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Entschuldigung der Chefredakteurin missrät zur Realsatire

die aktuelle: Peinlicher Kniefall vor Jauch

Eine Gegendarstellung auf einer Titelseite ist nichts Ungewöhnliches. Dass eine Redaktion eine peinliche Gegendarstellung aber zur Titelstory im Heft aufplustert und sich verbal vor dem Prominenten in den Staub wirft, ist schon bemerkenswert. So geschehen bei der Zeitschrift die aktuelle. Das neue Cover ziert eine Gegendarstellung von TV-Star Günther Jauch. Im Innenteil schreibt Chefredakteurin Anne Hoffmann einen Entschuldigungsartikel, der die Grenze zur Realsatire streift. Eine Anleitung zum Fremdschämen.

"Das haben wir nicht gewollt!" textet die aktuelle-Chefredakteurin in dicken, fetten, roten Lettern über dem Entschuldigungsartikel an Günther Jauch, der die kompletten Seiten acht und neun einnimmt. Das Weekly die aktuelle gehört zur WAZ-Zeitschriftentochter Gong Verlag, gegründet hat sie Helmut Markwort. Im Text werden RTL-Star Jauch verbal Kränze gewunden. "Kaum einer versteht es wie Günther Jauch, sein Publikum allein durch Gestik und Mimik stundenlang in seinen Bann zu ziehen", heißt es in einer Bildunterschrift und gleich darauf: "Alle lieben Jauch – als Profi, als Entertainer und als Mensch. Beim Menschen Jauch wollen wir uns mit diesem Artikel entschuldigen."

Wofür entschuldigt sich die aktuelle da so blumig? Auf ihrem Titel vom 6. Februar war zu lesen "EXKLUSIV! Besuch in Potsdam Günther Jauch – jetzt sprechen die Kinder." Über seinen Medienanwalt Christian Schertz ließ Jauch nun auf der Titelseite der neuen aktuellen mitteilen: "Ich hatte keinen Besuch von der Zeitschrift die aktuelle in Potsdam. Meine Kinder haben auch nicht mit der Zeitschrift die aktuelle gesprochen." Darunter räumt die Redaktion gleich auf dem Titel ein, dass Jauch Recht hat. Und darüber fragt die Redaktion sich und die Leser: "Günther Jauch – Was ist da passiert?" Ja, was ist denn da wohl passiert?

Es war alles nur ein "Missverständnis" - die Zeitschrift die aktuelle wälzt sich vor Günther Jauch im Staub

Chefredakteurin Hoffmann klärt in ihrem Text auf. Die aktuelle habe "natürlich" nie Jauchs Kinder in Potsdam getroffen. Hoffmann: "Das ist die Wahrheit. Und uns von 'die aktuelle' ist es eine Herzensangelegenheit, die Wahrheit zu schreiben und die ganze Geschichte aufzuklären..." Gut, dass das einmal geklärt wurde. Mit den Kindern im Text vom 6. Februar seien nämlich gar nicht Jauchs Kinder gemeint gewesen, sondern Kinder von dem sozialen Projekt Arche, das von Jauch unterstützt wird. Hoffmann ganz und gar zerknirscht: "Wir wollten kein Missverständnis aufkommen lassen – aber offenbar ist uns das nicht geglückt. Das ist gründlich schief gegangen."

Die Chefredakteurin begibt sich öffentlich auf Fehlersuche. "Wie konnte uns dieser Fehler passieren?" fragt sie sich und die Leser. Ihre Antwort: "Vermutlich im Überschwang. In der Begeisterung dafür, Ihnen liebe Leserinnen und Leser, jede Woche die spannendste 'aktuelle' zu schenken. Wir haben uns von der Geschichte mitreißen lassen – und in der Leidenschaft den kühlen Kopf verloren. Das haben wir nicht gewollt." Ironisch gefragt: Wer hätte etwas anderes vermutet?

Dann richtet aktuelle-Chefin Hoffmann auch noch ein paar Worte direkt an Günther Jauch: "Sie sind ein großartiger Journalist. Einer, der sich nicht scheut, Themen anzufassen, die unangenehm sind. Womöglich kennen Sie das Gefühl, im heiligen Zorn, im Bestreben und im Ehrgeiz, die beste Reportage bei 'stern TV' zu senden, die beste Einschaltquote zu erreichen, manchmal beinahe übers Ziel hinaus zu schießen. Herr Jauch, ich entschuldige mich bei Ihnen. Ich entschuldige mich bei meinen Leserinnen und Lesern."

Quasi als Bonus gibt es auf der Doppelseite dann gleich noch eine Jauch-Gegendarstellung, weil er in dem Artikel vom 6. Februar als "Kaufmannssohn" bezeichnet wurde. In Wahrheit ist er der Sohn eines Journalisten. "Auch dieser Fehler ist uns unterlaufen", schreibt die aktuelle neben die weitere Gegendarstellung. Den ironischen Journalisten-Spruch "Exklusive Geschichte - exklusives Dementi" hat aktuelle-Chefin Anne Hoffmann hier geradezu lehrbuchaft vorexerziert. Statt einer Jauch-Titelstory hatte die aktuelle nun zwei Jauch-Titelstories. Beide auf ihre ganz spezielle Art exklusiv.

Stefan Winterbauer

11.05.2010
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 21.03.2011 Jauch erzielt Teilerfolg gegen neue woche
  • 19.01.2010 Die "Kuss-Falle" der Agenturchef-Tochter
  • 06.08.2009 Zeitschriften-Gezicke im Gong-Verlag

Letzte Kommentare

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13.05.10 00:36

Alex Sachs


Betr. Silke Springens


Sie hat nichts verstanden!! Ist ja auch "Kollegin" der aktuelle-Chefredakteurin! ;-)

12.05.10 17:27

Armin Hierstetter Web-Site

@Stefan Winterbauer:

dito.

11.05.10 22:52

Stefan Winterbauer

@ Armin Hierstetter
@SilkeSpringens

Haben wir das gleiche gelesen? Sie sehen nicht den Punkt.

11.05.10 18:01

Silke Springens

Ich finde, die Kollegin der "aktuelle" hat genau richtig gehandelt. Sie spricht mir aus der Seele, Herr Jauch ist einer der größten Journalisten den unser Land hat. Deutschland ist ein Land indem man den Erfolg am Neid mißt. Als Führungskraft muß ich das auch täglich erleben. Ich sage: "Weiter so, Herr Jauch!"

11.05.10 17:42

Armin Hierstetter Web-Site

Peinlich? Warum denn peinlich?

Die Chefredakteurin hat wahrscheinlich einen Freudentanz veranstaltet, als ihr die Gegendarstellung auf den Schreibtisch flatterte und während des öffnen des Briefes gebetet, der ach so harte Medienanwalt möge doch bitte, bitte drohen, den Abdruck auf der Titelseite nötigenfalls einklagen zu wollen.

Das hat der (wahrscheinlich) brav gemacht und "der aktuellen" damit gleich die nächste Titelgeschichte geliefert, die noch dazu recht billig gewesen sein dürfte.

Die Zielgruppe von "die aktuelle" wird's nicht kratzen, ob der Artikel nun Lobhudelei, Schleimerei oder sonstwas ist. Die kaufen dat Ding einfach und aus.

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