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Unser Geld: zerbombt, zerschossen, zerschmolzen, zerbrochen

Der Spiegel und die vielen Euro-Tode

Wenn es nach dem Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel ginge, dann müsste der Euro schon längst weg sein. Untergegangen, verbrannt, zerbrochen, zerbombt, vernichtet. Viele Male hat der Spiegel den Euro auf seinem Titelbild schon sterben lassen und dabei fleißig Welt- und Gelduntergangsstimmung geschürt. Auch auf dem Spiegel-Titel dieser Woche zerfließt der Euro mal wieder. Wir haben die Euro-Untergangs-Titel der vergangenen drei Jahre des Spiegel mal zusammengefasst.

Los ging es mit dem Gelduntergangs-Tick des Spiegel bei Heft 11/2009. “Der Jahrhundertfehler - Wie die Pleite einer einzigen Bank die Weltkrise auslöste”. Gemeint war die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Illustriert wurde dies mit einem brennenden Streichholzbriefchen. Eine optisch zündende Idee, die wir bald wiedersehen werden.



Apropos “zünden”. Auf dem Titel von Heft 48/2009 zündete der Spiegel dann “Die Billionen Bombe”. Sinnige Unterzeile: “Warum nach der Jahrhundertkrise schon die nächste droht”. Die finstere Vorhersage stimmt auch für die Spiegel-Titelbilder. (Mit den vielen "zündenden" Cover-Ideen des Spiegel hatten wir uns übrigens an dieser Stelle schon einmal befasst.)



“Die Euro-Lüge” titelt der Spiegel auf Heft Numero 10/2010 und zitiert vorne drauf den Vertrag von Lissabon, laut dem ein Mitgliedsstaat nicht für die Verbindlichkeiten eines anderen haften dürfe. Ähnlich wie auf dem Cover dieser Woche zerfließt hier der Euro.



Erinnern Sie sich noch an das brennende Streichholzbriefchen von Heft 11/2009? Wir schon! Und hier isses wieder! Diesmal, auf Heft 18/2010, mit der Akropolis (adieu!) statt Lehman-Brothers-Bankhaus. Aber es brennt. Eindeutig. “Euroland abgebrannt - Ein Kontinent auf dem Weg in die Pleite” ist der Text dazu. Laut Spiegel sei es “die letzte aller Blasen”. Seien wir uns da mal nicht so sicher…



Gleich mit dem nächsten Heft 19/2010 geht die Fahrt in der Geld-Geisterbahn wenig heiter weiter. “Die Schuldenfalle - Wieviel Griechenland können wir uns noch leisten?”, fragt der Spiegel bange. Man bekommt direkt ein bisschen Angst.


Wenig später (dazwischen waren u.a. Sarrazin, Wikileaks und die “fabelhaften Guttenbergs” an der Reihe) ruft der Spiegel auf zum “letzten Gefecht”. Der arme Euro wird auf dem Cover von Gewehrkugeln durchlöchert. Wenigstens scheint die zwischenzeitlich schon zerflossene Währung wieder etwas hart geworden zu sein. Sonst könnte man sie ja nicht durchlöchern. “Gibt es noch eine Rettung?”, fragt der Spiegel. Wenn es nach ihm ginge: sicher nein.



Denn auf Heft 25/2011 ist es endlich, bzw. mal wieder, soweit: Der Euro ist tot. Der Spiegel zeigt das Trauerbild samt Trauerflor und veröffentlicht den “Nachruf auf eine gemeinsame Währung”. Das Ableben des Euro erfolgt laut Spiegel “Plötzlich und erwartet”. Zumindest der Spiegel konnte es ja kaum erwarten.



Kurze Zeit später, Heft 32/2011, steht sogar die ganze “Welt am Abgrund”, und zwar wegen "Bankrotts". Zum brennenden Euro-Schein gesellt sich der brennende Dollar im Sturzflug. “US Verschuldung, Euro-Krise, Börsen-Chaos”. Diesmal kann es eigentlich keinen Zweifel mehr geben. Diesmal ist wirklich alles aus und vorbei!



