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Der MEEDIA-Wochenrückblick

Das fachchinesische Blendwerk des C.Keese

Wenn Medienmenschen und Politiker verbal am großen Rad drehen, muss man manchmal ganz schön aufpassen, um nicht nur noch Bahnhof zu verstehen. Familienministerin Kristina Schröder versucht die Nido-Redaktion mit flotten Sprüchen einzulullen, Ufa-Boss Wolf Bauer redet viel und sagt wenig in der FAZ. Selbige beweist, dass auch kluge Köpfe in eigener Sache zum Schwadronieren neigen und Christoph Keese brennt in Sachen Leistungsschutz fachchinesisches Blendwerk ab.

Kleine Kinder können große Sorgen machen. Zum Beispiel, wenn man keinen Krippenplatz findet. Ab 1. August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Wie dieser Anspruch nach derzeitigem Ausbaustand von Kindertagesstätten, vor allem in Westdeutschland, umgesetzt werden soll, weiß kein Mensch. Das G+J-Elternmagazin Nido hat sich der Thematik angenommen und im Web die Aktion “Wohin mit unseren Kindern Frau Schröder?” gestartet, bei der Familien ihre persönlichen Geschichten bei der fruchtlosen Kita-Suche mitteilen können. Eine entsprechende Petition soll dann ans Familienministerium geschickt werden. Eine der ersten, die sich auf den Nido-Aufruf meldete, war Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Die sucht aber keine Kita für ihr Kind, sondern klatschte sogleich via Twitter und Pressemitteilung Beifall: “Ich bin dankbar für diese Aktion, denn alle Eltern, die sich daran beteiligen, unterstützen damit meine Forderung, das vor uns liegende Jahr zum Jahr des Kita-Ausbaus zu machen.” Die Nido-Leute haben die schnelle Reaktion sogleich als das entlarvt, was es ist: Blabla. Kommentar der Nido-Redaktion: “Liebe Familienministerin, bitte beseitigen Sie einfach das Chaos, das Sie angerichtet haben. Streichen Sie das Betreuungsgeld, legen Sie die damit gesparten geschätzten 2 Milliarden Euro in den Kita-Ausbau an. Wir unterstützen Sie dabei gerne. Und zwar nicht nur mit leeren Twitter-Botschaften.”

Apropos Blabla: Der fiktive Preis “Laber-Hannes der Woche” geht diese Woche an Ufa-Chef Wolf Bauer. Der hat der FAZ ein langes Interview gegeben, in dem er wenig sagt: Es muss gespart werden bei Deutschlands größter privater TV-Produktionsfirma, es gibt eine neue Struktur und bald einen Neubau in Potsdam. Das sind so die Kernaussagen. Wolf Bauer benutzt andere Worte. Die Ufa müsse sich “neben dem klassischen Development auf die neuen inhaltlichen Anforderungen des digitalen Marktes einstellen”. Er will eine neue “Kreativebene” einführen, die  “wir nun genre- und medienplattformübergreifend in einen neuen Ideenentwicklungsprozess einbinden.” Dafür “vernetzt” er die “kreativen Köpfe” in einem “Entwicklungsprozess” und will “einerseits als Führungsteam die Innovationsprozesse für die Entstehung erfolgsträchtiger Programmkonzepte noch besser steuern …”. Wenn die Ufa eine neue Firmenzentrale bekommt, dann sagt Wolf Bauer nicht: “Wir bauen in Potsdam eine neue Firmenzentrale”, sondern: “An unserem Hauptsitz gestalten wir eine Architektur, die unsere neue Kommunikationsstruktur aufnimmt und unser optimiertes Innovationsmanagement unterstützt.” Und wenn bei Castingshows wie “Deutschland sucht den Superstar “(produziert von der Ufa-Tochter Grundy Light Entertainment) Skandalgeschichten und Konflikte zu den Kandidaten herbeifantasiert werden, um Schlagzeilen und Quoten zu befeuern, dann sind das in der Sprache des TV-Produzenten “dramaturgisch komponierte Backstories”. Darauf muss man erst einmal kommen.

In Sachen Phrasendreschen stehen die klugen FAZ-Köpfe dem Ufa-Chef kaum nach. Die Pressemitteilung zum Start der FAZ-Veranstaltungsfirma Frankfurter Allgemeines Forum diese Woche war gespickt mit Wort-Ungetümen. Die Kongresse und Manager-Seminare, die da künftig angeboten werden, seien “Inseln der Aufmerksamkeit”, heißt es. Die Veranstaltungen werden auch als “Deep Dives” bezeichnet - was immer das bedeuten soll.. Aufmerksamkeit wird “gebündelt” und man überzeugt durch “interdisziplinäre sowie innovative Inhalte”. Darunter macht die FAZ es nicht, denn immerhin sei die Zeitung “eine Plattform des demokratischen Meinungsbildungsprozesses und zugleich Impulsgeber für neue Denkansätze”. Ein internationaler Superduper-Beirat soll auch verfügbares Wissen “bündeln” und “Impulsgeber und Innovationstreiber” sein.

Und wo wir gerade bei Worthülsen-Ungetümen sind, kommen wir doch noch kurz zu Christoph Keese, dem Chef-Lobbyisten der Axel Springer AG und unermüdlichen Blogger in Sachen Leistungsschutz. Stefan Niggemeier hat diese Woche einen Text geschrieben, in dem Keese, bzw. dessen Argumentationen Leistungsschutzrecht ganz und gar keine gute Figur machen. Der Text Niggemeiers und ist sehr einfach zu verstehen: Keese hat in Bezug darauf, wie Google mit Snippets (kurze Textausschnitte) umgeht, schlicht Quatsch erzählt. Darauf hat Keese in seinem Blog “Presseschauder” nun eine extrem lange und extrem komplizierte, verschwurbelte Replik veröffentlicht, die ganz und gar nicht einfach zu verstehen ist. Er schreibt vom Robots.txt/Googlebot-Lichtschalter-System, er zitiert ellenlang englische Programmier-Anweisungen, er weist darauf hin, dass er “Chairman des Project Board der internationalen, alle Mediengattungen umfassenden Linked Content Coalition, die sich mit nichts anderem beschäftigt als der maschinenlesbaren Übermittlung von Copyright-Informationen und Nutzungsbedingungen, folglich mit der Lösung des „No Snippet“-Problems”, ist. Das alles soll wahrscheinlich dokumentieren soll, dass er “Ahnung” hat. Warum seine vorherigen Äußerungen zum Thema aber kein Quatsch gewesen sein sollen, das wird auch nach dem Abbrennen des ganzen fachchinesischen Blendwerks nicht klar.

Phrasenfreies Wochenende!

Stefan Winterbauer

06.07.2012
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