Bild geht in der Wulff-Affäre in die Offensive: In einem offenen Brief an den Bundespräsidenten bittet Bild-Chef Kai Diekmann Christian Wulff um sein Einverständnis zur Veröffentlichung des Anruf-Protokolls auf seiner Mailbox. Damit reagiert das Blatt auf die Erklärung des Politikers im gestrigen TV-Interview, er habe die Berichterstattung lediglich verschieben, nicht aber verhindern wollen. Unterdessen meldet die dpa, dass Wulff die Bitte der Bild-Zeitung abgelehnt habe.
„Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung“, heißt es auf Bild.de. Um auch keine Zweifel aufkommen zu lassen, bringt Bild.de keinen Fließtext, sondern veröffentlicht einen Scan des Fax-Schreibens an den Bundespräsidenten.
Die Chefredaktion zeigt sich nach eigenen Aussagen verwundert über die Aussage Wulffs, bei seinem Anruf sei es nicht darum gegangen, die Berichterstattung über einen Hauskredit zu verhindern. Deswegen halte man es für notwendig, im Sinne der von Wulff angesprochenen Transparenz den Anruf im Wortlaut zu veröffentlichen. Bei seinem Anruf auf der Mailbox soll der Politiker Vokabeln wie "Krieg führen" verwendet haben, vom drohenden "endgültigen Bruch" gesprochen sowie geäußert haben, der "Rubikon" sei "überschritten". Auch einen Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur habe Wulff angedroht. Nach dem Willen des Bundespräsidenten sollen diese Inhalte nun unter Verschluss bleiben.
Nachtrag, 15.50 Uhr: Soeben hat Bild.de das Anwortschreiben des Bundespräsidenten online gestellt. Darin moniert der Bundespräsident u.a., dass "Teile meiner Nachricht meiner Nachricht auf Ihrer Mailbox ... den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben".
Letzte Kommentare
06.01.12 12:57
iris fischer
@pb: ja, ist es nicht köstlich? wir erleben gerade eine wunderbare erschütterung des zirkels medien-journalisten-politik-journalisten-politiker-medien-journalisten-politiker (wahlweise auch anders und zusätzlich besetzt...). alles nutzt und benutzt sich, mal besser mal schlechter, mal mehr mal weniger. und wahrheiten sind ja oftmals sehr subjektiv - je nach blickwinkel, einstellung zum thema und anderen aktuellen oder aktualisierten koordinaten... ich hoffe, alle beteiligten lernen daraus :-).
05.01.12 17:08
Karl K
Seit wann kommt die Sau aus dem Wald und bläßt die Treibjagd ab ... ?
05.01.12 16:07
Peter Bramböck
Schon lustig, hier die Bitte an Herrn Diekmann lesen zu müssen: Wir wollen die Wahrheit, und nix als die Wahrheit. Damit bräche ja wohl das Geschäftsmodell von BILD zusammen und das Blatt müsste blanko erscheinen - na ja, wenigstens noch mit Datum,um die Ausgaben nicht zu verwechseln ...
05.01.12 16:00
beppo brehm
Nach intensiver Foren-Lektüre auf den großen Nachrichtenportalen scheint es mal wieder so, als halte eine Mehrheit (hier zum Glück nur eine Minderheit) das Medium und die Botschaft nicht sauber auseinander.
Lieber Herr Diehl, es haben mehrere Medienhäuser gleichzeitig recherchiert. Zum Nachlesen: Der Spiegel hat laut Legal Times Online bereits 2010 auf Einsicht in die Wulff´schen Grundbücher geklagt, hier nachzulesen, mit Aktenzeichen, Gerichtsinstanz und Datum: http://bit.ly/tWNm83
Die Geschichte war schon lange auf dem Markt (und Wulff wusste schon lange davon). Die Bild kam einfach als erste damit raus.
Und macht es einen Unterschied, ob Zeit oder Bild die Sache publik machen? Nach Ihrer Logik offenbar ja. Ich meine: nein. Was ich von dieser Zeitung halte, ist im Zusammenhang mit der Wulff-Affäre völlig bedeutungslos.
05.01.12 15:51
Tobias M Web-Site
fix wie nix wurde mein Kommentar obsolet, denn der werte Herr BP lehnt eine Veröffentlichung ab - und damit ist ALLES gesagt. SO sieht also Transparenz aus, wenn man es aus der Sicht von Wulff betrachtet. Jämmerlich!