Der Deutsche Journalisten-Verband hat die neuen Honorarsätze der Nachrichtenagentur dapd als Dumping-Honorare kritisiert. Mit den neuen Vergütungen werde die journalistische Leistung freier Mitarbeiter diskreditiert, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Die Agentur will ab 1. März neue Honorarsätze einführen, die deutlich unter dem bisherigen Niveau liegen. Die Tagespauschale für bis zu acht Stunden soll 77 Euro betragen. Die Agentur verteidigt ihr Vorgehen.
Für Journalisten, die häufig studiert haben und Jahre in ihre praktische Ausbildung investiert haben, bedeutet das einen Stundenlohn von netto häufig unter fünf Euro. Für die Standardmeldung sollen Freie zudem nur noch fünf bis 18 Euro erhalten statt bisher rund 25 Euro. Lediglich bei mehr als acht Stunden Einsatz will die Agentur 128 Euro Tagesvergütung für „Freie“ zahlen. Buchbesprechungen sollen pauschal mit 40 Euro vergütet werden.
„Diese Honorare sind eine Unverschämtheit“, sagte Konken. Es sei zynisch, dass dapd in einem Schreiben an die Freien von Harmonisierung spreche. „Mit diesen Honorarsätzen lässt sich Qualitätsjournalismus nicht bezahlen.“ Er forderte dapd auf, mit dem DJV in Verhandlungen über angemessene Vergütungen für die freien Mitarbeiter der Agentur einzutreten.
Die Nachrichtenagentur ließ derweil verlauten: "Für etwa 90 Prozent aller freien Mitarbeiter der dapd ändert sich nichts. Sie bekommen dieselben Honorarsätze wie bisher. Bei weniger als zehn Prozent aller aktuellen freien Mitarbeiter sind in der Tat Kürzungen vorgenommen worden. Betroffen sind etwa 25 Mitarbeiter von insgesamt 300 freien Kollegen. Dabei handelt sich um freie Mitarbeiter des ehemaligen deutschsprachigen Dienstes von Associated Press."
Die dapd nachrichtenagentur GmbH ist aus der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (ddp) und dem deutschen Ableger der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hervorgegangen und bietet seit 2010 Nachrichtentexte aus einer Hand in Konkurrenz zur Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Letzte Kommentare
25.02.11 21:55
Schreck Gespenst Web-Site
Hey, das ist schon lange gang und gebe. Auf meinem Internetportal habe ich bereits einen Artikel verfasst, der sich mit dem Lohn "normaler Texter" befasst. Teilweise haben diese Texter eine journalistische Ausbildung. Da sie kaum noch Aufträge generieren, schreiben sie dementsprechende Texte. Die Honorarvorstellungen mancher Auftraggeber liegen dabei im Bereich von weit unter einem Cent.
Um die Qualität von Nachrichten muss man sich nicht fürchten. Öffnet man im Internet verschiedene Nachrichtenseiten, erscheinen immer häufiger die selben Nachrichten per Duplikat multipliziert mal die Wurzel von Zehn und noch das zum Quadrat.
Da benötigt man weder freie Journalisten noch Texter noch anders. Man produziert Aufstocker? Nein, geiz ist geil und irgendwann gibt es alles umsonst.
Wo die Ironie in diesem Beitrag steckt, draf sich jeder selbst aussuchen.
;-)
25.02.11 15:10
Olaf Dudek
So werden Aufstocker produziert. Man arbeitet jetzt schon, grade bei den lokalen Zeitungen für Zeilenhonorare, die jeder Beschreibung spotten. Und ich stimme Martin Siemer absolut zu, dju/djv klopfen sich auf die Schulter mit den neuen Honoraregelungen, fragt man diese freundlich an, bekommt man den Hinweis, es gibt genug Menschen, die für 5 Cent oder 13 Cent die Zeile schreiben. Aber hier versagt auch ganz klar die Politik, denn wenn die nebenberuflichen Journalisten bei den Finanzämtern richtig veranlagt werden würden, rech´net es sich nicht mehr für diese Leute. Denn ob hauptberuflich oder nebenberuflich, es beleiben Einnahmen aus selbstständiger Arbeit. Und da ist eine Einnahmen/Ausgabenrechung vorzulegen, der Gewinn zu versteuern und BG zu zahlen. Damit lohnt es für nebenberufliche Freie nämlich nicht mehr. Und noch eins: Nach §32 Urhebergesetz steht jedem Autor ein angemessenes Honorar zu, ich habe deswegen Klage gegen einen Verlag angestrengt.
25.02.11 14:31
peter bischoff Web-Site
Der grösste Skandal ist , dass DAPD mit diesen
"Hungerlöhnen" ( das Wort "Vergütung" ist hier
völlig fehl am Platz) versucht, auf dem Markt
mit Dumping-Honoraren allen freien Journalisten und
Fotografen "das Wasser abzugraben.
Genauso wie es DPA und Getty im Kampf um Platz 1
schon lange tun.
Aber solange wir- die Betroffenen- uns nicht mit Solidaritäts-Aktionen dagegen wehren , haben wir selber Schuld .
25.02.11 14:30
peter bischoff Web-Site
Der grösste Skandal ist , dass DAPD mit diesen
"Hungerlöhnen" ( das Wort "Vergütung" ist hier
völlig fehl am Platz) versucht, auf dem Markt
mit Dumping-Honoraren allen freien Journalisten und
Fotografen "das Wasser abzugraben.
Genauso wie es DPA und Getty im Kampf um Platz 1
schon lange tun.
Aber solange wir- die Betroffenen- uns nicht mit Solidaritäts-Aktionen dagegen wehren , haben wir selber Schuld .
25.02.11 14:02
Martin Siemer Web-Site
Am besten finde ich dann immer das empörte Geschrei von DJV und DJU. Am Ende ist dass immer heiße Luft. Die neuen Honorarreglungen, die eine angemessene Vergütung sicherstellen sollen und die im vergangenen Jahr als großer Erfolg gefeiert wurden, werden von den wenigsten Verlagen umgesetzt.
Es gibt hier bei uns in der Region eine Zeitung, die zahlt exakt die gleichen Zeilenhonorare wie vor 25 Jahren (in Euro umgerechnet). Und dann träumen die Verleger von Renditen deutlich über zehn Prozent.
Vielleicht sollten wir Freien, selbst organisiert, auch einfach mal in einem Streik treten.