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Auto-Tests des Autoren-Ehepaares Brinck/Joffe in der Kritik

Der Audi-Ausflug des Zeit-Herausgebers

Jede Woche erscheint im Zeit Magazin ein Auto-Test. Der jüngste Text über einen Audi von Zeit-Autorin Christine Brinck und Zeit-Herausgeber Josef Joffe sorgt für Kritik im Internet. U.a. bei Facebook und Twitter häufen sich Kommentare über “Schleichwerbung”. Der Medienwissenschaftler Stephan Ruß-Mohl schrieb: “So ruiniert man journalistische Glaubwürdigkeit ohne Wenn und Aber.” Laut Zeit zahlt der Herausgeber aber fast die gesamten Spesen für Autotests privat.

Es gibt wahrscheinlich unangenehmere Termine im Leben eines Top-Journalisten als einen Autotest. Immer wieder hörte und hört man aus Redaktionen, dass Autofirmen keine Mühen und erst recht keine Kosten scheuen, um Journalisten ihr neuestes Gefährt an vorzugsweise attraktiven Orten in luxuriösem Rahmen vorzuführen. In manchen Redaktionen galt und gilt, dass der “Auto-Test” als internes “Goodie”, eine Art bezahlter Kurzurlaub, verteilt wird. Derjenige Redakteur oder Ressortleiter, der über die Vergabe der “Tests” wacht, hat gemeinhin viele Freunde in solch einer Redaktion.

Nicht so bei der Zeit. Die Wochenzeitung veröffentlicht jede Woche in ihrem Magazin einen relativ kurzen Auto-Test, der sich weniger durch tief schürfende Auseinandersetzung mit technischen Spezifikationen auszeichnet, sondern vielmehr durch eine gewisse Formulierungsfreudigkeit. Seit einiger Zeit heißt die Auto-Kolumne im Zeit Magazin “Von A nach B”, weil die Tester das Fahrzeug dabei stets von einem Punkt zum anderen chauffieren. Bei der Zeit scheuen sie keinen Aufwand.

Öfter greift sogar der Herausgeber Josef Joffe höchstselbst zu Stift und Lenkrad. Der gemeinsame Auto-Test mit seiner Ehefrau, Zeit-Autorin Christine Brinck, hat bei der Zeit Tradition. Dabei finden die beiden Berufs- und Lebenspartner Joffe und Brinck oft blumige Formulierungen. Über die “Kaviarkarosse” VW Passat CC schrieben sie, dass dieses Fahrzeug “der Mittelklasse entwachsen” sei. Über den Mercedes SLK hieß es: “Der SLK ist der ideale Drittwagen für den urbanen Menschen mit etwas Extrageld: die S-Klasse für Büro und Brut, der Smart für die Parklücken, das Cabrio für die Landpartie zu zweit.” Stets garniert mit hübschen PR-Fotos der Hersteller.

Jetzt legte das Ehe- und Autorenpaar Joffe/Brinck 850 Kilometer von München nach Umbrien im Audi Q3 zurück. Die beiden Zeit-Autoren attestieren dem Q3 in ihrem Testbericht “gedämpften Minimalismus”. Die Innengeräusche seien “gering, das Fahrverhalten bietet die richtige Balance zwischen flink und sicher; die Beschleunigung reicht für die allfälligen Fährnisse der Autostrada. Kurven meistert der Q3 wie von Geisterhand gezogen. Auf Feldwegen hält er sich auch gut.” Allenfalls die etwas zu hohe Ladekante und die nicht ganz ebenen Fläche bei umgeklapptem Rücksitz monieren die anspruchsvollen Autotester des Zeit-Magazins. Am Ende kommt das Gespann Joffe/Brinck zum versöhnlichen Fazit: “Ansonsten ist der Q3 ein feiner Reisewagen für Vater-Mutter-Kind-Kind.”

Bei Twitter und Facebook gab es dafür eine ganze Reihe kritischer bis hämischer Kommentare. Süffisant und mit beißender Ironie hat der Lokalblogger Hardy Prothmann in einem Artikel rein hypothetisch aufgelistet, was sich die Zeit für so einen knappen Autotest kosten lässt. Er kommt auf mindestens 2.750 Euro Kosten, wenn man Taxikosten, Flugkosten, Übernachtungskosten usw. auf eher niedrigem Niveau ansetzt und meint: “In Zeiten des Zeitungssterbens bin ich schwer beeindruckt, dass es nach wie vor Qualitätsmedien gibt, die keine Kosten scheuen, um exklusiven, hintergründigen, überraschenden, nachdenklichen, tiefsinnigen und trotz allen Ernstes auch ein wenig humorig verfassten und vorbildlichen Journalismus zu finanzieren.”

