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Das Medienecho zur Abberufung von Thilo Sarrazin

"Aus dem Buch wurde eine Staatsaffäre"

Die Bundesbank hat sich dazu entschlossen, ihr Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin abzuberufen. Nun liegt es an Bundespräsident Christian Wulff, ob der "Zahlenmann mit Thesengewitter" (Berliner Morgenpost) endgültig sein Amt niederlegen muss. "Aus dem Buch wurde eine Staatsaffäre", bringt es die Faz auf den Punkt. Die Welt ist sich sicher, dass dies die Popularität Sarrazins "eher befördern als beschneiden" wird. Die Rheinische Post schreibt jedoch, dass man "Wulff wegen Befangenheit ablehnen" sollte.

Faz.net:

"Doch gab es in der Zwischenzeit auch politische Akte von Bedeutung. Die Kanzlerin und zuletzt auch der Bundespräsident ließen öffentlich und mehr als deutlich erkennen, dass sie das Vorstandsmitglied Sarrazin nicht mehr für tragbar hielten, weil er das Ansehen der Bundesbank und der ganzen Republik beschädige. Damit machten sie aus einer Bastion der Unabhängigkeit eine Befehlsempfängerin und aus einem Buch eine Staatsaffäre. Kleiner geht es in Deutschland offenbar nicht, wenn einer an dem Märchen rüttelt, in Sachen Einwanderung und Integration sei oder werde jedenfalls schon alles gut. (...) Der Brandgeruch, den manche Sarrazin zuschreiben, hat eine andere Quelle: Es liegt mehr als nur ein Hauch von Rebellion gegen Beschönigung und Bevormundung in der Luft. Wenn die 'Volksparteien' die von Sarrazin aufgegriffenen Sorgen und Ängste nicht schnell ernstnehmen, werden die sich andere Fürsprecher suchen, deren Mäuler sich nicht mit einem Antrag beim Bundespräsidenten stopfen lassen."

Welt.de:

"Der Vollzug mag Angela Merkel, Christian Wulff und einige andere Freunde des politisch Korrekten erleichtern, doch die Popularität von Sarrazin wird dies eher befördern als beschneiden. Die Breite und Wucht des Zuspruchs für Sarrazins Thesen in Umfragen verdeutlichen, dass das Unbehagen über den Stand der Dinge bei der Integration Anhänger aller Parteien erfasst. Es ist dies auch ein Misstrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik. Dass ausgerechnet der stets umsichtige Bundesbank-Chef Axel Weber ein Problem lösen musste, das ihm die Politik - allen voran die SPD mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit - eingebrockt hatte, passt da gut ins Bild."

Stern.de:

"Na endlich! Auch die Bundesbank will ihre Skandal-Nudel Sarrazin loswerden. Ob es gelingt? Man muss es hoffen. Und selbst wenn er nur unter Mitnahme seiner Amtsbezüge ausgemustert werden kann, so sei es halt. Und vielleicht tut er auch noch seiner SPD den Gefallen und gibt sein Parteibuch ohne monatelanges Gezerre zurück. Dann hielte sich der innenpolitische Schaden, aber auch der internationale Ansehensverlust der Bundesrepublik durch den Genforschungsexperten noch halbwegs in Grenzen. (...) Letztlich ist es doch ein Alptraum: Dass die Bundesbank Sarrazin nicht los wird, dass er weiterhin hoch bezahlt von jenem Staat lebt, dessen Integrationspolitik er verächtlich macht und dessen Bürger mit Migrationsintergrund er so perfide schmäht. Und dann noch das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nimmt. Die Unabhängigkeit der Bundesbank ist letztlich nur zu sicher, wenn ihr Vorstand nicht länger auf dem Wege der personellen Kuhhändelei unter zuweilen massiver Beteiligung des Kanzleramts zusammenmanipuliert wird. Das geltende Bundesbankgesetz ist eine Farce. Dass dies der Gen-Fall Sarrazin sichtbar gemacht hat, ist die einzig positive Seite des Skandals Sarrazin."

