Paywall war gestern: Im Kampf um mehr Fans auf Facebook hat Focus Online eine “Like-Wall” eingeführt. Wer einen Artikel auf dem News-Portal zuende lesen will, muss einen Dialog beantworten, der nach der Hälfte des ersten Absatzes nach dem Teaser auftaucht. Der restliche Text darunter ist ausgegraut. Der Leser hat die Möglichkeit, die Facebook-Seite von Focus Online zu liken oder den Dialog wegzuklicken. Auf MEEDIA-Anfrage erklärte man, dass es sich um ein Experiment handle, das eventuell fortgeführt wird.

Hat man angegeben, bereits Fan der Webseite zu sein, verschwindet das Pop-up. Gut: Man kann ebenso angeben, nicht Fan der Seite werden. Es besteht also kein Zwang. Es ist das erste Mal im deutschen Web, dass eine Webseite mit einem Pop-up auf der Webseite für mehr Fans wirbt. Bislang nutzen Webseiten in erster Linie Social-Plugins von Facebook, um neue Fans zu werben. Zu den Beliebtesten zählt nach wie vor die Like-Box, die meist in der rechten Kastenspalte mit den Facebook-Freunden eines Lesers aufwartet und zum Liken animieren soll.
Auf Facebook hat Focus Online rund 46.000 Fans. Die direkte Konkurrenz - Faz.net mit rund 50.000 Fans, stern.de mit 72.000 Fans, Zeit Online mit 102.000 Fans - gilt es nun zu überholen. Welt Online mit rund 27.000 Fans und Süddeutsche.de mit rund 42.000 Fans haben die Münchner bereits hinter sich gelassen.
Update: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels war die "Like-Wall" aktiv, zwischenzeitlich tauchte sie auf der Webseite nicht mehr auf.
Letzte Kommentare
12.08.12 00:08
Me Too
Die Zukunft lautet "Native Advertising", also kurz gesagt Werbung, die Teil des Website-Designs ist.
Denn Bannerwerbung ist störend und deshalb schädlich. Nicht ohne Grund ist die Klickrate (etwa 0,1%) ziemlich gering. Auch dämliche Ideen wie die "Facebook-Schranke" fallen darunter, die ich aber in die selbe Kategorie wie selbststartende Videos einordnen würde.
Aber viele deutsche Inhalteanbieter sind anscheinend unbelehrbar und wundern sich dennoch, warum ihre Online-Werbeeinnahmen so gering sind.
Wie Native Advertising bei Inhalteanbietern funktionieren könnte, wird hier gut beschrieben:
http://techcrunch.com/2012/08/04/dear-yahoo-i-redesigned-your-website-and-took-out-512240-pixels-of-banner-ads/
Google, Facebook und Twitter machen es vor.
11.08.12 20:47
Frank Uhlig
@Arndt, was bringt so eine Brandwall außer das die User genervt weglaufen? Nur um zu sehen was passiert habe ich diesmal die Domain eingegeben wie gefordert. Eingebrannt hat sich dabei nichts bei mir, ich kann dir schon jetzt nicht mehr sagen welche Domain das war. Normalerweise hätte ich die Seite aber an der Stelle verlassen.
10.08.12 01:30
Hans Wurst
Weiß gar nicht was ihr habt.
Ich nutze NoScript und Adblock. Die miesten Seiten laden schnell, ich sehe keinen Flash-Müll, werde nicht durch Tracking-Skripte belästigt (Cookies/LSO auch verboten).
Bei mir funktioniert alles ohne "Klick-Hier mal und da"-Popups. Aber selbst wenn ich Testweise mal alle Skripte und Werbung auf der Tagesspiegelseite erlaube sehe ich nix von dieser Brandwall.(die haben Skripte von 21 externen Seiten am laufen! Und neben Arte und sich sebst ist da nur Tracking- und SPAM-Gedöhns.) Haben die das auch wieder ausgemacht.
09.08.12 13:23
Nase Voll
Die genannte Seiten (brandwall) vom Tagesspiegel kenne ich.
Allerdings gehe ich nicht mehr in solche Artikel und immer weniger online zu dieser Zeitung, weil es einfach nervt und die Dinger eine Frechheit sind.
Man will einen Artikel lesen- muss erst 2-3 überfrachtete Popups beseiten die sich ggf. nicht mal schließen lassen oder den Rechner zum Absturz bringe... und am Ende soll man noch dumme Werbung eingeben??? Nee ich nicht mehr.
Der Tagesspiegel ist inzwischen so mit Popups und "brandwall Seiten überfrachtet das ich den immer weniger lese und eben zur Konkurrenz lesen gehe. Wenn das der Sinn der Sache ist?
Facebook Likes "zu erbetteln" damit der User einen Artikel zu Ende lesen kann- na ja wer es braucht...
Ich würde das nicht machen und dann eben (wie beim Tagesspiegel) zur Konkurrenz wechseln. Wo man schnell und gut und ohne viel Bettelei Informationen bekommt.
09.08.12 12:39
Arndt Roller Web-Site
Focus Online sind sicher nicht die einzigen, die Alternativen zur Paywall ausprobieren.
Die von uns entwickelte brandwall wird z.B. beim Tagesspiegel.de seit längerem eingesetzt: hier wird der User aufgefordert, eine Werbebotschaft einzutippen, damit ein Artikel voll zugänglich wird.
Zum Beispiel hier: http://www.tagesspiegel.de/kultur/zum-50-todestag-hermann-hesse-spielregeln-des-geistes/6977926.html
Die brandwall ist für den User viel intuitiver als eine Paywall, und sicherlich aufgrund hoher eTKPs lukrativer für den Publisher als der Vermarktungs-Status Quo.