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Chefredakteur Wolfgang Büchner über das neue Planungs-Tool

Dpa will mit Agenda unverzichtbar werden

Wozu braucht es heute noch eine Nachrichtenagentur? Wolfgang Büchner sagt: "Die Schnittstelle zu dpa wird für Redaktionen wichtiger, wenn sie selbst mit weniger Ressourcen auskommen müssen." Der Chefredakteur von dpa will seinen Kunden darum Anfang kommenden Jahres nach dpa-News das neue Planungs-Tool dpa-Agenda anbieten. Die Agenda soll einen noch besseren Einblick in Themen und Termine des News-Dienstleisters geben. Und dpa möglichst unverzichtbar machen.

In Zeiten, in denen Nachrichten gemeinhin als leicht verderbliche und wenig wertvolle Ware diskreditiert werden, haben es Nachrichtenagenturen schwer. Ihr Alleinstellungsmerkmal als Nachrichtenfilter, der Relevantes von Irrelevantem trennt, ist infrage gestellt. Obwohl es ohne Nachrichtenagenturen, soviel ist mal klar, in den meisten Medien weniger Meldungen gäbe. Zumindest weniger geprüfte Meldungen. Zur Identitäts- kommt die Erlösfrage, denn die Auflagen der Zeitungskunden, die nach wie vor das Kerngeschäft traditioneller Agenturen ausmachen, sinken – und damit auch die Umsätze von dpa und Co.

Wohin geht es also? Hin zum jederzeit ansprechbaren Dienstleister. "Der Erfolg der Nachrichtenagentur der Zukunft hängt davon ab, ob sie glaubwürdig ist und ob sie ihren Kunden einen echten Mehrwert bietet", sagt Büchner. Sie müsse sowohl "gebrauchsfertige multimediale Nachrichtenpakete" wie eine "starke Recherchebasis" bieten. Für lokal und regional ausgerichtete Blätter heißt das, dass sie weiter nationale und internationale Themen für die Mantelseiten anbieten, denn ohne Mantel gehe es auch für Heimatzeitungen nicht. Hintergründe und Analysen gewännen aber gegenüber der reinen Nachricht an Bedeutung und Nachfrage. Zudem Inhalte, die mehr als nur Text bieten – also beispielsweise Infografiken, Videos, Audiofiles, etc.

 

Termin-Übersicht mit dpa-Agenda

Für Kunden, die über eine Mantelredaktion und vielleicht sogar über Auslandskorrespondenten verfügen, müsen ebenfalls Mehrwert-Angebote gemacht werden. Vor allem diese Kunden sind nach Analyse von Büchner auf Dienstleistungen erpicht, die ihnen die Planung wie auch die Recherche erleichtern. Beide Kundentypen müssen von einer Agentur mit komplementären Angeboten angesprochen werden, aber mit unterschiedlichen Akzenten. Büchner sieht es als ein "Konfektionsmodell", bei dem jeder Kunde seinen Grad an Unterstützung in Form von fertigen Nachrichten auf der einen und Recherchehilfe auf der anderen Seite bestimmen kann. "Nachrichtenagenturen und ihre Kunden müssen das Modell der Arbeitsteilung perfektionieren", sagt der dpa-Chef.

Was alle Kunden brauchen, ist Übersicht. Nach der Möglichkeit, auf das komplette digitale Archiv zugreifen zu können und dem Start des Angebots dpa-News, das einen schnellen Rückkanal zwischen Kunde und Agentur herstellt, folgt als dritter Baustein dpa-Agenda. Damit werde die Agentur noch "granularer", sagt Büchner. Was ist damit gemeint? Zum einen, dass der Themenplaner viel mehr Termine darstellt. Die klassische Tages- und Wochenvorschau gibt es zwar weiterhin, doch via Agenda können Kunden nun den ständig aktualisierten Themen- und Terminplan einsehen, Hintergründe und Zusatzinformationen zum Termin nachlesen – und gleichzeitig Fragen und Wünsche an die Redaktion der Agentur richten und sogar Termine vorschlagen. Die interne Planung werde völlig offengelegt, sagt Büchner.

 

Themen-Suche mit dpa-Agenda

Was Agenda auch bedeutet – es sind nicht einfach mehr Termine einsehbar, im Idealfall verändert ein solches Planungstool sowohl die Medien der Kunden wie die Arbeit der Agentur-Redaktion. Je mehr sich beide Seiten auf einen Austausch einlassen, desto qualitativ besser kann das journalistische Ergebnis aussehen – aber auch individueller, weil Redakteure auf Kundenseite ihre Wünsche gezielter anbringen und ihre eigene Planung besser realisieren können. Wenn denn der zeitliche Vorlauf stimmt. Zeitungsexperten vermuten, dass Redaktionen in Zukunft ohnehin viel mehr Inhalte mit Vorlauf planen müssen, wenn sie bei den veränderten Rahmenbedingungen (spricht: geschrumpften Etats) eine erfolgreiche weil inhaltlich ansprechende Zeitung produzieren wollen. Der norwegische Chefredakteur Torry Pedersen nennt das: "Plan your own blockbuster".

Wolfgang Büchners Aufgabe ist es nun, das Angebot so schmackhaft zu machen, dass es im Redaktionalltag tatsächlich angenommen wird. Erste Tests von dpa-Agenda mit Kunden laufen im November an, ab Anfang nächsten Jahres geht das Angebot dann für alle Kunden live. Ein Rückkanal an sich ist schön und gut – aber er muss intensiv genutzt werden, damit er nicht zu einem netten Feature verkommt, das gut klingt und wenig bringt. Büchner sagt, die Zahl der Anfragen und Anregungen über dpa-News steige kontinuierlich. "Noch präziser und detaillierter" müsse die Agentur künftig arbeiten – und noch konsequenter. Erst dann hat eine Nachrichtenagentur eine Existenzberechtigung – und ihren Platz in den Redaktionen erkämpft.   

cm

31.08.2012
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