Sueddeutsche.de:

"Es wird nicht mehr lange dauern, und Thilo Sarrazin darf sich überlegen, wohin er seinen Fuß noch setzen kann. Aus der Bundesbank, aus der SPD und aus Buchhandlungen soll er ausgeschlossen werden. Ein großer Teil der politischen und gesellschaftlichen Elite wünscht ihn wohl in die Sahara oder dorthin, woher die Sarazenen auch immer stammen, die seiner Familie einst den Namen gaben; SanktHelena wäre noch eine Alternative.
Natürlich ist er selber schuld, dass nun bloß über ihn statt über sein Thema diskutiert wird. In solch einer Diktion schreibt jemand, dem es mehr ums Brandmarken als ums Integrieren geht. Und dann fügt er dem Geschriebenen noch mündlich den Stuss mit den "jüdischen Genen" hinzu. Die Elite nutzt daraufhin die Gelegenheit, ihr fehlendes Selbstbewusstsein zu kaschieren und fällt über einen Mann her, der sich angreifbar gemacht hat.
Bald wird alles gesagt sein und Sarrazin wieder vergessen werden. Und wer in der Politik übernimmt dann den Job, zu garantieren, dass in Neukölln alle Vierjährigen in den Kindergarten gehen?

FR-online.de:

"Für die Politik fällt das Urteil so oder so beschämend aus. Dieser Thilo Sarrazin hätte niemals auf die Bundesbank losgelassen werden dürfen. Die Parteien müssen rasch Konsequenzen aus dem Debakel ziehen und für ein neues Berufungsverfahren sorgen."

General Anzeiger:

"Er hat es so gewollt. Thilo Sarrazin, seit anderthalb Jahren Bundesbanker, hat bewusst provoziert, hat seinen Rücktritt verweigert und wird deshalb jetzt wohl vom Bundespräsidenten abberufen - auf einstimmige Bitte des Bundesbank-Vorstandes. Ein einmaliger Vorgang - aber eben auch ein notwendiger. Mit einer großen gefährliche Nebenwirkung. Natürlich werden jetzt Kritiker dieser Entscheidung Sarrazin zum Märtyrer machen, zu einem, dem aus dem Gebrauch des Rechts auf freie Meinungsäußerung ein Strick gedreht wurde."

Rheinische Post

"Gerechte und Selbstgerechte (Letztere halten Augenrollen in Talkshows anscheinend schon für ein Argument gegen Thilo Sarrazin) haben die Schlinge um den Kopf des Provokateurs und Noch-Bundesbankers zugezogen. Bundespräsident Christian Wulff, der schon den Duisburger OB Sauerland allzu fix und ungeprüft schuldig gesprochen hatte, lässt nun zum Schein neutral den Eindruck erwecken, dass er den Entlassungsantrag zu Lasten Sarrazins in aller Sorgfalt prüfen werde. Man müsste Wulff wegen Befangenheit ablehnen. Denn von ihm wurde die Bank zu ihrem Antrag ermuntert. Der Präsident wird brav liefern, was zum Beispiel die Kanzlerin von ihm erwartet - ein vorläufig letztes Beispiel für die politische Magersucht des Verfassungsorgans Bundespräsident im Kreis der politisch Kräftigen."

Handelsblatt:

"Sarrazins Äußerungen schaden der Integration, die ihm angeblich am Herzen liegt, und sie beschädigen das Image der hochgeachteten Institution. Weber musste deshalb diesmal versuchen, Sarrazin nicht nur zu entmachten, sondern ihn loszuwerden. Doch wäre es besser gewesen, er hätte den Ball, den ihm die Politik entsandten Vorstand Sarrazin für untragbar halten, dann sollten auch die Minister, die Kanzlerin und der Präsident dafür sorgen, dass es ein besseres Ernennungs- und vor allem ein klares Abberufungsverfahren gibt."

Berliner Morgenpost:

"Keine Frage: Der Zahlenmann hat mit seinem Thesengewitter und nachfolgenden Einlassungen für Empörung gesorgt, oft zu Recht. Dennoch: Nicht alle Gedanken Sarrazins sind wirr und nicht jeder ein Radikaler, der ihm zustimmt. Vielmehr beweist das öffentliche Interesse, die Leserbriefe, Tumulte in Buchläden und die Nachfrage nach Auftritten, dass der frühere Berliner Finanzsenator ein Thema anspricht, das die Leute bewegt, so oder so. (...)Wenn jedem unliebsamen Geist das Parteibuch entzogen wird, dann verwandelt sich eine bunte Volkspartei in eine stromlinienförmige Sekte, die kaum mehr Verbindung zu den Menschen hält, die sie eines Tages wählen sollen. Dass bei manchen Bürgern der Verdacht wächst, da solle einer mundtot gemacht werden, hilft nur denen, die mit Verschwörungstheorien punkten wollen."

