Auf Facebook hat Wolfgang Blau, derzeit noch Chefredakteur bei Zeit Online, sich kritisch zu den Kommentierungen des Insolvenzantrags der Frankfurter Rundschau geäußert. Wer die Schließung einer bedeutenden Tageszeitung nur aus dem Stehsatz zu erklären versuche, vertue eine Chance. Zu selten würde das "inzwischen fragliche journalistische Konstrukt namens Tageszeitung" als möglicher Grund genannt. Stattdessen gebe es die immer gleichen Schuldigen.
Blaus Posting wurde inzwischen 40 Mal geteilt und von über 170 Personen mit einem Like markiert. MEEDIA dokumentiert den Diskussionsbeitrag mit freundlicher Genehmigung:
Wenn Zeitungen den Niedergang anderer Zeitungen erklären oder kommentieren sollen, liegt der Niedergang wahlweise an:
a. der (angeblichen) Kostenloskultur der Internetnutzer
b. der Abwanderung von Anzeigenkunden ins Netz
c. an schlechtem Verlagsmanagement
d. der angeblich mangelnden Investitionsbereitschaft von Verlagen und Verlegern, oder neuerdings
e. an Smartphones, die in die Zeitbudgets der Zeitungsleser schneiden.
Das inzwischen fragliche journalistische Konstrukt namens Tageszeitung wird selbst jedoch äußerst selten als Grund genannt. Entsprechend unreflektiert wird in Deutschland auch versucht, Tageszeitungen eins zu eins als Apps zu verkaufen; als ob Zeitungsleser sich nur vom Trägermedium Papier ablösen würden und nicht zuallererst vom journalistischen Konstrukt einer Tageszeitung.
Die Frankfurter Rundschau zu verlieren, wäre ein großer Verlust. (Als Student war sie meine erste überregionale Tageszeitung). Diese erste Schließung einer überregional bedeutsamen deutschen Tageszeitung aber nur mit Argumenten aus dem Stehsatz zu erklären, wäre nicht nur zu bequem, sondern auch eine vertane Chance.
Auch viele Tageszeitungen könnten eine Zukunft haben. Aber nur, wenn sie das Netz nicht als ihren Feind empfinden.
Letzte Kommentare
16.11.12 04:45
Gaby Rudolf
Die Tageswoche informiert rund um die Uhr auf ihrer Internetseite www.tageswoche.ch. Diese Artikel sind gratis. Immer freitags erhalten die AbonnentInnen die gedruckte Ausgabe. Heute ist es wieder so weit -und diese Zeitung wandert nur gelesen ins Altpapier.
15.11.12 09:57
robert belzner
wenn eine zeitung mit profil eingestellt wird ist das ein verlust für die öffentlichkeit. da die frankfurter rundschau im gegensatz zu früher überhaupt kein profil mehr besitzt und von der taz ersetzt wurde, hält sich der verlust in grenzen. die einzigen leidtragenden sind die angestellten des verlags!
14.11.12 22:54
Artur Pakosch
Nachtrag zu "Wenn Zeitungen den Niedergang anderer Zeitungen erklären oder kommentieren sollen, liegt der Niedergang wahlweise an:"
In der taz von heute (14.11.2012) sprach insbesondere Interviewpartner Michael Konken davon, dass die FR ihr einstiges Profil verloren hätte. Sei sie früher noch ein links-liberal orientiertes Blatt gewesen, so war letztlich nur noch "Einheitsbrei" zu lesen. Auch die Fusion mit der BZ, sei dabei ein nicht sonderlich förderlicher Schritt gewesen. Andere Artikel wiesen auf die starre Haltung des Chefredakteurs hin.