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Pressestimmen zum Brüderle-Porträt des sterns

„Die Geschichte ist journalistisch unseriös“

Eine Story zwischen Shit- und Candystorm: Auf der einen Seite ebbt die Kritik am stern und seiner Autorin Laura Himmelreich für das Brüderle-Portrait nicht ab. So erklärt Wibke Bruhns die Geschichte für „journalistisch unseriös“. Andererseits hat die Story längst dafür gesorgt, dass eine rege Debatte über den alltäglichen Sexismus ausgebrochen ist. Handelsblatt-Chef Gabor Steingart hält die ganze Aufregung dagegen nur für eine „Bonsai-Affäre“.

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt die Politik-Journalistin Wibke Bruhns, die selbst auch für den stern gearbeitet hat, warum sie die Aufregung um den FDP-Politiker für übertrieben hält. „Die FDP hat einen neuen Spitzenkandidaten, das ist das Thema - und nicht die Probleme von Frau Himmelreich mit Herrn Brüderle. Der „Stern“ hat hier eindeutig aus Kalkül gehandelt, um Schlagzeilen zu machen.“ Deshalb sagt sie: „Die Geschichte ist journalistisch unseriös“.

Bernard Bernarding, Saarbrücker Zeitung: „Ob in elektronischen Medien oder in Printmedien: Immer öfter werden Grundsätze über Bord geworfen, bisher gültige Kriterien aufgeweicht, fallen eherne Tabus wie Dominosteine. Eine neue Generation von Journalisten, aufgewachsen in einem freiheitlichen politischen System mit dem grenzenlosen Internet, kennt scheinbar keine Hemmungen mehr. Das ist etwa an der „Bild“-Zeitung zu beobachten, die auf der einen Seite ihr „Herz für Kinder“ entdeckt, auf der anderen Seite ungeniert Dschungel-Gülle und Pornografie präsentiert.“

In seinen Morning-Briefing schreibt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart: „Mit zweideutigen Herrenwitzen soll FDP-Sturmspitze Rainer Brüderle eine Stern-Redakteurin behelligt haben. Auch gegenüber einer schleswig-holsteinischen Milchkuh sei der FDP-Fraktionschef mit der Bemerkung "Körbchengröße 90 L" negativ aufgefallen, berichtet die Illustrierte. Jetzt fehlt nur noch, dass Stern-Chefredaktion und der Verband der Milchbauern einen Untersuchungsausschuss des Bundestages fordern. Vorschlag zur Güte: Vielleicht sollte man nach all den Bonsai-Affären mal wieder über Politik reden.“

Stern.de dokumentiert die Reaktionen von FDP-Politiker auf die Himmelreich-Story. So sagte der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki: "Es ist schade, auf welches Niveau der 'stern' mittlerweile gesunken ist". Weiter wird er zitiert: "Ich wundere mich, dass die junge Journalistin offensichtlich über ein Jahr gebraucht hat, um ihr Erlebnis zu verarbeiten."

Bereits einen Schritt weg von der Brüderle-Diskussion ist Patricia Dreyer. In ihrem Kommentar fordert die Chefin vom Dienst von Spiegel online eine viel weitreichendere Debatte. „Die Schilderungen der beiden Kolleginnen (Himmelreich, Meiritz) sind ein großes Stoppschild: Journalistinnen erleben dumme Sprüche, blöde Anmache, Reduzierung aufs Äußerliche, Diskreditierung aufgrund ihres Geschlechts genauso oft wie Millionen andere Frauen in anderen Branchen - und haben das genauso satt.“ Dreyers Fazit: „Bei allen politisch-gesellschaftlichen Debatten, die in Deutschland über Frauen geführt wurden - ob Gleichberechtigung, Abtreibung, Herdprämie, Frauenquote - eine fehlte bisher: die große Debatte um alltäglichen Sexismus.“

Nina Bovensiepen beschäftigt sich auf Süddeutsche.de mit dem alltäglichen Chauvinismus im politischen Betrieb. „So manche Frau könnte darüber berichten. Viele tun es nicht, weil sie die Angriffe fürchten, derer sie sich dann erwehren müssen - etwa den meist unterschwellig vorgetragenen Vorwurf, ob sie Schlüpfrigkeiten und Tätscheleien nicht selbst provozieren. Oder die Frage, ob sie vielleicht einfach nicht tough genug sind, die raue Realität im Machtgefüge zu ertragen“. Sie kommt zu dem Fazit: „Tough ist es, wenn Frauen die Angst vor genau solchen Reaktionen hintanstellen und Dinge trotzdem beim Namen nennen - was nicht heißt, dass jeder Chauvi namentlich an den Pranger gehört.“

red

25.01.2013
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  • 27.01.2013 Kubicki flirtet nicht mehr mit Journalistinnen
  • 25.01.2013 Fall Brüderle: dahin gehen, wo es wehtut

