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MEEDIA-Besuch beim Macher des Skandal-Magazins

„Girls & Corpses“: Bikini-Babes & Zombies

Am Donnerstag erscheint die deutsche Ausgabe des US-Comedy-Magazins „Girls & Corpses“. Markenzeichen: Mädels posieren mit grell geschminkten Leichen. Auf der Titelseite räkelt sich eine Bikini-Braut mit einem Zombie-Kapitän und modrigen Skeletten. Das Cover verspricht „Titten, Tote, Gräber, Sex und Särge“. Interviews gibt es u.a. mit „Dr. Tod“ Gunther von Hagens und Metzel-Filmer Jörg Buttgereit („Nekromantik 2“). MEEDIA besuchte die schrägen Magazin-Macher von Raptor Publishing.

Frankfurt-Bockenheim, Messe-Viertel, gesichtslose Business-Bauten, ein schmuckloser Konferenzraum mit riesigem „Alien vs Predator“-Aufsteller in der Ecke. Der Redaktionshund bei Raptor Publishing ist ein schwarzer Mops von freundlicher Natur. Claude M. Moyse, Herausgeber, Geschäftsführer und Hauptgesellschafter von Raptor Publishing sagt: „Ich rauche. Soll ich das Fenster aufmachen?“ So schnörkellos gibt sich der Mann, der die Presse-Nation kurz vor Ostern mit der deutschen Ausgabe des bizarren US-amerikanischen Comedy-Heftes „Girls & Corpses“ versorgt und der mit „Virus“ das erste und einzige Horror-Lifestyle-Magazin in Deutschland herausgibt. Bis auf die Raucherei ist Claude Moyse freundlich, zurückhaltend, optisch unauffällig. Kein Leichengeruch weht durch die Räume.

„Ich habe eigentlich nur zwei Veröffentlichungstermine für ,Girls & Corpses‘ in Deutschland gesehen“, sagt er, „Weihnachten oder Ostern.“ Jetzt ist das Leichen-Heft ein fauliges Oster-Ei für Moral-Apostel geworden. In den USA genießt „Girls & Corpses“ vor allem in Hollywood-Kreisen an der Westküste Kult-Status. Stars wie Talkmaster Jay Leno, Regisseur Guillermo del Toro („Hellboy“) oder Ozzy Osbourne sind bekennende Fans. Angeblich bedient sich Gründer Robert Steven Rhine auch aus dem Schmink- und Maskenfundus einiger Hollywood-Studios, wenn er seine kruden Fotostrecken ausstaffiert. „Girls & Corpses“ wurde 2002 in den USA zum Leben erweckt, zunächst als reines Online-Magazin. 2007 gab es dann die erste gedruckte Ausgabe.

„Das ist eigentlich eine sehr lustige Persiflage auf ein typisches Männermagazin“, erläutert Moyse das Konzept. Er habe bei Ansicht der US-Ausgabe „sehr gelacht“. Dass das Ganze aber doch weit über die Grenzen des guten Geschmack hinausgeht, weiß er auch. „Man sieht im ganzen Heft zwar keine einzige nackte Brust, aber wenn so ein Bikini-Babe mit einer Leiche kuschelt, dann denkt man sich schon: Was macht die denn da?“, sagt der Raptor-Chef. Das Magazin besteht inhaltlich aus Fotostrecken, die Bikini-Mädchen mit Leichen in verschiedenen Settings zeigen, Witz-Geschichten, Comics und Interviews. Auch ein Centerfold zum Ausklappen ist drin – natürlich inklusive Leiche. Gerade bei den Interviews oder Berichten aus der Horror-Szene geht es aber durchaus ernsthaft zu. „Schließlich wird der ,Playboy‘ ja auch wegen der Interviews gelesen“, so Moyse. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität im Heft sind auf jeden Fall fließend.

Moyse wurde auf das skurrile Heft aufmerksam, weil es in einem anderen Magazin seines Verlages angepriesen wurde – in „Virus“, dem Horror-Lifestyle-Magazin des Hauses. „Virus“ befasst sich mit Filmen, DVDs, Spielen, Künstlern, Literatur und sonstigen Spielrichtungen der Horror- und Gothic-Szene. Im Gegensatz zu „Girls & Corpses“ ist das Magazin ernst gemeint und gemacht. Die Druckauflage von „Virus“ liegt bei rund 40.000 Exemplaren, davon würden rund 20.000 bis 25.000 verkauft werden. Das Heft erscheint zweimonatlich zum szene-kompatiblen Copypreis von 6,66 Euro. Indiziert wurde von dem Horror-Heft noch keine einzige Ausgabe, trotz teils drastischer Inhalte. Die Leser, seien meist männlich, über 30 und würden sich intensiv und verantwortungsbewusst mit dem Thema Horror auseinandersetzen, sagt Moyse. So gab es beispielsweise massive Leser-Proteste als in einer „Virus“-Ausgabe ein japanischer „Künstler“ vorgestellt wurde, der Frauen und lebendige Fische in obszöner Weise kombinierte. Die Horror-Freunde regten sich auf wegen der „geschmacklosen Effekthascherei“.

Gestartet hat Moyse seinen Verlag im Jahre 2004 mit „Koneko“ (Deutsch: Kätzchen), einem Manga-Magazin, das sich in erster Linie an Mädchen richtet. Moyse kam damals vom japanischen Videospiele-Produzenten Nintendo, bei dem er als Marketing-Manager gearbeitet hat. Die Expertise in Sachen Entertainment und japanischer Popkultur nutzte er zur Verlagsgründung. Mittlerweile gibt Raptor eine ganze Reihe von Heften heraus. Neben dem Horror-Magazin „Virus“ ist das unter anderem das Videospiel-Magazin „Level 1“ und die auf japanische Musik spezialisierten Hefte „J Beat“ und „peach“.

Noch nie sei die Resonanz von außen aber so groß gewesen, wie nach der Ankündigung der deutschen Ausgabe von „Girls & Corpses“, erzählt Moyse. Er will 20.000 Exemplare von dem Heft drucken. Die Hälfte davon geht zum heftigen Preis von 9,90 Euro ins Pressegrosso. Die anderen Hefte möchte er direkt in seinem neuen Onlineshop (www.raptor.de) und bei Veranstaltungen wie Horror-Filmfestivals verkaufen. Das deutsche Heft ist als zunächst einmalige Ausgabe geplant. „Ich bin mir nicht sicher, ob es hierzulande genügend Fans für ein derart spezielles Magazin gibt“, sagt Moyse. In den USA verkauft „Girls & Corpses“ nach eigenen Angaben rund 30.000 Exemplare – vor allem in Kalifornien und im Großraum New York. Konservative Zeitgenossen im US-amerikanischen Bible-Belt können mit dem eigentümlichen Mix aus Fleisch- und Leichenbeschau vermutlich wenig anfangen.

Stefan Winterbauer

06.04.2009
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Interessante Links im Web

US-Website von "Girls and Corpses"
Raptor Publishing

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