Weltweit sondieren Medien neue Möglichkeiten, von Nutzern mehr Geld für Qualitäts-Inhalte zu verlangen. Die Renaissance von Paid Content ist in aller Munde. Selbst sind manche Medienhäuser aber kaum bereit, angemessene Honorare zu zahlen. Print-Honorare, insbesondere von Tageszeitungen, sind seit Jahren extrem niedrig, Foto-Honorare werden beständig gekürzt. Gewerkschaften verhandeln seit sieben Jahren mit Verlegern über Vergütungsregeln. Ob dies einen Effekt auf die realen Honorare haben wird, ist fraglich.
Generell gilt, was immer galt im freien Journalismus: Große Häuser zahlen besser als kleine, Zeitschriften zahlen besser als Zeitungen und für Überregionales gibt es mehr Geld als für Regionales oder gar Lokales. Local-Heroes am bitteren Ende des Honorar-Spektrums müssen bei Zeitungen wie dem „Schwarzwälder Boten“ oder dem „Haßfurter Tagblatt“ mit Honoraren von 10 Cent pro Zeile für Lokal-Artikel leben. Bei Foto-Honoraren, wo die Lage laut Gewerkschaftskreisen noch angespannter sein soll als bei Text-Honoraren, wurde der Tiefpunkt jüngst bei 7,60 Euro für ein Foto in einer Lokalausgabe einer Tageszeitung erreicht. Viele Freie Mitarbeiter von Lokalzeitungen sind zwar keine Profi-Journalisten. Traditionell lassen viele Lokalblätter ihre Seiten von pensionierten Lehrern oder Vereins-Mitgliedern füllen, die für selbst geringste Zeilensätze einiges „vollschreiben“. Es gibt aber auch einige hauptberufliche Journalisten, die solche Hungerlöhne erhalten. Oftmals parallel zu Arbeitslosengeld II.
Während man in solchen Extrem-Fällen noch am ehesten empfehlen kann, dann doch lieber den Beruf zu wechseln, wird es schwieriger, wenn man sich die überregionale Qualitätspresse und ihre Honorarsätze anschaut. Große Blätter wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“ oder die „Welt“ zahlen zwar sehr viel besser als die kleinen lokalen, aber leben kann man auch von ihren Honoraren kaum. Die Spitze der Zeitungs-Zeilensätze liegt bei etwas über zwei Euro, wie sie von „SZ“ und „FAZ“ in einigen Ressorts gezahlt werden. Ein 100-Zeilen-Artikel bringt dann etwas über 200 Euro, in der Regel inklusive aller Spesen. Gleichzeitig pochen die renommierten Auftraggeber auf Exklusivität und die kostenlose Weiterverwertung des Textes in hauseigenen Online-Angeboten ist sowieso faktisch inklusive. Kein gutes Geschäft für die freien Lohnschreiber.
Regionale Tageszeitungen mit überregionaler Strahlkraft, wie etwa der Berliner „Tagesspiegel“, zahlen zwischen 77 Cent und 1 Euro pro Zeile. Im Prinzip können Freie qualitativ hochwertige Artikel für solche Blätter nur aus Image-Gründen schreiben oder als „Abfallprodukt“ einer Recherche für einen anderen Auftraggeber. Der Lebensunterhalt wird dann häufig mit PR-Aufträgen oder Artikeln für Kunden-Magazine bestritten.
Die Journalisten-Gewerkschaften und Verbände Verdi, DJU und DJV verhandeln seit mittlerweile sieben Jahren mit den beiden Verleger-Verbänden BDZV (Zeitungen) und VDZ (Zeitschriften) über allgemein gültige Vergütungsrichtlinien für Freie. Inzwischen sei man schon so weit, dass tatsächlich konkret über Zahlen gesprochen werde, sagt ein mit den Verhandlungen Befasster von Gewerkschaftsseite, der sich öffentlich nicht äußern will. Wann und ob die Verhandlungen tatsächlich zu einem Ende finden – sehr unklar. Die Verlegerseite dürfte gerade in der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage eher daran interessiert sein, eine Honorarregelung hinauszuzögern. Aber selbst wenn: Verbindliche Honorarregeln sind allein schon aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich und der Markt für Freie Journalisten ist eher über- als unterbesetzt, so dass sich im Regelfall immer jemand findet, der auch für wenig Geld zur Feder greift.
