„Das ist ein katastrophales Armutszeugnis für die europäischen Medienpolitiker“. In ungewohnt scharfen Tönen kommentiert Jochen Rädeker, Chef des Art Directors Club, die ACTA-Ablehnung durch das Europäische Parlament. „Selten ist es der Politik so nachhaltig gelungen, ein so wichtiges Thema wie den Schutz von Kunst, Kultur, Patenten und Marken so stümperhaft zu behandeln, dass das eigene Scheitern nur eine Frage der Zeit war. Dabei wäre es bitter nötig gewesen, durchdacht zu handeln“.
Nach Meinung des Werbers ist das Scheitern des „Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen“ ein Lehrstück für Politiker, die mit der Generation der Digital Natives nichts anfangen können und plötzlich erschrocken feststellen würden, dass diese Generation inzwischen wahlberechtigt sei.
Rädeker spricht von einem „hirnlosen Einknicken der Politik vor ein paar wenigen, radikalen Vertretern einer inakzeptablen Gratiskultur“.
Der ADC-Chef ärgert sich besonders darüber, dass die Diskussion in Deutschland vor allem auf der Ebene von illegalen Downloads und Web-Gratis-Kultur geführt worden sei. „Doch das sind Nebenkriegsschauplätze“. Tatsächlich gehe es um Marken und Patente, „also um das wertvollste, was Unternehmen besitzen“.
Der Werber fordert, dass statt ACTA nun schnellstmöglich alternative Schutzmaßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen und Produktpiraterie gefunden werden müssen. Das gehe aber nur im Dialog mit der Öffentlichkeit und den Kreativen. „Maßnahmen, die die Verbreitung von Inhalten über das Internet möglich machen, ohne dass Kunst und Kreation dauerhaft zum brotlosen Job werden.“ Rädekers Stellungnahmen endet mit dem Appell: „Medienpolitiker Europas: Macht endlich Eure Arbeit!“
Letzte Kommentare
05.07.12 12:13
Jean-Baptiste Grenouille
Und ist er ganz im Geiste seiner Aussagen auch schon mit Verbandsausschlussverfahren gegen die Mitglieder vorgegangen, die bei Jung von Matt sich mal eben der Marke "Stolpersteine" bedient haben und die Idee der Website hierzu so einfach kopiert haben, um damit Cannes-Lions zu gewinnen?
Wenn er dies erfolgreich durchgezogen hat, dann bin ich bereit ihm zuzuhören ...
05.07.12 11:25
Christian Koester
Es ist doch gerade sehr begrüßenswert, dass die Politik nicht (wieder einmal) vor Lobbyisten einknickt, sondern endlich einmal die Interessen des digitalen Normalbürgers berücksichtigt. Der war doch sowieso nur noch permanent angenervt (meine Wenigkeit eingeschlossen) von all' den Warnhinweisen, "Stoppschildern" und Strafandrohungen wegen Urheberrechtsverletzungen. Die Zeiten haben sich geändert, die Trennung von (Kunst-) Werk und physischem Medium ist seit Jahren vollzogen, und dass man anstatt Gebietsschutz zu betreiben, hier richtig Geld verdienen kann - da sei hier einmal mehr auf Apple verwiesen, die es mit iTunes schon so lange vorgemacht haben!
05.07.12 10:38
Rudolf Jahns Web-Site
Oh Gott, diese Kommentare triefen ja vor Neid, Missgunst und völliger Unkenntnis der Werte von Design, Marken und Kommunikationsleistungen.
05.07.12 10:27
Peter Schrader Web-Site
Zum Glück hat sich das EU-Parlament von genau solchen laut schreienden Lobbyisten nicht beeinflussen lassen.
05.07.12 09:59
Hans Strunk
Dieser Werbeheini sollte sich aus politischen Diskussionen raushalten. Der Zwergenaufstand interessiert niemanden.