Seltsamerweise geht es trotzdem weiter und nach einer kurzen Pause präsentiert der Spiegel nach der “Welt am Abgrund” nun eben den “Gelduntergang” (Heft 34/2011). Irgendwas muss doch jetzt mal untergehen, verdammt!



Da weder Welt noch Geld zur Überraschung aller Beteiligten inzwischen untergegangen sind, rudert der Spiegel mit Heft 39/2011 ein wenig zurück. “Die Geldbombe”-Euro tickt auf dem Titel gar bedrohlich. Dabei war das Geld doch schon “explodiert” (siehe die “Billionen Bombe", Heft 48/2009). Es ist nun aber schon wieder drei vor Zwölf. Höchste Zeit also. Das “griechische Drama legt offen, warum der Euro zur gefährlichsten Währung der Welt geworden ist.” Ist dieser Euro am Ende gar Islamist!?



Bei Heft 48/2011 stehen wir schon wieder (bzw. immer noch) “am Abgrund”. Der Euro hat bedenkliche Risse, am Horizont dräuen finstere Wolken. Es riecht nach abgebrannten Streichholzbriefchen. “Und jetzt?” fragt der Titel. Da kann es doch nur eine Antwort geben: Gelduntergang! Und zwar subito!



Es dauert ein bisschen, aber mit Heft 20/2012 hat der Spiegel sein Lieblingsthema (nach dem All-Time-Klassiker Hitler) wieder entdeckt. “Akropolis Adieu” trällert das Cover und der Euro, der Arme, er ist zerbrochen. Der Spiegel erzählt, warum Griechenland jetzt den Euro verlassen muss. Mit Betonung auf “MUSS”!



Heft 26/2012: Der Euro ist noch da und die Griechen sind auch noch in der Euro-Zone. Ja, sowas ... Der Spiegel versucht es nun mit einer leergefegten Euro-Münze. Die Titelstory “Wenn der Euro zerbricht” nennt er “Ein Szenario”. Eine Art neue Bescheidenheit im Gelduntergangs-Journalismus.



Der aktuelle Spiegel 41/2012. Der Euro zerfließt mal wieder, und der Spiegel warnt vor der bösen Inflation, die jetzt ganz bestimmt, aber ehrlich, endlich doch mal kommen muss! Und wenn der Euro in diesem Jahr immer noch nicht kaputt gehen will? Dann müssen halt noch ein paar weitere Titelstories her. Optik-Tipp: irgendwas mit Gewehrkugeln oder Bomben.

Stefan Winterbauer

11.10.2012
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 05.11.2012 Die Piratin auf dem Spiegel-Boulevard

Letzte Kommentare

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16.10.12 19:45

Kurz Besucher

Was für ein herrlicher Aufhänger für das allübliche SPIEGEL-Bashing!

Das waren jetzt 13 SPIEGEL-Titel in 3 Jahren zur Euro-Krise (das erste Titelbild bezieht sich - noch - gar nicht auf die Euro-Krise).
Und die sind, na klar: Volksverdummend, Bild-Zeitungs-like, ein Grund, das Heft abzubestellen, wenn man es nicht schon längst getan hätte.

Aber abgesehen davon: Was ist an diesen Titeln wirklich so grundsätzlich falsch?

Ist die Euro-Krise nicht wichtig genug, sich ihr so oft auf der Titelseite zu widmen? Wird ein Titel schon deshalb angreifbar, weil er einen früheren Titel fortschreibt oder variiert? (Wäre es vielleicht besser, die Titel würden sich im Laufe der Zeit auch mal widersprechen, statt immer in die gleiche Krisen-Kerbe zu hauen?)
Eine echte Wiederholung wäre vielleicht in der Tat peinlich - eine solche kann ich allerdings inhaltlich hier nicht entdecken. (Selbst wenn man die "vielen Euro-Tode" aus der Überschrift hier großzügig versteht, lassen sich darunter allenfalls fünf der 13 Titel fassen, und wenn diese zum Teil eine gewisse inhaltliche Ähnlichkeit aufweisen, kann dies, betrachtet man den konstanten der Verlauf der Krise, doch eigentlich wenig überraschen.)

