Niemand war im Jahr 2011 so oft in den großen Talkshows von ARD und ZDF zu sehen wie der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Neunmal war er bei Anne Will, Günther Jauch & Co. zu Gast und übernahm damit den Spitzenplatz des von MEEDIA recherchierten Rankings der meisteingeladenen Talkshowgäste. Dahinter folgen mit je 7 Auftritten gleich acht Leute, darunter die Publizisten Hans-Ulrich Jörges, Jürgen Todenhöfer, Michael Spreng und Peter Scholl-Latour. Vorjahressieger Heiner Geißler findet sich diesmal nur auf Platz 25.
Für unsere Auswertung haben wir sämtliche Gäste der sechs großen wöchentlichen ARD- und ZDF-Talkshows "Anne Will", "Beckmann", "Günther Jauch", "Hart aber fair", "Menschen bei Maischberger" und "Maybrit Illner" recherchiert und die Zahl ihrer Auftritte gezählt. Anschließend wurden die Zahlen aller sechs Shows zusammengezählt und fertig war das Ranking.
Jürgen Trittin übernimmt den ersten Platz vom Vorjahresgewinner Heiner Geißler, der 2010 auch - aber nicht nur - wegen der Stuttgart-21-Schlichtung heftige 12 mal in den damals noch fünf Shows zu sehen war. 2011 war er wesentlich weniger präsent: Auf vier Auftritte kam er noch - zwei bei "Anne Will" und je einer bei "Hart aber fair" und "Beckmann". Neben Geißler gehört auch die Nummer 2 aus dem Jahr 2010 zu den Absteigern: Hans-Olaf-Henkel wurde nach neun Auftritten in 2010 in diesem Jahr nur noch dreimal eingeladen.
Die neun Trittin-Auftritte setzten sich aus drei bei "Anne Will", drei bei "Hart aber fair", einem bei "Günther Jauch" und zwei bei "Maybrit Illner" zusammen. Nicht eingeladen war er bei "Beckmann" und "Menschen bei Maischberger". Gleich acht Personen teilen sich dahinter den zweiten Platz: Auf jeweils sieben Auftritte brachten es nämlich Gregor Gysi, Hans-Ulrich Jörges, Jürgen Todenhöfer, Klaus von Dohnanyi, Michael Spreng, Peter Scholl-Latour, Rainer Brüderle und Ursula von der Leyen.
Todenhöfer und Dohnanyi sind dabei die größten Aufsteiger in den Talk-Gästelisten. Der Ex-Burda-Manager und Buchautor Todenhöfer, der oft zum Themenkomplex arabische Revolutionen eingeladen wurde, war 2010 überhaupt nicht in den ausgewerteten Talkshows zu sehen, Dohnanyi nur einmal. Ebenfalls zu den Aufsteigern gehören der Bild-Mann Nikolaus Blome (2010 einmal, 2011 fünfmal), sowie Ulrich Kienzle (2010 null mal, 2011 fünfmal).
Interessanterweise hat es niemand geschafft, in allen sechs Talkshows aufzutauchen. Immerhin sechs Leute saßen aber in fünf der sechs Sendungen: Gregor Gysi, Jürgen Todenhöfer, Klaus von Dohnanyi, Ursula von der Leyen, Nikolaus Blome und Ranga Yogeshwar.
Alle Redaktionen haben zudem ihre eigenen Lieblingsgäste, die besonders oft eingeladen werden - zum Teil zu höchst unterschiedlichen Themen. Die Nummer 1 bei "Anne Will" ist beispielsweise Michael Spreng. Allein viermal war er dort im Jahr 2011 zu Gast. Meistgesehener "Beckmann"-Gast war hingegen Peter Scholl-Latour mit drei Auftritten. Auch für den Spitzenplatz bei "Hart aber fair" waren drei Einladungen nötig: Hans-Ulrich Jörges und Jürgen Trittin bekamen sie.
Gleich drei Leute teilen sich den ersten Rang bei "Menschen bei Maischberger": Arnulf Baring, Kurt Biedenkopf und Sahra Wagenknecht - mit je drei Anwesenheiten. Viermal bei "Maybrit Illner" zu sehen war CDU-Mann Volker Kauder, der in allen anderen fünf Shows insgesamt nur einmal zu Gast war. Auch "Günther Jauch", erst seit September auf Sendung, hat bereits Lieblingsgäste: Oskar Lafontaine und Ursula von der Leyen waren in der Kürze der Zeit bereits zweimal in der Show zu sehen.
Eindrucksvoll ist übrigens auch die Gesamtzahl der Leute, die im Jahr 2011 als Gast in den sechs Sendungen zu sehen waren: Mehr als 730 waren es, darunter immerhin 160 zweimal oder mehr.
Letzte Kommentare
24.12.11 11:43
rolf steiner
23 mal die FDP, und das bei 3 % Zustimmung in der Bevölkerung, ein merkwürdiger und übertriebener "Minderheitenschutz". Mich wundert außerdem dass neben dem immer wieder den beleidigt spielenden Baring nicht das Oberschwätzmaul Henkel aufgeführt wird.
23.12.11 17:38
Walter Rauer
Das heisst doch nichts anderes als dass es den Talkshows nicht um eine echte Diskussion zu einem Zeitthema geht, sondern nur um Effekthascherei, wenn ausgerechnet der Vertreter einer Minipartei mit abstrusen Ansichten so häufig eingeladen wird. Oder braucht Herr Trittin die Honarare?
Jedenfalls interessiert die Ansicht von Herrn Trittin ( Mr. Dosenpfand) doch maximal 10 % der Bevölkerung-
23.12.11 12:31
Christian Meier
Erfasst wurden hier leider nur die Auftritte in den wöchentlichen Talk-Shows von ARD und ZDF. Darüber hinaus gibt es aber doch auch noch diverse Polit-Talks in den Privaten (Sat1, n-tv, N24), auf Phoenix sowie in den dritten Programmen der ARD. Dazu kommen noch andere Talk-Formate wie etwa der "Kölner Treff" im WDR, "3 nach 9" im NDR oder "Pelzig hält sich" im ZDF, bei denen politische Themen ebenfalls eine Rolle spielen und Politprominenz zu Gast ist.
23.12.11 09:38
Tim Krahnert
-Aufladung +Einladung
23.12.11 09:36
Tim Krahnert
Hallo,
Sie müssen noch lernen zwischen "Einladung" und "Auftritt" zu unterscheiden. Sie haben entgegen der Aussage Ihrer Überschrift die Anzahl der Auftritte erfasst. Wie oft jemand eingeladen wurde, haben Sie dagegen offensichtlich bei den Redaktionen nicht angefragt.
Sagt bei Ihnen privat jeder Gast, den Sie einladen, auch zu? Also meine gewünschten Gäste haben manchmal auch andere Termine und sagen deshalb eine Aufladung ab und haben somit keinen "Auftritt" bei mir zu Hause.
Gruß
Tim