Das Jahr 2010 war eindeutig nicht das der Computermagazine. Sowohl bei den IVW-Auflagen als auch bei den Brutto-Werbeumsätzen ging es für fast alle Titel nach unten. 19 der 20 Top-Magazine verloren Käufer - zum Teil bis zu 28,8%. Offenbar frisst das Internet insbesondere in diesem Segment ein großes Loch in die Auflagen- und Umsatzbilanzen. Selbst Magazine zu Apples Mac-Systemen verlieren. Am glimpflichsten unter den großen Zeitschriften kam 2010 die c't davon.
An der Spitze des Segments lagen sowohl nach Auflage als auch nach Werbeumsatz gerechnet erneut Computer Bild und c't. 598.953 mal pro Ausgabe hat die Computer Bild im Durchschnitt der vier IVW-Quartale 2010 per Abo und Einzelverkauf den Besitzer gewechselt - ein deutliches Minus von 10,2% oder 67.709 Käufern. Die c't kann hingegen mit einem Minus von 2,0% oder 6.899 Exemplaren noch recht zufrieden sein.
Noch viel deutlicher als die Computer Bild haben prozentual gesehen PC-Welt (-18,9%), PC-go (-18,3%), PC Magazin (-22,3%) und PC-Praxis (-28,8%) verloren. Im vierten Quartal 2003 verkaufte sich die PC-Praxis am Kiosk beispielsweise noch 166.280 mal, sieben Jahre später waren es mit 43.183 Exemplaren nur noch 26% dieser Zahl.
Auch bei den Spiele-Magazinen geht es weiter bergab. Immerhin gab es hier aber auch die beiden einzigen Gewinner des Jahres: play3 legte minimale 0,2% zu, 360 Live immerhin 5,5%. Die größten Titeln des Sub-Genres, Gamestar und PC Games büßten hingegen 13,6% bzw. 8,5% ihrer Käufer ein. PC-Gamer informieren sich offenbar immer öfter lieber im Internet als auf Papier.
Selbst die Magazine für Apples Mac-Computer können sich nicht gegen den negativen Auflagentrend stämmen. So verlor die mit 35.276 Abos und Einzelverkäufen größte Macwelt 0,2%, Mac Life kam auf ein Minus von 2,3% und Macup auf eins von sogar 6,5%.
In der Top Ten der Brutto-Werbeumsätze konnten immerhin zwei Magazine ihre Zahlen aus 2009 verbessern. Laut Nielsen Media Research gewann com! 13,4% hinzu, PCgo 7,3%. Die anderen acht Titel gehören allerdings auch hier zu den Verlierern. Besonders viel Geld ging dabei PC Games verloren, dessen Umsatz um 1,85 Mio. Euro bzw. 27,1% sank. Ebenfalls zweistellige Einbuße mussten PC Welt (-11,2%), Chip (-12,9%) und GameStar (-11,2%) verkraften, relativ glimpflich davon gekommen sind Computer Bild, PC Magazin und c't.

Letzte Kommentare
08.02.11 08:54
Richard Rawls
@Udo Kunze
Oh jeh, wie konnte ich nur die Zahl Hundert vergessen? Sie haben recht, ohne diese geht es natürlich nicht!
Ich frage mich da immer was es mit der Zahl auf sich hat. Ist die Zahl Hundert so etwas wie die "final frontier" bzw. die Asymptote des kreativen Prozesses?
Und was die c't betrifft finde ich, dass die Redaktion insgesammt sehr gute Arbeit leistet. Mir ist jedenfalls bisher keine andere Computerzeitschrift untergekommen, bei der ich nicht das Gefühl habe eine Boulevardzeitung gekauft zu haben und maßlos unterfordert werde.
Ob jetzt diese kleinen Fortsetzungsgeschichten oder die Comics sein müssen, naja... geschenkt.
07.02.11 21:29
Udo Kunze
@Richard Rawls@07.02.11@12:55
Stimmt, RR, ich habe sehr gelacht. Sie haben die Zahl 100 vergessen. 100 geheime/Tricks/Tools/Registry-/...
Ihr "abgesehen" teile ich nur zum Teil. Artikel der ct zu "Vorsicht, Kunde", Abmahnfirmen, Pseudo-"justiz"-ministerin, finde ich recht mutig. Aber die allgemeine kindische Gestaltung, Grafik, die bescheuerten Comics und die zielgruppen-(12-17-Jahre-Kiddies/Deppen-klar-ich-übertreibe)-gerechte Werbung öden mich so an, daß ich mir überlege, nicht mehr zu kaufen.
Ich denke, die jungen nachwachsenden Konsumenten werden so gewöhnt sein, in Bildschirme zu gucken, daß eine gedruckte Zeitung bei ihnen befremdetes Stirnrunzeln hervorrufen wird. Und der im Artikel angesprochene Trend wird sich verstärken, die Statistiken mögen stichhaltig sein oder nicht / seien es schlecht oder gut gemachtes Magazine, egal. uk, disclosure: uhu, knapp 60
07.02.11 13:36
Walter Hallstein
Festzuhalten gilt, dass es einige PC-Titel besser schaffen, die Krise zu meistern. Sie gewinnen Marktanteile hinzu. Völlig unverständlich ist es, wie ein ehemaliger Platzhirsch wie die PC-WELT so an Marktanteile verlieren kann. Völlig unverständlich ist es, wie man alles üpber Bord schmeissen kann, was einen groß gemacht hat und voll auf Tests von Hardware setzt, die bekanntlich in Print fast komplett uninteressant sind (und nur Online topp funktionieren). CHIP TEST und KAUF hat ja auch deswegen die halbe Auflage verloren und auf 2-monatliches Erscheinen umgestellt. Die PC-WELT dagegen hat die Hardware-Tests sogar noch ausgebaut....
07.02.11 12:55
Richard Rawls
Abgesehen von der c't sind die Themen der meisten Computerzeitschriften einfach uninteressant. Sie wiederholen sich und sind unsinnig reißerisch. Außerdem scheinen die meisten Zeitschriften jeden Monat auch noch das gleiche Thema zu haben.
"Gefühlt" liegen jeden Monat diese Themen in der Bahnhofsbuchhandlung aus:
-Geil: Windows entschlüsselt
-Turbo-Windows jetzt noch schneller
-Windows: ultrageheime Funktionen entdeckt!
-Die abscheulichen Tricks der Pc-Mafia
-Filme und Musik unbegrenzt downloaden
-absolut verbotene Tools (auf unserer DVD)
-Bluray knacken
06.02.11 19:10
Roman Bold
Dieses Jahr wird es beim Print noch einige Überraschungen geben. Es sieht so aus, als wäre die jahrelang prophezeite Phase der Konsolidierungen jetzt gekommen.