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N24-Gesellschafter Stefan Aust bei Netzwerk Recherche

"Ist jeder von Rache beseelt, der arbeitet?"

Er wurde als Überraschungsgast angekündigt, der über seine Projekte Auskunft geben würde. Und doch hielt N24-Gesellschafter Stefan Aust sich mit Neuigkeiten zurück. Während die Mitarbeiter seines jüngst erworbenen Nachrichtensenders eine Betriebsversammlung womöglich gerade beendeten, sprach der 64-Jährige mit Hamburger Abendblatt-Redakteur Kai Hinrich Renner auf der Netzwerk Recherche-Konferenz über die Sparpläne des Senders und machte deutlich: Für N24 hätte er seinen Spiegel-Posten aufgegeben.

Auf die Frage, warum er nicht bei der Betriebsversammlung in Berlin dabei sei, sagte Aust, dass diese ja eigentlich eine Angelegenheit der Mitarbeiter und des Betriebsrats wäre, bei der seine Anwesenheit nicht so wichtig sei.  Starke Worte angesichts des Eigentümer-Plans, bis September 2010 rund 70 Stellen einsparen wollen. Dennoch ließ Aust verlauten, dass dies kein Schritt sei, den er gerne täte, dieser jedoch unvermeidbar sei. "Niemand baut gerne Personal ab", so der Journalist.

Wenn einer der betroffenen Mitarbeiter eine andere Idee angesichts der roten Zahlen habe, solle er sich bei ihm melden. Dennoch gab sich der ehemalige Chefredakteur des Spiegels zuversichtlich, dass man die Nachrichtenredaktion auch mit einem weniger großen Mitarbeiterstamm "hinkriegen" werde.

Zu seinen Plänen mit dem Nachrichtensender blieb Aust verhalten. Angesichts der Tatsache, dass ProSiebenSat.1 zunächst 41 Millionen Euro für die Umstrukturierung von N24 bereitstellen, ließ sich Aust nicht zu der Aussage von Renner hinreißen, dass der Kauf des Senders ein "gutes Geschäft" gewesen sei. "Wir haben eine tolle Chance, das Ding in die schwarzen Zahlen zu kriegen, aber reich wird man damit nicht", so Austs Antwort. Hätte er zu Spiegel-Zeiten das Angebot gehabt, bei N24 als Gesellschafter einzusteigen, hätte er seinen Chefredakteursposten an der Brandstwiete gekündigt.

Eine Kooperation mit seiner Produktionsfirma Agenda Media sei denkbar, wie konkret die Kombination aber voranschreite, ließ er offen: "Es gibt keinen drängenden Handlungsbedarf." Dass aber private und öffentlich-rechtliche Sender gut auch zusammenarbeiten könnten, hätte man ja bereits bei den Castings zum Eurovision Song Contest gesehen. "Die Zeit, in der es private und öffentlich-rechtliche Sender gab, sind vorbei", kommentierte er die mögliche Kooperation.

Bezüglich der Programmpläne für N24 hielt sich Aust ebenfalls zurück. Es solle formatierte Nachrichten geben, was soviel bedeute, dass die News zu einer bestimmten Zeit ausgestrahlt würden. Auch auf Dokumentationen werde man weiter setzen. Welche Inhalte diese aber haben werden, kommentierte er mit dem Hinweis, dass diese einen ähnlichen Charakter haben würden, wie bei Spiegel TV. Auch würde man damit planen, weiteren Sendern Produktionen anzubieten. "Nur einkaufen ist ja langweilig", so Aust. Sollte dies erfolgreich gelingen, könne man auch über Neueinstellungen nachdenken.

Dass er sein Heftprojekt Woche auch ins TV heben wolle, habe schon vor dem N24-Erwerb festgestanden. Das Konzept sehe eine Verknüpfung von Print, Online und TV vor. Wann er damit an den Start gehen wird, ließ Aust ebenfalls offen. Auch bezüglich der Investorensuche, würde man sich derzeit „in Gesprächen“ befinden. Dabei sei es auch denkbar, dass keine Medienunternehmen unter den Geldgebern sein könnten, sondern branchenfremde. Natürlich ließ er sich auch hier keine weitere Konkretisierung entlocken.

Auf die Frage, ob er mit seinem Printprojekt Rache am Spiegel übe, antwortete Aust: "Ich habe keinen Grund mich am Spiegel oder sonstwem zu rächen." Er habe dort Geld verdient und sei auch nach seinem Abtritt "gut ausgestattet" worden. Ihn treibe lediglich der Spaß an der Sache an. "Oder ist etwa jeder von Rache beseelt, der arbeitet?", so seine Gegenantwort auf die anonymen Zitate aus dem Spiegel Verlag, die derzeit den Weg in die Berichterstattung finden. "Ich war 15 Jahre beim NDR und habe mich auch nicht gerächt." Und weiter: "Mir macht das mörderischen Spaß. Es hat mir sogar phasenweise Spaß gemacht, Chefredakteur  beim Spiegel zu sein."

clueb

09.07.2010
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