Gewiss, die grafische Umsetzung mutet mitunter etwas stereotyp an (ist aber natürlich, ach, eben auch dem Thema geschuldet). Und dass man an der einen oder anderen Formulierung oder Idee im Detail herumkritteln kann - geschenkt. Aber zu kritisieren, dass ein Euro, der einige Ausgaben zuvor zerfloss, später wieder hart genug ist, um durchschossen zu werden, wirkt zumindest ein bisschen arg bemüht.
Und auch wenn sich in der Tat bei der grafischen Umsetzung einige etwas uninspiriert wirkende Wiederholungen und Ähnlichkeiten ausmachen lassen (von insgesamt 13 Titelbildern zeigen - je nach Zählung - drei oder vier Motive, die ähnlich schon mal zuvor verwendet wurden: zerfließender Euro, zerbrechender Euro, brennendes Streichholzbriefchen): Ist das wirklich so ein Aufreger? Oder hätte der SPIEGEL einfach doch ganz generell weniger Titel zu den Ursachen und Folgen der Euro-Krise machen sollen? (Vielleicht statt desssen lieber was den 100 besten Anlagemöglichkeiten trotz Euro-Krise, oder den 100 besten Ärzten, wenn es schief läuft?)

Wer sich indessen einfach so über wirkliche, schier unglaubliche Wiederholungen auf Titelseiten amüsieren will, sollte lieber mal hier reinschauen:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/always-believe-in-your-soul/

Aber, ach, da geht es ja leider nicht um den SPIEGEL.

12.10.12 12:43

S. Becker

8tung 8tung !!! Jetzt die Werbung

Der Spiegel ist nicht wert sein Geld

Gute Alternative ist die "Junge Welt"

12.10.12 10:32

Meyko Soft

@Oswald Schmidt
@Stefanie Auster
Viele Leser denken immer noch, der „Spiegel“ wäre ein sog. „Qualitätsmedium“, das Aufklärung betreibt. Tatsache ist allerdings: Häufig unterscheidet sich der „Spiegel“ inzwischen von der „Bild“ in Sachen Volksverdummung und Meinungsmanipulation nur durch die hochtrabende Sprache und die Anzahl der Seiten.

Mein Eindruck bisher war, spiegel.de und bild.de, näherten sich nur in ihrem "Journalismus" so nach und nach immer mehr an. Grad hab ich aus purer Langeweile mal das Traffic - Aufkommen der Beiden verglichen...
http://meykosoft.jimdo.com/anderes/spiegelbild/

12.10.12 09:50

Oswald Schmidt

@Stefanie Auster

Geht es hier darum, ob man den "Spiegel" mag bzw. lecker findet oder nicht?

Viele Leser denken immer noch, der „Spiegel“ wäre ein sog. „Qualitätsmedium“, das Aufklärung betreibt. Tatsache ist allerdings: Häufig unterscheidet sich der „Spiegel“ inzwischen von der „Bild“ in Sachen Volksverdummung und Meinungsmanipulation nur durch die hochtrabende Sprache und die Anzahl der Seiten.

12.10.12 09:42

Farben Seher

Tja, da ist der Spiegel wie unsere Regierungspolitikerriege: Er versucht verzweifelt, die Realität an die "alternativlosen Wahrheiten" neoliberaler Totspar- und Sozialzerstörungspolitik anzupassen. Die macht bisher leider nicht mit. Allein der kürzlich erfolgte, verzweifelte Versuch eine bedrohliche Inflation herbeizuschreiben (Damit drohen Merkel, Schäuble und deren Hofberichterstatter ja ständig) nimmt sich angesichts einer erwarteten Rate von 1,6% einfach nur wie clowneske Realitätsverweigerung aus. Die BILD für pseudo-Intellektuelle.

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