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Teil 4 der Serie mit Profilen deutscher Print-Objekte

Analyse: Der typische Bild-Leser

Der Bier trinkende Bauarbeiter, der sich in der Frühstückspause die nackten Frauen in der Bild anschaut und den neuesten Klatsch über seinen Fußballverein liest. Das ist das Klischee, das seit Jahrzehnten über den typischen Bild-Konsumenten existiert. Doch trifft dieses Klischee im Jahr 2013 noch zu? Oder hat der typische Bild-Leser in Wirklichkeit nicht Abitur, verdient viel und ist dennoch an Klatsch, Tratsch, Sex und Crime interessiert? MEEDIA untersucht das anhand von Zahlen der media analyse.

Zwischen 2,521 Mio. und 2,752 Mio. mal verkaufte sich die Bild in den vier Quartalen des Jahres 2012 laut IVW pro Tag. Die Tendenz zeigt dabei deutlich nach unten - in den vergangenen fünf Jahren verlor das Boulevard-Schlachtschiff 24% seiner verkauften Auflage, in den vergangenen zehn Jahren sogar 36%, bzw. fast 1,5 Mio. Käufer. Die Verkäufe generiert die Bild dabei fast ausschließlich im Einzelverkauf in Kiosken, Supermärkten, Bäckern, etc. 2,40 Mio. der 2,52 Mio. Exemplare werden so an den Mann gebracht. Eine kleine Rolle spielen Abos (52.639), Bordexemplare (31.466) und sonstige Verkäufe (37.585).

Gelesen wird die Bild laut der media analyse 2012 immer noch von 12,77 Mio. Menschen. Mehrjahresvergleiche sind hier allerdings etwas heikel, da die Grundgesamtheit der ma in der Zwischenzeit von allen deutschen auf alle Deutschsprachigen Bewohner der Republik ausgedehnt wurde. Für unsere Betrachtungen spielt dies allerdings keine Rolle, wir analysieren in den folgenden Ausführungen vor allem die Zusammensetzung der Bild-Leserschaft:

63% der Bild-Leser sind Männer, 37% Frauen. Mancher hätte hier sicher mit einer noch männlicheren Leserschaft gerechnet, beim Spiegel ist das Verhältnis beispielsweise 67% zu 33%. In der Altersverteilung sehen die Prozentzahlen von Bild und Spiegel interessanterweise sogar fast identisch aus. Beide haben mit 21% bzw. 22% bei den 40- bis 49-Jährigen ihren Peak, bei beiden stammen 15% aus der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen und auch in den anderen Gruppen gibt es nur geringe Unterschiede von maximal zwei Prozentpunkten.

Große Unterschiede zwischen dem Bild-Leser und dem von Magazinen wie Spiegel, stern und Focus gibt es hingegen bei der Bildung: Während 56% der Spiegel-Leser, 45% der Focus-Leser und 39% der stern-Leser Abitur haben, sind es bei der Bild nur 13%. Stattdessen verfügen 43% der Bild-Konsumenten über einen Haupt-/Volksschulabschluss mit Lehre, weitere 31% über die mittlere Reife. Der Bild-Leser ist also deutlich schlechter gebildet als der der drei Wochenmagazine. Und: Er ist auch schlechter gebildet als der Bundes-Durchschitt. Laut ma verfügt die Grundgesamtheit der 70,21 Mio. Über-14-Jährigen zu 26% über ein Abitur, Menschen mit Haupt- und Realschulabschluss machen 61% aus. Auch nach absoluten Zahlen gibt es bei der Bild deutlich weniger Leser mit Abitur als bei Spiegel & Co.: 1,73 Mio. sind es bei der Bild, 3,49 Mio. beispielsweise beim Spiegel.

Auch bei der Berufstätigkeit gibt es große Unterschiede zwischen Bild und den anspruchsvolleren Wochenmagazinen. Der Anteil der Berufstätigen ist mit 64% zwar identisch zu denen bei Spiegel und stern, doch die Art der Berufstätigkeit ist eine andere. So sind 33% der Bild-Leser Facharbeiter, weitere 15% Arbeiter - zusammen also 48%. Bei Spiegel, stern und Focus liegen diese Zahlen zwischen 17% und 26%, in der Grundgesamtheit bei 34%. Schwächer vertreten sind unter den Bild-Lesern hingegen die Selbständigen, Angestellten und Beamten. Ähnlich sieht es bei der Einkommensverteilung aus: Hier ist die Bild besonders stark bei denen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro - und deutlich schwächer bei denen mit 3.000 Euro und mehr.

Keine wesentlichen Unterschiede zwischen Bild und den Magazinen gibt es bei der regionalen Verteilung der Leserschaft. Die meisten Bild-Leser (21%) kommen aus NRW, dahinter folgt der Norde (Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen) mit 18%. Auffällig ist allerdings, dass die Bild im Osten besser vertreten ist als Spiegel und stern: 16% der Bild-Leser stammen aus den fünf neueren Bundesländern, bei den beiden Magazinen sind es nur 13% bzw. 9%. Einzig der Focus liegt hier mit 17% noch vor der Bild.

Der typische Bild-Leser ist also ein Mann im Alter von 40 bis 59 Jahren. Er ist zur Haupt- oder Realschule gegangen, arbeitet als Facharbeiter und verfügt über ein Haushalts-Nettoeinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro. Trifft das Klischee über den Bier trinkenden Bauarbeiter also zu? Ein bisschen wohl schon.

Jens Schröder

24.01.2013
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MEEDIA RÜCKBLICK

  • 29.01.2013 Print-Analyse: der typische Zeit-Leser
  • 16.01.2013 Print-Analyse: der typische Focus-Leser
  • 15.01.2013 Print-Analyse: der typische Spiegel-Leser
  • 14.01.2013 Print-Analyse: der typische stern-Leser
  • 21.12.2012 Analyse: die Leser der Online-News-Sites

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16.05.13 22:17

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Den letzten Satz finde ich unnötig und ein bisserl arrogant. Spricht darauf Dünkel... oder Neid? Ich vermute, der durchschnittliche freie Journalist kommt nicht auf das Netto-Haushaltseinkommen des durchschnittlichen Bild-Lesers.

25.01.13 10:49

Sven Sch.

Aha! Dann sind wohl alle männlichen Arbeiter zwischen 40 und 59 "ein bisschen Bauarbeiter" und trinken ab und zu ein Bier? Na sowas :D! Man sollte dabei nicht vergessen, dass jeder Deutsche durchschnittlich 90L Bier im Jahr trinkt. Puh... viel Rechnerei, aber wenn mal nachdenkt müssten diese männlichen und anscheinend völlig ungebildeten Arbeiter dann schon ganz üble Alkoholiker sein um den vielen Menschen mit Abitur ihre 90L im Jahr wegzusüppeln...

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