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Verdrehtes Brett von Schmidt und Steinbrück

Foto-Panne: Polit-Strategen schachmatt

Fast alle Medien haben sich in dieser Woche mit dem neuen Buch von Peer Steinbrück und Helmut Schmidt beschäftigt. Allerdings teilte sich die Berichterstattung: Während Spiegel, Zeit und Günther Jauch aus ihrem exklusiven Zugang zu den Politkern große Top-Themen machten, kicherte die Konkurrenz von Stern, Abendblatt und FAZ über den peinlichen Foto-Fehler, der die beiden Politik-Strategen auf dem Buchcover vor einem falsch aufgestellten Schachbrett zeigt. Die Zeit montierte deshalb ihren Titel um.

Dabei war die Fotoidee zum Werk des Alt- und des möglichen Neu-Kanzlers sehr eingängig. Passend zum Titel "Zug um Zug" zeigt es die beiden SPD-Politiker vor einem Schachbrett sitzend. Beabsichtigte Bildsymbolik: Hier sitzen sich zwei echte Politstrategen auf Augenhöhe gegenüber. Nur leider muss man sagen: gute Idee, schlechte Ausführung. Denn tatsächlich zeigt das Bild auch: Die Welt der beiden scheint ganz schon verschoben zu sein.


Das Buchcover von "Zug um Zug"

Denn wie das Hamburger Abendblatt als erstes feststellte, steht das Brett um 90 Grad falsch. "Früher, als die Welt noch in Ordnung war, haben sich Agenturen bei derartigen Shootings Experten zur Seite geholt. Links außen, Schachspieler nennen diese Quadrate bei Weiß a1 und bei Schwarz h8, sind die Felder schwarz und eben nicht weiß."

Das Abendblatt spricht deshalb von einer "Foto-Blamage", die Kollegen von Stern.de gar vom "Schachbrett-Gate" und die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärte die vergangen Tage flugs zur "Woche eines Schachbretts".

Den Hergang des hektischen Shootings mit der "Foto-Panne" erklärt die Fotografin Ingrid von Kruse in der Süddeutschen Zeitung. Die 75-Jährige sagt, dass sie keine "Sekunde Zeit" hatte. "Der Verlag rief eine halbe Stunde vorher bei mir an, schon stand das Taxi vor der Tür. In Schmidts Haus hatte ich nur eine Stunde Zeit und musste sehen, wie ich mit den Räumlichkeiten und Stimmungen der Herren zurechtkam. Schmidt hatte nur noch an diesem Tag Zeit und Lust für das Foto. Da musste ich mich beeilen. Ich habe aber nur den Aschenbecher angefasst. Und meine alte Hasselblad."

Der Aschenbecher war der Hamburger Fotografin, die schon berühmte Portraits von Astrid Lindgren und Willy Brandt gemacht hatte, besonders wichtig. Umso trauriger dürfte sie das aktuelle Zeit-Cover machen. Denn beim ersten Blick auf das Titel-Foto der angeblichen Großmeister fällt sofort auf, dass der Aschenbecher auf der falschen Seite steht. Beim zweiten Blick wird sogar klar: der Tisch ist ein anderer.


Das aktuelle Zeit-Cover mit neuem Tisch und Schachfiguren

Um der Peinlichkeit zu entgehen, auch das fehlerhafte Foto zu drucken, bediente sich die Hamburger Wochenzeitung eines effektiven, aber nicht gerade transparenten Kniffs: Sie tauschte den Originaltisch aus den Bild aus und montierte einen neuen in die Optik.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Medien, die keinen exklusiven Zugang zu Steinbrück und Schmidt hatten, mit "Schachbrett-Gate" ebenfalls einen wunderbaren Zugang zu dem Thema fanden. Und dass ein einfaches Foto ausreicht, um zwei erfahrene Politik-Strategen schachmatt zu setzen.

AX

28.10.2011
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    Letzte Kommentare

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    29.10.11 13:19

    gate keeper

    Das ist ja wirklich eine unglaubllich spannende Geschichte. :D Hauptsache meedia hat wieder ein neues "Gate", nach Konstantingate, nochirgendwasgate etc. jetzt eben Schachbrettgate (wenn auch nur als Stern-Zitat).

    Wie kreativ, wie kreativ.

    29.10.11 11:05

    Peter Berger Web-Site

    Machen also inzwischen auch die sogenannten Qualitätsmedien am Betrug am Leser mit? Obwohl die Macher wissen, dass das Motiv getürkt ist, erobert die gestellte Szene das Cover der "Zeit". Schon erstaunlich.

    28.10.11 18:24

    J N

    Was glaubt eigentlich die journalistische Branche wie viele Leser das merken / das interessiert? Hauptsache man kramt mal wieder irgendein total unwichtiges Detail raus und bauscht es auf.

    Manchmal habe ich das Gefühl, bei Twitterern, Bloggern und Online Redaktionen herrscht 365 Tage im Jahr Sommerloch.

    28.10.11 17:04

    Mark Harder

    Sorry, Sprach- und Schachwächter, es schreibt sich natürlich falschrummen, mit zwei m. Allerdings ist der Aschenbecher wichtig und 2/3 der Zielgruppe können eh nicht Schach spielen - also auch hier werblich alles im Lack. Bemerkenswert ist vielmehr die konzertierte Penetranz, mit der Peer Steinbrück seit Tagen als neuer Helmut Schmidt positioniert wird. Ob man das nicht etwas subtiler hätte gestalten müssen?

    28.10.11 17:02

    Mark Harder

    Sorry, Sprach- und Schachwächter, es schreibt sich natürlich falschrummen, mit zwei m. Allerdings ist der Aschenbecher wichtig und 2/3 der Zielgruppe können eh nicht Schach spielen - also auch hier werblich alles im Lack. Bemerkenswert ist vielmehr die konzertierte Penetranz, mit der Peer Steinbrück seit Tagen als neuer Helmut Schmidt positioniert wird. Ob man das nicht etwas subtiler hätte gestaltet müssen?

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