Es sind heftige Zahlen, die die IVW da für Deutschlands meistverkaufte Zeitung meldet: Die Bild hat im vierten Quartal im Gesamtverkauf 6,8% gegenüber dem Vorjahr eingebüßt, in nur sieben Jahren verlor das Blatt damit mehr als eine Million Käufer. Doch nicht nur der Bild gingen Abnehmer abhanden, unter den überregionalen Zeitungen findet sich in den beiden wichtigen Auflagenkategorien Einzelverkauf und Abos nur ein Gewinner: das Handelsblatt. Etwas besser sieht es bei den Wochen- und Sonntagszeitungen aus.
Mit 2,702 Mio. Käufern ist die Bild natürlich weiterhin mit gigantischem Abstand die meistverkaufte Zeitung des Landes, doch nach der 4-Mio.- ist nun auch die 3-Mio.-Käufer-Marke in weite Ferne gerückt. Das Minus von 6,8% ist eine deutliche Aussage, nur im vierten Quartal 2002 verlor das Blatt schonmal noch mehr gegenüber dem Vorjahr: 6,9%. Noch deutlicher nach unten geht es unterdessen bei der Frankfurter Rundschau: ein heftiges Minus von 8,1% geht erneut an die Substanz der Zeitung.
Ebenfalls zu den Verlierern gehören die Süddeutsche, die F.A.Z., die taz und das Neue Deutschland. Auf den ersten Blick zeigen die IVW-Auflagen allerdings auch drei Gewinner. So haben Die Welt (inklusive Welt kompakt), das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland gegenüber dem vierten Quartal 2010 zugelegt.
Die am Freitag veröffentlichten Detailzahlen der IVW sehen allerdings etwas anders aus. Hier bleibt in den beiden wichtigsten Auflagenkategorien, dem Einzelverkauf an Kiosk & Co. und den Abonnenten, nur ein Gewinner übrig: Das Handelsblatt verbesserte sich sowohl im Kiosk-Verkauf, als auch bei den Abos. Die FTD hingegen wird von einem leichten Gewinner auf einmal zu einem großen Verlierer. Wie kommt's? Die über 5.500 verlorenen Abonnenten glich man vor allem dadurch aus, dass man ca. 6.900 mehr Exemplare an Bord von Flugzeugen etc. verteilte. Auch Die Welt gehört in dieser Wertung zu den Verlierern, büßte deutliche 2,5% ein, wesentlich klarer im Minus als beim Gesamtverkauf ist zudem die F.A.Z.
Auch bei den Wochen- und Sonntagszeitungen kommt der größte Verlierer aus dem Bild-Lager. Die Bild am Sonntag verlor fast genau so viel wie der große Bruder Bild, nämlich 6,5% gegenüber dem Vorjahr. Die drei seriöseren Blätter Zeit, WamS und F.A.S. gehören im Gesamtverkauf zu den Aufsteigern, verbesserten sich um 1,1% bis 2,4% gegenüber dem vierten Quartal 2010.
Doch auch hier ergibt sich zumindest bei einem Titel ein anderes Bild, wenn man sonstige Verkäufe, Bordexemplare, etc. außen vor lässt: Aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird bei den Abos und im Einzelverkauf plötzlich ein Verlierer: Statt einem Wachstum von 1,2% steht unter dieser Auflagenbilanz ein Verlust von 0,5%. Zeit und WamS gewinnen hingegen auch hier. Zur Welt am Sonntag muss allerdings hinzu gesagt werden, dass vor einem Jahr nur die große Welt am Sonntag gewertet wurde, inzwischen aber auch die kleine Welt am Sonntag kompakt - ein direkter Vergleich ist also nur bedingt aussagekräftig. Und: Leider lässt sich wie auch bei Welt und Welt kompakt nicht sagen, wie oft sich die kompakt-Ausgabe verkauft - und wie oft das Original.

Letzte Kommentare
09.02.12 20:21
greg novi Web-Site
Ich bin mit Werner Martensen einverstanden, nicht nur die Politik, sondern auch die meisten Medien haben sich vom Volk entfernt.
22.01.12 16:13
Christian Meier
Da BILD einen Großteil ihrer "Artikel" auch kostenlos im Internet zur Verfügung stellt, ist der Rückgang der Verkaufszahlen kein Wunder.
@ Ralf N: Auch wenn es mir zuwider ist, überhaupt auf kleingeistige Rechtsaußen einzugehen, muss ich dennoch korrigierend darauf hinweisen, dass der Auflagenverlust der FR nicht auf ihr politisches Engagement, sondern auf die lange Zeit vernachlässigte Lokalberichterstattung zurückzuführen ist.
21.01.12 22:21
stefan bahndl
ist doch kein wunder , dass die bild so viele leser verliert ! so primitiv wie die ist ! bei uns in österreich gibt es eine wirklich erfolgreiche zeitung , die kronenzeitung ( auch www.krone.at ) die ist zwar auch kein qualitätsblatt aber sie ist 100 mal besser als die bild . wir österreicher lieben die krone . tolles format , tolle berichte , tolle leserbriefe , leider nicht immer ein wirklich unabhängiger journalismus . manchmal macht bei uns in österreich die krone politik . die krone hat eine rießen macht in österreich . aber jeder ließt sie gerne .
21.01.12 11:19
Klaus K
Die Q4 IVW Zahlen sind ein einziger Horror, der Einzelverkauf ist durch die Bank im freien Fall, auch bei Zeitschriften.
Weitere Preiserhöhungen sind so gut wie nicht mehr durchsetzbar, der Presseverkauf wirtschaftlich auch für Buchhandlungen und Supermärkte zunehmend nicht mehr darstellbar.
Dazu kommt ein Grosso der sich mit der Ausweitung der Kleinstmengenverkaufsstellen total verzettelt hat und diese in vielen Fällen nicht kostendeckend beliefern kann.
Dieses parasitäre System wird absolut absehbar in der Massenpleite enden.
21.01.12 06:53
Ralf N.
es muss heissen: www.PI-news.net