser für die meisten überregionalen Qualitätszeitungen wichtigsten Auflagenkategorie auch beim Handelsblatt und der Financial Times Deutschland nicht schön aus. So gingen dem Handelsblatt 4,5% der Abonnenten, die es im vierten Quartal 2009 noch hatte, abhanden, der FTD sogar 5,5%. Im Einzelverkauf verlor das Handelsblatt sogar 23,5%, allerdings entspricht diese spektakulär aussehende Zahl nur 1.768 Käufern. Die FTD blieb nur durch Auflagenkosmetik über der für sie offenbar wichtigen 100.000er-Marke: Die sonstigen Verkäufe und Bordexemplare wurden gesteigert. Zählt man nur die Abos und den Einzelverkauf zusammen, befindet sich die FTD bei gerade mal 52.912 Verkäufen pro Tag.
Ein deutliches Minus im Einzelverkauf verzeichnet auch das Duo Welt und Welt kompakt, das sich nur gemeinsam ausweisen lässt. 10,3% gingen hier verloren - vermutlich durch weniger Welt-kompakt-Käufer, denn die Welt spielt am Kiosk keine allzu große Rolle. Auch die Süddeutsche und die F.A.Z. verloren: Die Süddeutsche 1,1% bei den Abos und 3,8% im Einzelverkauf, der Frankfurter Konkurrent 1,4% bei den Abos und 4,8% im Einzelverkauf.
Eine kleine Überraschung gibt es bei den Wochen- und Sonntagszeitungen. Denn Die Zeit, die sich in der vergangenen Woche bei der Veröffentlichung der Gesamtverkäufe noch gefeiert hatte, liegt bei den härteren Bestandteilen der Auflage auch im Minus. Zwar wuchs der Einzelverkauf um 1,1%, doch die Abos gingen um 1,0% zurück. Unter dem Strich bleibt wegen den wichtigeren Abos ein Minus. Nur durch eine Steigerung der sonstigen Verkäufe um 17,3% gelang es der Zeit, den Gesamtverkauf im Vergleich zu 2009 zu verbessern.
Echt sind hingegen die Zuwächse von Welt am Sonntag und Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung. Die WamS legte im für sie wichtigen Einzelverkauf um 4,0% zu, die F.A.S. bei den für sie wichtigeren Abos um 2,9%. Echt sind auch die Minuszahlen der Bild am Sonntag, die wie der große Bruder Bild zu den großen Verlierern des Quartals gehört.

Letzte Kommentare
24.01.11 02:36
Stefan Daenekas
Es verlagert sich sicherlich die ein oder andere Aktivität ins Netz.
Allerdings wird man nur in seltenen Fällen z.B. Lebensmittel auf einer Homepage bestellen.
Es zählt in sehr vielen Dingen immer noch der persönliche Kontakt.
Und auch wenn man im Schichtsystem arbeitet, auch dann hat man immer noch die Möglichkeit einzukaufen.
Hat sich denn nie ein Mensch gefragt, warum die ganzen Menschen, die immer angaben sie hätten keine Zeit zum Einkauf, nicht komplett nackt waren?
Zeitungen und Zeitschriften werden nur weiter einen Auflageneinbruch verkraften müssen, weil die Bevölkerung in Deutschland schrumpft und sich die Menschen die schon mit dem Internet aufwuchsen immer weniger Zeitungen und besonders Zeitschriften kaufen werden, die sich nur einem Thema widmen.
Warum soll ich mir denn ein oder mehrere Hefte bestellen, in denen dann Rezeptvorschläge zu finden sind, wo ich das in wenigen Sekunden googeln kann?
20.01.11 18:40
John Krüger
13:45 Uhr wurde hier heute WEB 3.0 propagiert - ohne zu wissen dass ich schon WEB 4.0 in der Schublade habe.
Denn das ist nicht nur die Addition von WEB 2.0 und WEB 1.0 - es ist die Multiplikation von WEB 2.0!
20.01.11 14:07
Julius von Tenhagen
@Herrn Niggemeyer: Ach so, Sie sind das, der Erfinder des Web 3.0! Dann muss ich mir jetzt Gedanken machen, wie ich mein Leben morgen gestalte. Vielen Dank für den Hinweis und erzählen Sie es nicht zu vielen Leuten. Ich will mich vernünftig drauf vorbereiten. Wie empfange ich das Web 3.0 denn am besten? Muss ich mit denen kommunizieren oder sind die auf Menschen eingestellt?
20.01.11 13:45
Arndt-Timo Niggemeyer Web-Site
IVW: Alle überregionalen Zeitungen verlieren
BVDW: Web-Wirtschaft 2011 auf Wachstumskurs
Der stationäre Handel hat immer mehr zu kämpfen (Stichwort: Quelle, Karstadt ...)
der E-Commerce wächst selbst in Krisenjahren im zweistelligen Prozentbereich.
Die Reichweiten- und auch Umsatzverschiebungen, die seit Jahren von Offline zu Online stattfinden sind nicht mehr aufzuhalten.
Das WEB 2.0 ist nicht nur wegen seiner enorm wachsenden Reichweite interessant, sondern wird immer wichtiger für die Meinungsbildung über Produkte und Marken …
Wenn Sie jetzt alles zusammen fügen, haben Sie WEB 3.0!
WEB 3.0 wird das komplette Wirtschaftsleben und damit auch Ihr Leben in den nächsten Jahren verändern …