Die Verschwiegenheit beim Thema Honorare ist auf beiden Seiten sehr groß. Eine MEEDIA-Anfrage an zehn exemplarisch ausgewählte Zeitungsverlage zur Höhe der Honorare wurde entweder gar nicht oder abschlägig beantwortet. Mal hieß es, die Honorare seien Bestandteil „sehr individueller Absprachen“ und würden deshalb nicht kommentiert, eine große überregionale Zeitung wollte „aus Respekt vor den betroffenen Kollegen und deren informationellem Selbstbestimmungsrecht“ lieber keine Auskunft geben. Auch ein interessanter Standpunkt.
Auf Gewerkschaftsseite hofft man, dass sich mit einer neuen Vergütungsregelung die Honorare für Freie im Durchschnitt mindestens verdoppeln würden. In dem Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Freie bei Tageszeitungen liegt das Zeilenhonorar selbst bei Zeitungen bis zu einer Auflage von 10.000 Exemplaren bei 55 Cent für Nachrichten und 69 Cent für Reportagen. Für die meisten Bezieher real existierender Zeilenhonorare sind diese Tariflöhne pure Fantasy-Literatur.
Letzte Kommentare
21.09.10 12:15
uni.de Redaktion Web-Site
Dank Google gewinnt Content wieder an Wert: Duplicate Content veranlasst die Suchmaschinen Seiten mit kopierten oder leicht geänderten Inhalten auf den Index zu setzen! Texten ist viel Arbeit, verlangt auch viel Kreativität und sollte daher auch angemessen bezahlt werden. Wenn ich Honorare von 0,7 Cent pro Wort lese, bekomme ich echt das Kotzen. ich verlange beispielsweise nur noch Tagessätze wie auch bei anderen Redakteuren für TV etc. Sollten alle machen...
21.09.10 12:13
uni.de Redaktion Web-Site
Dank Google gewinnt Content wieder an Wert: Duplicate Content veranlasst die Suchmaschinen Seiten mit kopierten oder leicht geänderten Inhalten auf den Index zu setzen! Texten ist viel Arbeit, verlangt auch viel Kreativität und sollte daher auch angemessen bezahlt werden. Wenn ich Honorare von 0,7 Cent pro Wort lese, bekomme ich echt das Kotzen. ich verlange beispielsweise nur noch Tagessätze wie auch bei anderen Redakteuren für TV etc. Sollten alle machen...
22.04.09 15:38
Wolfgang Michal Web-Site
Jedes Mal, wenn ein Blog über die z.T. beschämenden Honorare freier Journalisten berichtet (und diese zu Recht kritisiert), kommt bestimmt irgend ein Vollpfosten, und redet von notwendiger Marktbereinigung und kapitalistischen Grundgesetzen. In GG steht nichts davon.
22.04.09 09:23
Ein Idealist
"Allerdings müssen die Freien auch auf deren Einhaltung pochen."
Das aus der Tastatur des DJV-Pressesprechers, dem die weitgehend ungeschützte Arbeitssituation der Freien ein wohlbekanntes Thema sein dürfte. Ein Kommentar erübrigt sich wohl ...
22.04.09 08:43
Frank Richter
Die Ursache des Problems liegt doch vollkommen klar auf der Hand, auch wenn sie im Artikel nur sehr abgeschwächt erwähnt wird:
"der Markt für Freie Journalisten ist eher über- als unterbesetzt"
Der Markt für Freie Journalisten - für Journalisten insgesamt - ist nicht "eher", sondern schlicht und ergreifend massiv überbesetzt. Es gibt einfach nicht genug Arbeit für all jene, die meinen, journalistisch tätig sein zu müssen.
Nach dem kapitalistischen Grundgesetz von Angebot und Nachfrage sinken in einem solchen Fall die Preise. Das ist eben so. Ärgerlich für den Einzelnen - völlig logisch, normal und unausweichlich im Ganzen.
Es ist ein böses Wort, aber dem Modeberuf Journalist steht das bevor, was andere Wirtschaftszweige immer wieder durchlaufen: Marktbereinigung.