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ROG: Die meisten der Todesopfer sind Iraker

230 Medienvertreter sterben im Irak-Krieg

Traurige Bilanz: Seit dem Einmarsch der US-Truppen im Irak im März 2003 sind 230 Medienvertreter dem bewaffneten Konflikt zum Opfer gefallen. Zu diesem Ergebnis kommt Reporter ohne Grenzen (ROG) in einer Studie zur Pressefreiheit über das vorderasiatische Land. Demzufolge hat sich nach dem Sturz Saddam Husseins die Situation für Journalisten zwar verbessert, die folgenden politischen Auseinandersetzungen verursachten aber auch ein extremes Ausmaß an Gewalt, die sich auch gegen sie richtete.

Die 230 Opfer übersteigen damit die Anzahl der getöteten Reporter während des Vietnamkriegs, gab ROG bekannt. Bei dem bewaffneten Konflikt zwischen 1955 bis 1975 kamen 63 Journalisten ums Leben.

Während des Irak-Kriegs starben rund 70 Prozent der Journalisten durch gezielte Anschläge und Attacken. Nach ROG-Angaben ist dies eine weitaus höhere Rate als bei vorangegangenen Kriegen. In mehr als 80 Prozent der Fälle kamen die Täter aus den Reihen bewaffneter Gruppen, die im Widerstand zur US-Koalition und der irakischen Regierung standen. Für rund zehn Prozent der Todesfälle waren die internationalen Besatzungstruppen verantwortlich.

Die meisten Todesopfer, fast 90 Prozent, waren irakische Medienvertreter. Vermutlich spielten in vielen Fällen die politische Ausrichtung oder Nähe zu ethnischen Gruppen der Medien, für die sie arbeiteten, eine Rolle. Vor allem staatliche Medien wurden zur Zielscheibe von Gewalt. Der Grund: Sie werden von militanten oppositionellen Gruppen häufig verdächtigt, im Dienst der US-amerikanischen Streitkräfte zu stehen und deswegen als Verräter oder Feinde betrachtet.

ROG verzeichnete in den vergangenen Jahren einen weiteren Negativrekord im Irak. Mindestens 93 Medienmitarbeiter wurden im Untersuchungszeitraum des Berichts entführt. 47 von ihnen wurden wieder frei gelassen, 32 ermordet, das Schicksal weiterer 14 entführter Medienschaffender ist bisher ungewiss.

Schließlich dokumentiert ROG in dem Bericht zahlreiche Festnahmen von Journalisten. Demnach verhafteten US-amerikanische Soldaten rund 30 Journalisten, die irakischen Behörden nahmen mehrere Dutzend Reporter fest. Die meisten Journalisten wurden unter dem Verdacht verhaftet, sie kollaborierten mit aufständischen Gruppen. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation handelte es sich häufig um willkürliche Festnahmen, deren Rechtmäßigkeit nicht ausreichend überprüft wurde.

ROG plädiert dafür, den Schutz von Journalisten im Irak stärker gesetzlich zu verankern. Ein Kernanliegen der irakischen Regierung sollte es ferner sein, ihre Anstrengungen zur Aufklärung von Verbrechen an Journalisten zu intensivieren. Erste Schritte, wie die Schaffung einer speziellen Polizeieinheit für Ermittlungen in Fällen getöteter Medienmitarbeiter, sind bisher ohne nennenswerte Auswirkungen geblieben. In 99 Prozent der Mordfälle seien die Verantwortlichen bisher straffrei geblieben, so ROG.

Das jüngste Opfer der Gewalt im Irak war in dieser Woche der 35-jährige Fernsehmoderator Riad el Sarai, der für den staatlichen Fernsehsender "El Irakija" gearbeitet hatte. Er wurde von unbekannten bewaffneten Männern erschossen, als er am Dienstagmorgen sein Haus in Bagdad verließ. ROG verlangt die umgehende Einleitung von Ermittlungen.

red

08.09.2010
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