Taz.de:

"Nicht aus Sicht der Bank, aber umso mehr aus politischer Sicht ist es nicht die klügste oder wenigstens geschickteste Idee, dem Fehler seiner Ernennung den Fehler seiner Kündigung folgen zu lassen. Als Vorstandsmitglied einer Institution, deren altehrwürdiger Name in keinem Verhältnis zu ihrer gegenwärtigen Bedeutung steht, kann Sarrazin kaum Schaden anrichten. Warum sollte er also nicht Aufgaben wahrnehmen wie zerknitterte Geldscheine aus dem Verkehr zu ziehen?
Ihn jetzt zu feuern bedeutet hingegen, ihn zum Märtyrer zu machen - zu einem quicklebendigen und gut abgefundenen natürlich, der sich, wie einige meinen, nun zu einem deutschen Wiedergänger eines Wilders oder Haiders aufschwingen könnte."

red

03.09.2010
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    Letzte Kommentare

    Anzeige: 1 - 2 von 2

    03.09.10 12:05

    Claus Thaler

    Wieviele "Opfer" wird es in diesem unserem Lande noch geben, die sich einfach nicht damit abfinden wollen, dass wir Deutschen (nicht: DIE Deutschen!) uns von Minderheiten unsere Kultur und Meinungsfreiheit aufdiktieren lassen müssen, nur weil die Politiker keine gemeinsame Lösung finden?
    Wann werden "die" Politiker endlich begreifen, dass - wenn sie schon als "zweiter" Sieger aus einer Wahl hervorgehen - nicht automatisch zum "Nein-Sager" mutieren wie jetzt SPD & Grüne, die schon mit "nein" reagieren, wenn man Ihnen einen "Guten Tag" wünscht.
    Sie haben weiterhin die Pflicht zur ERNSTEN politischen Arbeit zur restlosen Erfüllung des Wählerwillens, was in diesem Falle Herr Sarrazin an sich genommen hat, um eine Diskussion anzustoßen, die seit Jahrzehnten überfällig ist: Sich endlich den Problemen der "Gastarbeiter" anzunehmen, anstatt mit Wattebäuschchen um sich zu werfen!
    Bei den Italienern, Spaniern, Griechen hat die Integration problemlos funktioniert. Wahrscheinlich, weil sie in verwandten Kulturen leben.
    Bei den "Andersgläubigen" werden die Bemühungen (?) nur dann zum Erfolg führen, wenn sich BEIDE Teile ehrlich beteiligen werden und nicht nur "Punkte" sammeln wollen.
    Deswegen glaube ich, dass in erster Linie die "Gastarbeiter" auch die Verpflichtung haben, sich wie "Gäste" in diesem unserem Lande zu verhalten. So wie wir dazu verpflichtet sind, diesen "Gästen" Schutz und Freundschaft zu gewähren, wenn sie ihren ehrlichen Integrationswillen nachweisen.
    Wenn diese Gäste hierzu Hilfe benötigen: Sehr gern! Hier können dann die "Gutmenschen" endlich vom Wort zur Tat schreiten.
    Reden ist (derzeit zu jeder unpassenden Gelegenheit) Rot-Grün - Machen wäre Gold und sie hätten endlich eine konstruktive Aufgabe bis zur nächsten Wahl!

    03.09.10 10:49

    Michael Erben Web-Site

    Wäre Herr Sarrazin ein reiner Phrasendrescher, wäre er als Beamter, Manager und auch Senator nicht so weit gekommen. Er war mehr als einmal der Ausputzer für Bgm. Wowereits Wunschdenken. Dass er als ausgewiesener Finanzer die Bundesbank als Schreibstube missbraucht - was soll's. Ihm mag zwar die Fähigkeit abhanden gekommen sein, dass Maß seiner Zuspitzung zu begreifen. Doch ändert dies nichts daran, dass hier nicht nur eine Debatte geführt werden mus. Es müssen auch Taten folgen. So geht kein Weg daran vorbei, die vorschulische Erziehung bundesweit auf deutlichem höherem Niveau zu vereinheitlichen. Auch sollte jedem klar sein, dass jedermann an einem Aufbrechen der muslimischen Parallelgesellschaften nicht zuletzt volkswirtschaftlich sehr gelegen sein müsste.

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