Gibt die Zeit-Redaktion also tatsächlich tausende Euros dafür aus, dass zwei Mitarbeiter einen Audi von München nach Umbrien kutschieren, um anschließend ein paar flott formulierte Zeilen im Magazin zu drucken? Oder spendiert der Autohersteller gar die ganze Sause? Weit gefehlt. Eine Verlagssprecherin sagte gegenüber MEEDIA, die Autotester der Zeit müssten fast alle Spesen aus eigener Tasche begleichen: "Die Zeit übernimmt eine Benzinpauschale von circa 90 Euro - die eventuell darüber hinaus anfallenden Kosten zahlt der Redakteur, in diesem Fall Josef Joffe, privat." Nur die Fahrzeuge selbst würden von den Herstellern "für einige Tage" zur Verfügung gestellt. Wir lernen: Bei der Zeit zählen die Autotests vermutlich nicht zu den beliebtesten Terminen, die zu vergeben sind - wenn der Redakteur die Benzinuhr nicht fest im Blick hat, kann es für ihn oder sie schnell teuer werden.

swi

17.12.2012
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    Letzte Kommentare

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    18.12.12 11:46

    Siegfried Heim

    Wenn ein längst zur Rentner-Generation gehörender Herausgeber als Journalismus getarnte Werbetexte schreibt ist das weit weniger ärgerlich, als seine politischen Kolumnen, die dem Leser ein rückwärts gewandtes Weltbild der Oberklasse zumuten, in dem ständig über die faulen Dienstboten und die undankbare Jugend genörgelt wird.

    18.12.12 11:15

    Paul Müller

    Mit dem Q3 850 Kilometer fahren ist wahrlich kein Vergnügen. Wer dann den eingelaufenen SUV auch noch Vater, Mutter, Kind empfiehlt, hat keine Ahnung und nicht Neid, sondern Mitleid verdient. Die Diskussion bei Bloggern und Twitterern darum zeigt doch nur, dass die das Zeitungssterben gar nicht abwarten können, um selbst schnell an die Pfründe zu kommen.

    18.12.12 11:02

    Thomas Mrazek

    Ja freilich, eigentlich nix Neues nicht, aber man sollte trotzdem mal darüber nachdenken.

    Ich habe mich 2009 mal über die allzu umfangreiche Bildergalerie zu einem Autotest bei Zeit Online (ursprünglich stammte der Text aus der "Zeit") mokiert: "Zeit Online huldigt Renault": http://www.onlinejournalismus.de/2009/07/10/zeit-online-huldigt-renault/

    Die Online-Redaktion reagierte damals souverän:
    "Korrektur: Dieser Text war ursprünglich mit einer Bildstrecke versehen, die mit Werksfotos des Herstellers Renault bestückt war. Die Tatsache, dass es sich hier um Werksfotos handelte, war gut sichtbar gekennzeichnet. Da der Text selbst sich aber sehr positiv über den besprochenen Wagen äußert, wurde die Frage erhoben, ob es sich hier eventuell um Schleichwerbung handeln könne. Selbstverständlich ist dies nicht der Fall. Um aber jeglichen weiteren Missverständnissen vorzubeugen, haben wir die Bildstrecke vorsorglich entfernt und nur noch ein als Werksfoto deklariertes Bild stehen lassen, das den besprochenen Wagen zeigt. Vielen Dank an Thomas Mrazek für den Hinweis."
    (siehe auch Zeit Online: http://www.zeit.de/2009/29/Auto-29/komplettansicht)

    18.12.12 10:48

    puck of pook\'s hill

    ad 1) die existenzbegründung des zeitmagazins ist ausschliesslich die, ein angenehmes werbeumfeld zu schaffen (vergleiche die äusserst dünn maskierten uhren- oder mode-ausgaben). die lächerlichen "stil"-geschreibsel oder auto-"tests" (die als alibi ausgeweitet wurden auf andere idr hochpreisige fahrzeuge) dienen doch lediglich dazu den eindruck redaktionellen vorrangs zu erwecken

    ad 2) diese auto-"tests" gibt es ja schon sehr lange und von objektivität kann da wenig rede sein. sich _jetzt_ darüber zu echauffieren ist fragwürdig

    ad 3) was ist denn mit dem reiseteil? der ist "journalistisch" (was bei der zeit vermutlich eh eine eigene definition hat) noch weitaus fragwürdiger. und über die finanzierung lässt die zeit auch hier nix verlauten

    ad 4) wie steht's denn um die in grössenordnungen an allen passenden und nochmehr unpassenden stellen eingestreuten produkte der fa apple? in den letzten wochen hat es (vorübergehend?) etwas nachgelassen, aber das ausmass war nach nicht nur meinem empfinden schon keine _schleich_-werbung mehr

    disclaimer für merkbefreite und abmahnwütige: obiges stellt ausschliesslich subjektive meinungen eines langjährigen zeitlesers dar, keine tatsachenbehauptungen!

    17.12.12 18:54

    Lara R

    Die Kolumne heißt übrigens unter anderem deshalb von A nach B, weil es eben nicht mehr nur ein Autotest ist. Wer die Kolumne kennt, weiß dass inzwischen werden auch andere Gefährte getestet werden. So zum Beispiel Fahrräder, Segelboote, ...

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