Ein weiteres Medienexperiment geht nach MEEDIA-Informationen mindestens vorläufig zu Ende: Am Dienstag hat der Berliner Dienstleister InterTi GmbH seine Kunden darüber informiert, dass mit seiner individualisierbaren Zeitung Niiu "mit dem heutigen Tag" erst einmal Schluss ist. Gut ein Jahr hat Niiu damit durchgehalten - den vielen Skeptikern zum Trotz. Jetzt will InterTi sein Geschäftsmodell überarbeiten, nach einem Geldgeber suchen und verspricht: "Wir kommen wieder."
Es war auch ein Versuch, um die kriselnde Tageszeitung zu retten: Leser, die sich nicht für einen einzigen Titel begeistern oder aber bei ihrer täglichen Lektüre mehr als eine Quelle heranziehen wollten, konnten sich seit Herbst 2009 in Berlin eine personalisierte Tageszeitung zusammenstellen: Politisches vom Tagesspiegel, die Wirtschaft vom Handelsblatt, die Meinungsseite von der New York Times, Kultur von der taz, das Regionale gleich aus mehreren Zeitungen und den Sport von der Bild, dazu Auszüge aus den Lieblingsblogs und Fachseiten im Netz - ein individuelles Paket, das möglich war und tatsächlich morgens in guter Druckqualität beim Leser ankam. Allein: Es ließ sich offenkundig nicht finanzieren.
"Wir haben seit dem 16. November 2009 die weltweit erste individualisierbare Tageszeitung angeboten. Mit dem heutigen Tag müssen wir verkünden, dass wir die Produktion vorerst einstellen", schrieben die Macher nun an ihre Abonnenten. Offen räumten sie ein: "Wir haben mit unserem Team über ein Jahr lang alles gegeben. Am Ende ist es uns bis heute aber nicht gelungen, in die Nähe der avisierten 5.000 zahlenden Leser zu kommen, die nötig sind um mit Niiu kostendeckend zu operieren. Aus diesem Grund müssen wir Niiu stoppen."
Wie es in dem Mailing an die Niiu-Kunden weiter heißt, wollen die Macher nun am Geschäftsmodell "feilen" und "versuchen, Niiu noch attraktiver zu machen". Dafür soll jetzt "ein finanzkräftiger Partner" gesucht werden. Das Versprechen: "Wir kommen wieder."
Die Niiu-Macher teilten MEEDIA auf Anfrage nun mit, künftig vor allem auf das B2B-Geschäft setzen zu wollen: Individuelle Zeitungen für Hotels und die Gastronomie. Außerdem arbeite Niiu an Modellen, um individuelle Tageszeitung auf elektronische Endgeräte wie das iPad zu bringen. Gedrucktes für den Endverbraucher sei jedoch zunächst nicht mehr leistbar - des teuren Vertriebs wegen.
Letzte Kommentare
20.01.11 21:34
Michael Dreusicke Web-Site
Hut ab vor den beiden Jungs, die es versucht haben. Auch wenn ich weder von dem Konzept und noch von dessen Umsetzung überzeugt bin, gehört jede Menge Mut und Energie dazu es zu probieren. Ob der Plan aufgeht, weiß man immer erst hinterher.
Ich habe mal ein Tonstudio an die Wand gefahren und weiß heute, dass das eine der wertvollsten Erfahrungen für mich und die Voraussetzung für den nächsten Schritt war. Dass die beiden weitermachen und daraus lernen, finde ich großartig.
20.01.11 02:43
Sherlock Watson
Schadenfreude ist die "dümmste" Freude. Praktisch fände ich es sehr gut wenn ich eine Zeitung vor mir hätte, wo nur Fakten drin stehen und keine verschönerungen oder jener andere degenerierter Mist wie so oft in der BILD die immer umschreibt und oft auch was eigenes rein"lügt". Fakten sind jedenfalls nicht: Wenn da der Berufsstand des jemanden zu sehen ist, wenn es nicht nötig ist, Namen zu nennen ist auch nicht immer nötig, sowie die unnötigen Umschreibungen und das aufgesetzte, die Meinung der Presse interessiert niemanden, (jedenfalls keinen der Fakten mag), Bilder brauch ich auch nicht.
Praktisch das was BILD niemals machen würde und auch viele andere Zeitungen weil sie damit leider weniger damit ansprechen würden. Aber direkt so eine Zeitung zu kaufen die man sich zusammen gestellt hat, wäre mir auch nix, dann schaue ich lieber mehrere Nachrichten, das Internet gibt die Nachrrichten ja kostenlos her, abgesehen von den Internetkosten.
18.01.11 21:52
Ulrich Schulze
Stefan Schulz hat Recht. Als Kind und in der Schule habe ich schon gelernt, dass Schadenfreude die widerlichste sei - das scheint die heutige Generation nicht mehr mitzukriegen . . .
18.01.11 21:34
Stefan Schulz
Es ist schon erstaunlich, wieviel Ahnungslosigkeit und Häme sich binnen kurzer Zeit über ein neues Projekt ergießen können. Und es scheint immer von Leuten zu kommen, die vom Business herzlich wenig Ahnung haben. Gott sei Dank wird es auch Unternehmer geben, die einfach mal was versuchen, ohne an den pubertären Schrott hinterher zu denken...
18.01.11 20:25
Hein Blöd
Hurra Wette gewonnen. War aber auch einfach. Das Kind war von Anfang an eine Totgeburt. Am lustigsten finde ich aber wie sich die Experten von OCE und RT Reprotechnik mit reingehangen haben. Schön weitermachen. Deutschland brauch so clevere Geschäftsideen!