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25.01.13 17:56

Thomas Bauer Web-Site

Wenn ich mich ergänzend ausnahmsweise selsbt zitieren darf:

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist sicher kein Zufall. Zufall ist eher, dass es zu einer Veröffentlichung kommt: Der Zufall, dass es Rainer Brüderle mangels Substanz (bzw. Mut der "Hoffnungsträger") zum so genannten Spitzenkandidaten gebracht hat.
Hätte sich der verdiente "Mantel der Gechichte" über diesen weinseligen Gernegroß gelegt, wäre er in Ehren ergraut in der dritten Reihe, die Gnade der Unwichtigkeit wäre über ihn gekommen. Über ihn und all die anderen feisten Herren jedweder Profession, die aus Status ableiten, ein recht zu haben auf ein Auftreten aus dem vergangenen Jahrhundert.
Wird so ein Auslaufmodell aber zur "Spitzenkraft" einer inhaltlich und personell offenbar ausgebluteten Partei, so werden seine charakterlichen Schwächen selbstverständlich zum Thema!
Leserreaktionen wie die vom Dekolletee, dass darauf angelegt war, Brüderles Blick zu locken, die schwiemelige Art, mit solchen Altherren-Zoten ach so gnädig umzugehen, all das zeigt, dass es allerhöchste Zeit ist, diese Art der meist peinlich berührt tolerierten Belästigung zu thematisieren.
Es ist doch ein absolut normaler Mechanismus der Medien, dass ein Thema, egal wie wichtig es ist, einen Aufhänger braucht. Wer hätte sich der Berichterstattung über Depression angeschlossen, hätte sich nicht ein so prominenter Hoffnungsträger wie Robert Enke umgebracht?

In diesem Fall ist es eben ein Vertreter, einer Altherrenmoral, die hoffentlich bald niemand mehr tolerabel findet, der die Geschichte zur Geschichte macht. Und daran ist nicht die Journalistin schuld, deren Aussehen offenbar das untere Kleinhirn des "Hoffungsträgers" der FDP die Herrschaft über den Anstand hat übernehmen lassen.

Nur der juristische und gesellschaftliche Rahmen und (allerdings erheblich!) das Ausmaß unterscheiden eine solche Verdrehung von Ursache und Wirkung von der Steinigung einer Vergewaltigten, die ja auch "selbst Schuld auf sich geladen" hat, wenn man ihren Peinigern glaubt.

Und übrigens, ohne dem Stern eine Lanze brechen zu wollen, aber über Sexthemen (was dem Stern in diesem Zusammenhang ja an jeder Ecke vorgeworfen wird) zu berichten bedeutet nicht, sexuellen Missbrauch zu predigen. Aufklärung ist auch in diesem Feld der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Es wird Zeit, dass nicht nur die Frauen den Mund aufmachen, wenn ein Mann (oder eine Frau) verbal übergriffig wird, sondern auch die Zeugen.

25.01.13 17:53

Thomas Bauer Web-Site

Lieber R.O.
Das ist doch ganz einfach. Es ist nicht weniger schlimm, es ist nur kein journalistischer Aufhänger, der die notwendige Welle auslöst. Manchmal muss man eben auf den passenden Zeitpunkt warten. Was gerade unter #aufschrei passiert ist branchenübergreifend. Aber kein Medium hätte es aufgegriffen und zur großen Geschichte gemacht, wenn der Stern über einen Hinterbänkler oder einen Lageristen geschrieben hätte.

25.01.13 14:13

R. O.

...der Leser/die Leserin... Hatte ich vergessen.

25.01.13 14:11

R. O.

Trotzdem bleibt die Frage unbeantwortet, warum offenbar ein ganzes Jahr vergehen musste, bis die Geschichte ins Blatt fand. Sie jetzt zu präsentieren, um von der inzwischen wieder größeren Prominenz Rainer Brüderles zu profitieren, hat einen Hautgout. Wenn der Hinterbänkler grabscht oder blöde Sprüche macht, ist das offenbar nicht so schlimm, weil der Leser den Mann ja nicht kennt.

25.01.13 14:07

nobody knows

Prima Peter Wolf, noch ein Mann, der den Frauen erklären zu müssen glaubt, wie Sexismus eigentlich geht. Wobei ›erklären‹ in Ihrem Fall ja doch der falsche Begriff ist, da Sie nur unbelegten Quatsch ins weite Internet hinausdekretieren.

Im Übrigen ist mit dem Refrain dieses Liedes eigentlich alles über die Berufsmänner gesagt, die nichts unversucht lassen, den Sexismus eines Brüderle kleinzureden. – und die Opfer von Sexismus dabei zu den eigentlichen Täterinnen zu erklären. http://www.youtube.com/watch?v=s-s2klBXDUc

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